Der fatale Irrtum der „Frankfurter Allgemeinen“ über den Salafismus

Bild: Mohammed in Medina

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Vorwort von Michael Mannheimer

Die FAZ brachte gestern (9.52012) einen interessanten Grundsatzartikel über den Salafismus - den ich gleichwohl nicht unkommentiert stehen lassen will. Denn trotz der Qualität, die die Beschreibung des Salafismus besitzt, macht auch die FAZ den typischen Fehler aller westlichen Medien: Sie unterscheidet zwischen angeblich friedlichem "Islam" und gefährlichem "Islamismus".

Weitere Gedankenbrüche im Artikel zeigen, dass der Autor Wolfgang Günter Lerch den Islam nicht wirklich verstanden hat: So schreibt er zu Beginn seines Artikels, dass der "Salafismus einmal als reformistische Strömung des Islam" begonnen habe, die sich auszeichnete durch "Streben nach einer Reinheit und Reinigung des Glaubens von „Überfremdungen“". Und gelangt dann zum Urteil, dass der Salafismus der Gegenwart "aggressiv-apologetische und rückwärtsgewandte Züge" aufweise.

Doch die von Lerch positiv konnotierte "reformistische Strömung" und das ebenfalls positiv konnotierte "Streben nach einer Reinheit und Reinigung des Glaubens von „Überfremdungen“" ist bei Licht besehen nichts anderes als die negativ konnotierte Rückbesinnung auf die Ursprünge des Islam, auf das "goldene Zeitalter" des medinensischen Kalifats des Propheten, in welchem der Islam in seiner rigidesten und brutalsten Form gelebt wurde - mit rücksichtloser Anwendung der barbarischen Schariastrafen und rücksichtsloser Intoleranz gegenüber allem Unislamischen eben.

Dass Lerch die Rückbesinnung des ursprünglichen Salafismus auf die Anfangszeiten des Islam mit dessen Reinheit des Glaubens als "reformistische Strömung"bezeichnet, damit also positiv bewertet, dem heutigen Salafismus wenige Sätze später jedoch "aggressiv-apologetische und rückwärtsgewandte Züge" zuweist, ist eine interdictio per se, ein Widerspruch in sich: Denn der Hinweis auf die angebliche Lösung (Rückbesinnung auf die Ursprünge des Glaubens) verweist in Wirklichkeit auf die wahre Ursache allen islamischen Terrors: Nämlich der islamischen Religion in ihrer Reinform. Womit wieder einmal der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben werden soll.

Entgegen der Meinung des FAZ-Autors ist sich der Salafismus seit seinen ersten Tagen treu geblieben. Er hat den Islam schon zu Beginn seiner (des Salafismus) Entstehung apologetisch und damit rückwärtsgewandt aufgefasst und wollte damals wie heute nichts anderes als das, was alle modernistischen Islamströmungen (Muslimbrüder, Milli Görüs, aber auch alle islamischen Terrororganisationen ebenfalls) wollen: Zurück zu den Anfängen des Islam unter der Zeit Mohammeds, aks dieser der erste Kalif in Medina war. Und dieser ursprüngliche erste Islamstaat bedeutet Scharia und Vernichtung aller "Ungläubigen" im Reinstformat, nicht mehr und nicht weniger.

Es zeigt sich auf ein Neues, dass die meisten der gebildeten Westler, die sich mit dem Islam befassen, nicht imstande sind, dessen Wesenskern treffend zu analysieren und in ihren Analysen - die durchaus richtige Informationen beinhalten, wie der vorliegende Artikel zeigt - trotz allen Wissens nicht zu den zwei einzig richtigen Schlüssen über diese Gewaltreligion kommen (können):

1. Es gibt keinen Unterschied zwischen Islam und Islamismus
2. "Der Islam ist ein organisiertes Verbrechen gegen die Menschlichkeit!" (Quelle)

Gleichwohl: Wer sich über den Salafismus in Kürze informieren will, dem sei der kommende Artikel unter Einschränkung meiner zuvorigen Kritikpunkte durchaus empfohlen.

 

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F.A.Z.

Salafisten Was die Altvorderen glaubten

08.05.2012 ·  Der Salafismus begann einmal als reformistische Strömung des Islam. Die Zeiten haben sich geändert: Heute hat sie aggressiv-apologetische und rückwärtsgewandte Züge.

Von Wolfgang Günter Lerch, (Quelle)

Dass in Deutschland einmal Salafisten und Ordnungshüter aneinandergeraten würden, konnte sich noch vor einem Jahr, ja noch vor wenigen Wochen wohl niemand vorstellen, denn man begegnete ihnen allenfalls in Nachrichten aus dem fernen Ägypten, wo sie bei den Parlamentswahlen zwischen dem vorigen November und Januar unerwartet hohe Gewinne erzielt hatten.

