Freiheit im Islam

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21. Mai 2011

Freiheit im Islam -  Ein Zürcher Vortrag von Necla Kelek

Andreas Breitenstein

«Von der Freiheit eines Christenmenschen» heisst eine Denkschrift Martin Luthers von 1520, die eine geistesgeschichtliche Grenze zwischen Mittelalter und Neuzeit markiert. Ihr Postulat war es, den Menschen aus dem ihm von Gott bestimmten Platz im Gehäuse der Kirche herauszuschälen und ihm als Einzelnem im Hier und Jetzt die Freiheit und Verantwortung vor dem Herrn aufzubürden. Es war dies eine Individualisierung, die mit jene Modernisierung hervortrieb, der sich die heutige Trennung von Kirche und Staat und mithin die Religionsfreiheit verdankt.

Nun wird man den skizzenhaften Vortrag über die Freiheit im Islam, den Necla Kelek auf Einladung des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung in Zürich hielt, nicht an Luthers Worten messen wollen, doch war die Stossrichtung ähnlich. An der Lage der Frauen erkenne man den Grad der Freiheit einer Gesellschaft, sagte die deutsch-türkische Soziologin und stellte den muslimischen Ländern Arabiens auch nach den jüngsten Volksaufständen ein schlechtes Zeugnis aus. Von einer Revolution als einer «grundlegenden qualitativen Umgestaltung der Gesellschaft» (Marx) könne noch keine Rede sein.

Ausser dem Sturz des Despoten sei in Ägypten nichts erreicht, im Gegenteil: Im Verfassungsrat sässen Mubaraks Günstlinge und werde die Forderung laut, die Gesetzgebung noch stärker dem religiösen Gesetz der Scharia zu unterwerfen.

Dabei bestehe, so Kelek, einer der Hauptgründe für die gesellschaftliche Misere in der arabischen Welt gerade in der Unmöglichkeit, den Islam und die mit ihm verbundene patriarchalische Kultur zu hinterfragen. Ohne Religionskritik aber könne es keine Demokratie geben.

In den panischen europäischen Debatten über die Integrationsfähigkeit der Muslime erkennt Kelek eine tiefe Verunsicherung darüber, inwiefern eine sich gesellschaftlich absolut setzende Religion mit der Aufklärung vereinbar sei.

Ausgerechnet deren freiheitliche Errungenschaften würden eingefordert, um einen politisch-ideologischen Islam durchzusetzen, der ebendiese negiere.

Es wäre naiv, auszublenden, dass es hier eine religiös bedingte kulturelle Differenz gebe, die unter anderem auf falsche Weichenstellungen im Hochmittelalter zurückgehe, wo sich die islamische Welt für das Glaubensdogma entschieden habe. Mit der Versiegelung des Korans als Gotteswort sei auch die Innovationskraft der Kultur verschwunden.

Die Gottgegebenheit der hierarchisch-patriarchalischen Gesellschaftsordnung bringt es für Kelek mit sich, dass kein positiver Begriff von Freiheit ausgebildet werden konnte. «Die Freiheit ist nicht für uns gemacht», habe die Mutter immer gesagt, wenn sie als Teenager aufbegehrte. Was heisst: Frauen seien schutzlos und verloren ohne die eigenen Männer, die sie vor dem Zugriff fremder Männer schützten.

Dies sei auch die verquere Logik von Kopftuch und Burka: dass die Frauen sich verhüllen müssten, weil die Männer die Regeln des zivilisierten Umgangs nicht verinnerlicht hätten. So sei es denn kein Wunder, dass viele Musliminnen sich dem Gesetz der Grossfamilie unterordneten. Es sei eine Bringschuld der Männer, moralische Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen – etwas, was für Kelek generell als Maxime für eine erfolgreiche Integration gelten kann.

Was die Integration der europäischen Muslime angeht, ist Kelek trotz allen Widerständen zuversichtlich. Schon aus rein praktischen Gründen hätten viele mit der Tradition gebrochen. Lernprozesse müssten in Gang kommen – im Hinblick auf Europa als neue Heimat, auf ein Sicheinlassen auf die fremde Kultur, auf gegenseitige Rücksichtnahme und Anerkennung des Anderen. Die Chance der Partizipation müsse gegeben, aber auch genutzt werden, was heisse, dass Migranten nicht als Mündel betrachtet werden und sie sich selbst nicht als Opfer betrachten dürften. Das zivilgesellschaftliche Selbstbewusstsein der Demonstranten von Kairo und Tunis berge den Keim des Neuen.

