Das buddhistische Weltwunder Borobudur

Die sagenhafteTempelanlage Borobudur in Java gilt als der größte buddhistische Tempel südlich des Äquators - und als der älteste in Südostasien

Text und Fotos: Michael Mannheimer

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Borobudur 1999

Er muß sich gefühlt haben wie ein halbes Jahrhundert später der deutsche Archäologe Heinrich Schliemann, als er auf die ersten Überreste des sagenhaften Troja stieß: beglückt und berauscht, ungläubig und voller Erstaunen zugleich.

So wie diese griechische Stadt galt die buddhistische Tempelanlage Borobudur auf Java, Indonesien, über Jahrhunderte als Mythos, nicht wirklich existent, besungen nur in den Mythen und mündlichen Überlieferungen der Völker.

Doch als im Jahre 1814 Sir Stamford Raffles (Bild links), der damalige britische Gouverneur auf Indonesien, selbst ein vielseitig wissenschaftlich interessierter Mann, von der legendenumrankten Tempelanlage erfuhr, machte er sich sogleich auf den Weg, das Geheimnis Borobudurs zu lüften. Unweit der Stadt Yogjakarta, Zentraljava, am Fuße des mächtigen Vulkans Merapi, entdeckte er schließlich die Stelle, an der er den Borobudur mit großer Wahrscheinlichkeit vermutete.

Mit über 200 javanischen Arbeitern grub er sich Schicht um Schicht durch mannhohes Gestrüpp und eine meterdicke Lavadecke, bis er, gleichsam einer buddhistischen Erleuchtung, auf die oberste Stupa der Tempelanlage stieß. Es war die Geburtsstunde einer archäologischen Sensation - der Borobudur - der Welt größtes buddhistisches Baudenkmal, erblickte nach einem Jahrhunderte währenden Schlaf das Licht der Welt.

Doch bevor die gigantische Tempelanlage völlig ausgegraben wurde und zu neuem Leben erwachte, sollten weitere hundert Jahre vergehen.

Davor schlief sie mehr als 800 Jahre lang unter einem Mantel aus Vulkanasche, Lava und tropischem Gehölz. Ein gewaltiger Ausbruch des nahegelegenen Merapi (Foto links), einem bis in die Gegenwart aktiven und höchst gefährlichen Vulkan, begrub im Jahre 1006 die Tempelanlage, weitere kleinere Ausbrüche sollten folgen, und der tropische Urwald tat sein Übriges, die Existenz dieses prächtigen Bauwerks aus dem Gedächtnis der Javaner nahezu auszulöschen.

In bedrohlicher Nähe zu Borobudur: auch heute ist der Merapi einer der gefährlichsten Vulkane der Welt

Erbaut zwischen 775 und 842 n. Chr. unter den Dynastien der Sanjya und Sailendra hatte Borobudur nur eine kurze Blütezeit. Mit dem Fall des Reiches von Mararam im Jahre 912 n. Chr. verlor das Bauwerk seine überragende religiöse und spirituelle Bedeutung, die Tempelanlage verwaiste zunehmend, und als es 88 Jahre später schließlich zur großen Vulkankatastrophe kam, spielte die buddhistische Stätte im öffentlichen Leben der Javaner so gut wie keine Rolle mehr.

Doch heute gilt der Borobudur mit seinen ca. 75 000 m3 Volumen aus dunkelgrauem, vulkanischen Gestein als das größte und älteste buddhistische Baudenkmal südlich des Äquators - und, nach Angkor Wat in Kambodscha, als das wohl schönste in ganz Südostasien.

Das Fundament des Borobudur mißt 121 m auf allen vier Seiten, und auf seiner Spitze erhebt sich eine riesige, domartige Stupa. Trotz seiner mit annähernd 30 Metern geringen Höhe wird die Großartigkeit der Konstruktion mit jedem Schritt, den man auf die Anlage zugeht, deutlicher, der Respekt vor den Erbauern größer. Auf insgesamt acht Ebenen, die durch Treppen miteinander verbunden sind, findet man ca. 2500 Tafeln in die Wände gemeißelten Reliefs mit Motiven aus Buddhas Leben. Und über ein halbes Tausend Buddhafiguren, deren unterschiedliche Handhaltungen, "mudras", dem Gläubigen ganz bestimmte Zeichen geben, zählen zum Skulpturenprogramm des Borobudur: So rufen die Buddhas an der Ostseite des Bauwerks die Erde als eherne Zeugin für die Wahrheit deren Worte an. An der Südseite zeigen sie ihre Bereitschaft, Wünsche des Gläubigen zu gewähren.

