Sklavenhandel durch den Islam: Der verschleierte Völkermord


Foto oben: Gefangene Afrikaner,
die als Sklaven in Nordafrika von arabischen Herrenmenschen
(links im Bild) verkauft werden

Vorwort aus dem Buch „Der verschleierte Völkermord“

Von Tidiane N’Diaye

Die Araber haben auf ihren Eroberungszügen erst Nordafrika eingenommen, unterworfen und islamisiert, dann Spanien, wo sie eine hochentwickelte Kultur hervorbrachten, die in den Emiraten und Kalifaten von Cordoba ihren Ausdruck fand. Auf ihrem Rückzug nach Afrika, der mit einer erneuten Islamisierungswelle der Völker einherging, brachten sie gewaltiges Unheil mit sich.

Der Vormarsch der Araber wurde für die schwarzen Völker zu einer regelrechten Überlebensfrage. Millionen Afrikaner wurden überfallen, niedergemetzelt, gefangen genommen oder kastriert und unter unmenschlichen Bedingungen karawanenweise quer durch die Sahara oder, von den ostafrikanischen Kontoren für menschliche Ware aus, über den Seeweg in die araboislamische Welt deportiert.

Die meisten Araber, die im Zuge der ersten Welle zur Islamisierung der schwarzen Völker nach Nordafrika gelangten, gaben sich als Glaubenspfeiler und Vorbild für die Gläubigen aus. Sie zogen oft von Region zu Region, den Koran in der einen Hand, in der anderen das Messer, dabei heuchelten sie ein „frommes Leben“ und nahmen in jeder ihrer Äußerungen Bezug auf Allah und die Hadithe seines Propheten.

In Wahrheit traten die arabischen Sklavenhändler, die Afrika verheerten, diese schönen und edlen Prinzipien vorsätzlich, siegessicher und voller Verachtung mit Füßen. Denn unter diesem religiösen Vorwand begingen sie die schändlichsten Verbrechen und die entsetzlichsten Grausamkeiten. Edouard Guillaumet schrieb dazu:


„Was für ein Unglückstag für Afrika, als die Araber den Kontinent betraten. Denn sie brachten nicht nur ihre Religion, sondern auch ihre Verachtung für den Neger mit.“

 Mag es aus heutiger Sicht scheinen, dass die Anhänger des sozial-moralisch und intellektuell integren Propheten Mohammed bei der Islamisierung der afrikanischen Völker in den meisten Ländern Kompromisse eingegangen waren und die vorhandenen Kulturen und Sprachen weitestgehend wahrten, so ist dies nur ein Teil der Wahrheit: Die Geschichte der Araber, die die schwarzen Völker in die Finsternis tauchten, war vor allem die Geschichte erbarmungsloser Grausamkeiten.

Hatte der transatlantische Sklavenhandel vier Jahrhunderte gewährt, so haben die Araber dreizehn Jahrhunderte lang den afrikanischen Kontinent südlich der Sahara ununterbrochen geplündert. Der größte Teil der Millionen deportierten Afrikaner kam infolge der unmenschlichen Behandlung und der systematisch angewandten Kastrierung ums Leben.

Der arabomuslimische Sklavenhandel begann, als der General und Emir Abdallah ben Said den Sudanesen im Jahre 652 einen bakht (Vertrag) aufgezwungen hatte, der sie jährlich zur Lieferung von Hunderten Sklaven verpflichtete. Die meisten stammten aus den verschiedenen Bevölkerungsgruppen der Darfur-Region. Von hier aus ging ein beispielloser Menschenraub aus, der offiziell erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts sein Ende finden sollte.

Dieses schmerzvolle Kapitel der Geschichte der schwarzen Völker ist noch immer nicht abgeschlossen. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg und nachdem der ganze Schrecken der Shoah (des Völkermordes) ans Tageslicht kam, erfuhr die Welt das wahre Ausmaß der Grausamkeit des Menschen, aber auch seiner Vergänglichkeit. Unter dem Eindruck dieses Schocks erklärte die internationale Gemeinschaft in Form eines berühmten und denkwürdigen never again (niemals wieder), dass sie so etwas nie wieder zulassen würde. Den künftigen Historikern wird dies umso absurder erscheinen, als sich gerade zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Sudan eine ethnische Säuberungskampagne unter der Bevölkerung des Darfur abspielt.


Skaven im Sudan:  19 Jahrhundert

Bereits im April 1996 verwies der Sondergesandte der Vereinten Nationen für den Sudan auf eine „erschreckende Zunahme der Sklaverei, des Sklavenhandels und der Zwangsarbeit im Sudan“. Im Juni des gleichen Jahres schrieben zwei Journalisten der Baltimore Sun, denen die Einreise in den Sudan gelungen war, in ihrem Artikel „Zwei Zeugen der Sklaverei“, dass sie zwei junge Sklavinnen freikaufen konnten. Der Horror im Darfur währt mittlerweile seit dem 7. Jahrhundert bis hinein ins 21. Jahrhundert, mit dem Unterschied, dass es nun auch eine ethnische Säuberung gibt.


Slaven im Sudan: 21. Jahrhundert

Es wäre an der Zeit, dass der araboislamische Sklavenhandel, der einem Völkermord gleichkommt, näher untersucht wird und gleichermaßen zur Sprache kommt wie der transatlantische Menschenhandel. Denn obwohl sich Horror und Grausamkeit weder differenzieren noch monopolisieren lassen, kann man mit Fug und Recht sagen, dass der von den erbarmungslosen arabomuslimischen Räubern betriebene Sklavenhandel und der von ihnen geführte Dschihad weitaus verheerender für Schwarzafrika war als der transatlantische Sklavenhandel. Und dieses unendliche Gemetzel, dieser Völkermord unter freiem Himmel währt noch heute vor unser aller Augen.

Tidiane N’Diaye

Quelle: Vorwort

Tidiane N’Diaye: Der verschleierte Völkermord. Die Geschichte des muslimischen Sklavenhandels in Afrika. A. d. Franz. v. Christine und Radouane Belakhdar. Rowohlt, Reinbek. 253 S., 19,95 €

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