Quelle

Dr. Necla Kelek

Soziologin, Berlin

Über die Freiheit im Islam

Der Islam hat in seiner Geschichte ein spezielles Verhältnis zur Freiheit, aber auch zum Individuum entwickelt. Wie verhält er sich zu den klassischen europäischen Werten von Aufklärung, Freiheit und individueller Verantwortung? Was müssen gerade Frauen erwarten, die familiär oder mit dem Glaubensbekenntnis eingebunden sind in einen Alltag, der vom islamischen Selbstverständnis definiert wird? Zu zeigen ist, wie sich der Freiheitsbegriff im Islam historisch und aktuell entwickelt hat und manifestiert. Darauf geht es um ganz praktische Fragen des Islams in Europa.

Kurzbiographie

Dr. Necla Kelek emigrierte mit zehn Jahren aus der Türkei nach Deutschland. Nach einer Ausbildung als technische Zeichnerin studierte sie Volkswirtschaft und Soziologie an der Universität Hamburg, wo sie 2001 über das Thema «Islam im Alltag» promovierte. Von 2005 bis 2009 war sie ständiges Mitglied der Deutschen Islamkonferenz. Sie ist Mitglied des Senats der Deutschen Nationalstiftung. Mit ihren publizistischen Beiträgen, Auftritten und Büchern («Die fremde Braut», «Die verlorenen Söhne» und «Bittersüsse Heimat») hat sie die Diskussion um die Muslime im deutschsprachigen Raum und um Integrationsfragen nachhaltig geprägt. Hierfür erhielt sie 2005 den Geschwister-Scholl-Preis und 2009 den Hildegard-von-Bingen-Preis. Ihr neustes Buch «Mein Streit mit den Wächtern des Islam» ist 2010 im Kiepenheuer und Witsch Verlag in Köln erschienen.

6 Kommentare

  1. Der Islam bleibt immer eine Sekte, solange er einen Krieger und Massenmörder zum Vorbild anbietet.

    Als erstes muß im Islam Mohammed hinausgeworfen werden.

    Dann muß der Koran vom befehlenden, zwingenden Charakter und den Mord-, Haß- und Rassismussuren befreit werden.

    Man muß darauf verzichten, daß der Koran wortwörtlich Allah sei. Der Koran ist ein Buch, Papier, nicht Allah.

    Nein, Islam kann man nicht zivilisieren!

  2. Dem Christentum die Flügel zu beschneiden war schwierig, doch nicht schwer.
    Jesus Christus, der Gott des Friedens und der Liebe, der Barmherzigkeit und Versöhnung! Nur lange genug die Christen darauf festgezurrt und es klappte.
    Wobei die, immer weiter vorangetriebene, Trennung von Kirche und Staat dazu führt, daß der Staat immer unmenschlicher wird: Selektion durch PID, Abtreibung, aktive Sterbehilfe, Genderisierung, Scheidungswahn, Bindungslosigkeit, Vereinzelung des Individuums bis zum aufgepumten Narzißten, Egoisten und Egomanen, Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft, Mensch als Ware und Kunde, allein nach Profitgesichtspunkten, Sex-, Vergnügungs-, Alkohol-, Nikotin-, Spielsucht zeigen das Janusgesicht einer Gesellschaft, die den Menschen zum Mittelpunkt und Alleinherrscher und gleichzeitig zum Nichts macht - der Kirche lediglich noch soziale Fürsorge und esoterische Bespaßung erlaubt.
    Wenn es in der Gesellschaft stinkt, wie etwa der Kindesmißbrauch, dann wird dieser auch noch alleine der Kath. Kirche zugeschoben, untergeschoben, auf sie projiziert und dort stellvertretend und haßerfüllt bearbeitet. Das kath. Christentum zum Buhmann aufgeblasen.