An der Westseite wiederum findet man in Meditation versunkene Buddhas, während der Pilger auf der Nordseite aufgerufen und ermutigt wird, weiter auf dem Weg der Erleuchtung voranzuschreiten.

Die unteren fünf Terrassen sind quadratisch angelegt. Die an den Wänden sichtbaren Reliefs zeigen den Weg und den Fortschritt Bodhisattvas, (wie Buddha vor seiner Erleuchtung genannt wird) - wobei sich jede Terrasse einer Stufe seiner Entwicklung widmet. Selbst auf dem indischen Festland ist die spätbuddhistische Erlösungslehre nirgendwo so plastisch dargestellt worden wie auf der Steinwand im ersten Pilgerkorridor dieses sakralen Bauwerks.

Die oberen drei Terrassen schließlich, kreisförmig und wandlos, veranschaulichen den Zustand von Buddhas Erleuchtung. Sie tragen 72 Stupas, die die kolossale Stupa auf der Spitze in konzentrischen Kreisen umgeben. Jede dieser Stupas enthält eine aus Stein gemeißelte Buddhafigur in ihrem Zentrum. Es gilt als glückbringend, diese Figuren mit der Hand zu berühren. Die zentrale Stupa, die Spitze des Borobudurs bildend, symbolisiert nach dem Glauben der Mahayana Buddhisten die Achse der Welt, den Ursprung sowohl des Universums als auch der Erleuchtung.

Der Tempel wurde von den Holländern in den Jahren 1907 bis 1911 zum ersten Mal notdürftig restauriert. Doch erst eine großangelegte Hilfsaktion unter der Teilnahme der Regierung Indonesiens, weiterer 27 Länder, der Unesco sowie zahlreicher privater Organisationen, brachte die nötigen 50 Milliarden Rupies (25 Mio $) zusammen, die in umfangreichen Arbeiten zwischen 1973-1983 zu einem befriedigenden Restaurationserfolg führte. Seit der Hebung von Abu Simbel (1966) vor den Fluten des Assuan-Staudammes war dies die größte internationale archäologische Rettungsaktion

Heute ist der Borobudur ein Touristenmagnet ersten Ranges in Indonesien. Die Nähe der Stadt Yogyakarta garantiert für einen nie versiegenden Touristenstrom, und zu Füßen des Tempels haben sich Händler aus der Region niedergelassen, die die Touristen mit Speisen und Getränken aber auch mit kleinen Souveniers versorgen. Doch ungeachtet dieser weltlichen Ausrichtung entwickelt sich der Borobudur zunehmend wieder zu einem Wallfahrtsort für Mönche und Buddha-Gläubige aus aller Welt. Es scheint, als würde sich seine ursprünglich vorgesehen Bestimmung mit einer tausendjährigen Verspätung endlich erfüllen.

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Informationen zu Buddha

Buddha (ein Zeitgenosse von Konfuzius und Pythagoras) wurde 560 v.Chr. in Kapilawatthu, einer Stadt im Schatten des Himalaya, Nepal, geboren. Obwohl er von seinem Vater den Namen "Gautama" erhielt, nannten ihn seine Anhänger "Siddharta" (= der seine Bestimmung erfüllt hat). Im Alter von 29 Jahren verzichtete Buddha auf sein Leben als Prinz und Ehemann und unterzog sich sieben Jahre lang als Schüler verschiedener Meister Entbehrungen und der Meditation im Streben nach Weisheit. Unzufrieden mit der Hinduphilosophie erlangte er die Erleuchtung (Bodhi) in der Einsamkeit unter einem Bodhibaum in Gaya, im indischen Staat Bihar.In einer berühmten Predigt in Benares erklärte Buddha seine Hauptdoktrinen und verbrachtte den Rest seines Lebens als Prediger. Eigene Schriften hat er - wie Sokrates oder Jesus - nicht hinterlassen. Seine Jünger schrieben seine Predigten nieder und hinterließen diese in dem später als heiligen Sprache angesehenen Pali, einer mittelindischen Sprache des Buddhismus, einer Art religiöser Literatursprache. Buddha starb mit 80 Jahren.