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    http://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsethik#Protestantische_Arbeitsethik

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    Was Luther angeblich für die Vernunft und für das Individuum getan haben soll ist mir schleierhaft. Er rief dazu auf, die aufständigen Bauern wie Hunde totzuschlagen, versprach den Mördern wortwörtlich den Märtyrerhimmel, er predigte Obrigkeitshörigkeit, Leiden sei der Christen Pflicht, hetzte gegen Frauen, deren Leben es sei zu gebären, dabei ruhig im Kindbett abzukratzen, wetterte gegen "Hexen", sein Lieblingsthema der "böse Jude". Im Alter war der Jude sein Hauptfeind. Immerhin begann er später zu jammern, daß ihm die Schuld an der Ermordung von 10000 Bauern aufs Gewissen käme. Im übrigen war er ein Fresser und Säufer, ein Herumhurer und Flucher, so wüst, daß selbst seine besten Freunde Müh und Not hatten sein Gesicht zu wahren und noch zu ihm zu halten.
    Wenn jetzt noch herauskommen würde, daß seine Bibelübersetzung gar nicht von ihm , sondern von Ghostwritern getätigt wurde, wäre ich auch nicht erstaunt. Die erste Bibelübersetzung war die seinige längst nicht. Auch sein Einfluß auf die Deutsche Sprache war längst nicht so groß, wie man gerne in lutherischen Kreisen tut.

    Kann man heute alles googeln, dem Herrgott sei Dank!
    http://www.projektwerkstatt.de/religion/luther/luther_zitate.html

    Imgrunde war Luther der luxuriöse Hanswurst des sächsischen Adels, der ihn päppelte, der los von Rom sein wollte, um die aus dem Volk gepreßten Pfründe für sich alleine zu beanspruchen, wie Heinrich VIII. in England.
    Die protestantische Obrikeit schob Jesus und die Bibel vor, doch sie pflegte hauptsächlich ihre Habsucht und ihren Neid. Das zog sich hinein, bis in die Säkularisation, wo kath. Kirchengut geraubt und von den protestantischen Herrschern zu ihrem Nutzen verschleudert, hinein in die protestantische Preußenherrschaft.

    Nein, Luther hätten wir nie und nimmer gebraucht! Dem Protestantismus kam zugute, daß die Kräfte der Kath. Kirche durch die Kämpfe gegen die dauernd einfallenden Osmanen gebunden waren. Das könnte erklären, weshalb die protestantische Obrigkeit heutzutage derart mit Islam und seinen Protagonisten buhlt. Protestantischer Bildersturm und Bilderverbot, ein rein männlicher Himmel, gerade bei den Freikirchen sind dem Islam näher, als der barocke Katholizismus.

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    Wenn man mich fragt, dann rufe ich politisch unkorrekt aus:
    "Nieder mit Luther, nieder mit Calvin, nieder mit Bismarck, nieder mit Marx, nieder mit Mohammed, nieder mit diesen falschen Propheten!"

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    z.B. Säkularisierung und Kulturkampf im Bistum Münster:
    http://kirchensite.de/bistumshandbuch/b/bistumsgeschichte-kulturkampf/

  3. ""An unserem Infostand boten wir auch Bücher der Ex-Muslimin Ayaan Hirsi Ali, der “Kulturmuslimin” Necla Kelek und der “aufgeklärten” Muslimin Lale Akgün an. Necla Kelek kann man eigentlich gar nicht mehr als Muslimin bezeichnen, denn sie hatte mir im persönlichen Gespräch gesagt, dass für sie weder der Koran noch der Prophet Mohammed massgeblich seien. Aber eine solche Einstellung dürfte im Islam äußerst schwer vermittelbar sein.""
    http://www.bayern.diefreiheit.org/salafisten-bei-freiheit-kundgebung/

    Ich weiß jetzt nicht, wie "Die Freiheit" in ihrem Artikel draufkommen konnte, daß Necla Kelec keine Moslemin mehr sei.
    Sie geht doch noch in Moscheen, um zu beten. Betet sie dort nicht mehr den Mondgötzen Allah an?

    http://www.domradio.de/aktuell/80069/fundamentalismus-ist-kein-zukunftsmodell.html
    ""KNA: Frau Kelek, wann waren Sie das letzte Mal in einer Moschee?
    Kelek: Vor kurzem bin ich zwei Monate durch Nordafrika gereist, zuletzt war ich in der Großen Moschee in Casablanca. In Kairo habe ich in der Al-Azhar-Moschee sogar am großen Freitagsgebet teilgenommen...""