Buddhas Lehre ist eine Erlösungsreligion, basierend auf seinen vier edlen Wahrheiten:

Leben ist Leiden

die Ursache allen Leidens ist die Begierde

das Leiden kann überwunden werden

Um diesen Zustand zu erreichen, empfiehlt Buddha, seinem achtfachen Pfad zu folgen:

rechte Erkenntnis

rechte Gesinnung

rechte Rede

rechte Tat

rechter Lebenserwerb

rechte Anstrengung

rechte Achtsamkeit

rechte Sammlung

Für den buddhistischen Laien sind 5 Sittenregeln bindend:

du sollst nicht töten

du sollst nicht stehlen, du sollst keinen Ehebruch treiben

du sollst nicht nicht lügen

du sollst keine berauschende Getränke zu dir nehmen

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Datum: Montag, 24. Januar 2011 0:08
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Archäologie, Aufklärung, Buddhismus, Ethnologie, Indonesien u.Islam

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2 Kommentare

  1. 1

    Panorama Aufklärung über Buddhismus .Video :

    http://daserste.ndr.de/panorama/media/dalailama74.html

    Jesus spricht zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben auch wen er stirbt;und jeder,der lebt und an mich glaubt,wird in Ewigkeit nicht sterben.Glaubst du das?

    Johannesevangelium Schlachter Bibel Version 2000.

  2. 2

    Herr Mannheimer,

    Tempel des Buddhismus in einem Land mit 204 Millionen Muslimen. Wie geht das .Auch in Brunei
    und Malaysia stehen Tempel auch schon Jahre alt.
    Alles Länder wo der Islam denn Ton angibt. Erklären sie mir wie geht das. Vor alledinge
    das Muslime so was überhaupt dulden.

    MM

    Sie sind ein Halbwissender, Herr Riechers.. Das ist die gefährlichste Sorte von Menschen - jene meinen nämlich, etwas verstanden zu haben und mitreden zu können. Doch haben Sie von nichts eine wirkliche Ahnung. Diese Halbwissenden tummeln sich auch im Islam - wo die meisten Gläubigen keine Ahnung haben (wollen), dass ihr Prophet ein Massenmörder war - und Muslimas sich weigern, die frauenfeindlichen Aussagen Mohammeds als die Ursache ihrer Frauen-Existenz als Menschen zweiter Klasse zuz begreifen.

    Über Borobudur, diesen Tempel, von dem Sie sprachen, habe ich zahlreiche Reportagen geschrieben. Eine finden finden Sie hier. Sie sind also schon woieder an den Falschen geraten.

    Dieser Tempel ist das letzte und einzige Zeugnis in Indonesien, das von der einstmals rein hinduistischen und buddhistschen Kultur Zeugnis ablegt. Bis der Islam kam und alles zerstörte, was auf diese Kultur hinwies. Borobudur war von dieser Zerstörung nur deswegen verschont, weil dieser zweitgrößte buddhistische Tempel (nach Angkor Wat) bis vor 100 Jahren unter einer dicken Laveschicht begraben war, bis er von einem niederländisczhen Offizier entdeckt und ausgegraben wurde. Zehntausende weitere Tempel des Buddhismus und Hinduismus jedoch wurden dem Erdboden gleichgemacht.
    Was die Toleranz des Islm in Indonesien anbelangt, informieren Sie sich doch mal hier und

    hier

    https://michael-mannheimer.net/2010/01/07/terrormonat-ramadan/.

    Ihre Einwürfe sind von niedrigstem Wissens-und Argumentationsiveau, Mister Riechers. Leider gibt es von Ihrer Sorte zu viele. Und dank Leuten wie Ihnen steuert Deutschland nach Hitler und der DDR in seinen dritten Faschismus binnen eines dreiviertel Jahrhunderts: dem Islam-Faschismus.
    Ich veröffentliche Ihre Kommentare hier nur, damit meine meist sehr gebildeten Leser erkennen, dass wir von Ignoranz und Dummheit umzingelt sind.