  4. ""Kelek ist überzeugt, dass der Streit über Religion und Demokratieverständnis zu einer „ganz neuen Art von Debatte um europäische Identität“ führt. Mit ihrem Vorstoß will sie auf die Bürgergesellschaft zielen: „Die Muslime sollen Teil dieser Bürgergesellschaft werden und nicht die Bürger zu Religionsgemeinschaften.“ Auf Veranstaltungen treffe sie oft Deutsche, die sagten: Die Muslime haben ja wenigstens ihre Religion, ihre Werte, wir haben ja gar nichts mehr, unsere Kirchen sind so leer. „Daraus spricht eine Abwertung von Errungenschaften, die mich ganz fassungslos macht“, sagt Kelek.""
    http://www.morgenpost.de/berlin/article1274179/Necla-Kelek-rechnet-mit-dem-Islam-ab.html

    Nein, den Islam kann man nicht reformieren!
    Reformieren - zurückführen zum Grund, zum Ausgang im 7. Jh.? Auf was denn? Auf einen blutlechzenden Mondgötzen Allah einen kriegerischen kriminellen Mohammed?

    Nein, Islam kann man auch nicht von den Hunderten Haßsuren bereinigen. Da bliebe nichts mehr übrig.

    Warum? Weil Allah eben ein rachsüchtiger hinterlistiger Götze ist, der "beste Listenschmied", so wurde er von Mohammed und seinen Anhängern konzipiert. Für Landraub, Zwangsmissionierung, Unterwerfung und Krieg.

    Christen kann man immerwieder zurückpfeifen auf ihren fried-liebenden Gott.

    ""Reform (lat. für re zurück; formatio: Gestaltung, Wiederherstellung) bezeichnet in der Politik eine größere, planvolle und gewaltlose Umgestaltung bestehender Verhältnisse und Systeme..."" wikipedia

    Islam vergiftet seine Anhänger.

    MM
    Stimme Ihnen zu 100 Prozent zu! Der Islam ist nicht reformierbar, da er an keiner einzigen Stelle einen guten Kern hat.

  5. auch ich verstehe Frau Kelek nicht. Sie scheint eine Art Märchen zu träumen, ähnlich dem Traum von Multi-Kulti. Sie ist verliebt in ihre Wurzeln und möchte den Islam gerne aufmöbeln, demokratiekonform machen.
    Das wird nie gelingen.

    Durch Frau Kelek assoziiere ich momentan die Zerstreutheit der Kritikergemeinde, die keine ist. Parteien können nicht fusionieren, da kleinste Unstimmigkeiten zur Abspaltung führen, Machkämpfe ein Verschmelzen verhindern.
    Bei den täglichen Horrornachrichten, denen kaum ein hoffnungsvoller Artikel untergemischt ist, kann ich nur noch schwarz sehen.
    Die Debatten in der Öffentlichkeit nehmen zwar zwangsläufig zu, aber die linksverseuchte Ideologie hat noch jeden gutwilligen Menschen vollends im Griff.

    Diese zwischen Tür und Angel zu überzeugen, ohne dass sie aus eigenem Antrieb den Fakten nachgehen, scheint fast unmöglich. Außerdem sind für Islamkenner selbstverständliche Fakten für Einsteiger eher unglaubliche Keulen, denen sie sich instinktiv entgegenstellen im Eindruck, der Kritiker hätte wohl etwas zu viel radikalen Schnaps zu sich genommen. Und schon kommen die gebetsmühlenartigen Relativierungen zum Vorschein, die den ach so missverstandenen Islam in Schutz nehmen. Man ist ja ein guter Mensch.
    Ich kann es bald nicht mehr ertragen.

    Die linke Wand ist zu dick, um dagegen mit solch vereinzelten Gruppierungen anzugehen.
    Sehr entmutigend bisher.

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