Doch nun macht diese Richtung des Islam - obzwar als Splittergruppe von wenigen tausend Anhängern - auch in der Bundesrepublik von sich reden. Der heutige Salafismus, wenn es sich denn bei seinen vorwiegend deutschen Anhängern wirklich darum handelt, stellt sich als rigider, rückwärts gewandter Fundamentalismus dar, den ein großer Teil der deutschen Muslime ablehnt; die jüngste aufsehenerregende Koranverteilungs-Aktion der Salafisten wurde von den Verbänden in Deutschland abgelehnt.

Der Salafismus ist insgesamt eine schillernde, nicht so leicht auf einen Nenner zu bringende Strömung innerhalb des Weltislams. Sein sozusagen klassischer Gründervater ist Ahmad Ibn Hanbal (gestorben 855), der Schöpfer der hanbalitischen Rechtsschule, die in der Regel als die am wenigsten „offene“, als die orthodoxeste der vier klassischen Rechtsschulen (madhahib) des Islam gilt.

Im 19. Jahrhundert entstand aus dem Ansatz Ibn Hanbals eine salafistische Strömung, die man als Neo-Salafija charakterisieren könnte. Sie ist eine Mischung aus Modernismus und dem Streben nach einer Reinheit und Reinigung des Glaubens von „Überfremdungen“. Ihre Gründer, Dschamal al Din al Afghani (1838-1897), ein Perser, der sich wohl den Beinamen „der Afghane“ zulegte, um seine schiitische Herkunft zu verbergen, und der Ägypter Muhammad Abduh verstanden sich als durchaus fortschrittliche Denker. Al Afghani, der unermüdlich viele Länder des Nahen Ostens bereiste und eine Zeitlang am Hof des Sultans zu Konstantinopel/Istanbul lebte, war stark politisch engagiert und gilt heute als Schöpfer des Panislamismus. Sein vorrangiges Ziel war es, die Muslime aus jahrhundertelangem geistigen Schlaf sowie aus politischer Lethargie zu erwecken und sie im Kampf gegen die westlichen Kolonialmächte, vor allem die Briten, die seit 1882 auch in Ägypten herrschten, zu unterstützen. Afghani war wohl persönlich gar nicht besonders fromm, hatte jedoch großen religiösen wie politischen Einfluss auf den panislamisch gesinnten osmanischen Sultan Abdulhamid II., der bis 1908 herrschte und versuchte, im Namen aller Muslime sein Reich mit teilweise brachialen Methoden zusammenzuhalten.

Das Streben der Salafija galt einer Modernisierung

Der 1905 gestorbene Ägypter Muhammad Abduh hingegen war mehr Theologe. Auch er wollte die Ägypter und die übrigen Muslime zum Widerstand gegen die Briten ermuntern, hatte jedoch auch starke theologische Interessen. Viele sehen in ihm bis heute den Begründer geradezu der islamischen Reformbewegung, denn er wandte sich in seinen Büchern „im Namen der Altvorderern“ (salaf) gegen die Verkrustungen der islamischen Theologie wie gegen die zahlreichen abergläubischen Praktiken des Volksislam. Abduh hatte auch Vorbehalte gegenüber dem Sufismus, jener meist pantheistischen, sehr volkstümlichen Mystik, die weite Teile des islamischen Denkens sowie die Praxis der mystischen Bruderschaften (tariqas) seit dem Mittelalter geprägt hatte.

Der Sufismus, lange Zeit eine der tolerantesten und spirituellsten Formen islamischer Weltschau, der sich auch tief in die Dichtung des Nahen Ostens eingefügt hatte, war im Laufe der Jahrhunderte verfallen und hatte allerhand Gaukeleien und frömmelnden Taschenspielertricks Vorschub geleistet. Viele islamische Intellektuelle warfen den Sufis vor, ihr Streben nach Beschaulichkeit habe den Widerstandsgeist des Islam erlahmen lassen; den aber benötige die islamische Welt in ihrer politischen wie geistigen Auseinandersetzung mit den Engländern und Franzosen.

Die jahrhundertealte Praxis des Taqlid, der bloßen unschöpferischen Nachahmung der religiösen Tradition, sollte durch das Streben nach einem authentischen Islam der Quellen abgelöst werden. Auch beobachtete Abduh, wie unter dem Einfluss des Westens vor allem die Oberschicht Tendenzen der Verweltlichung zeigte. Gleichzeitig appellierten Abduh und auch sein Schüler Muhammad Raschid Rida (gestorben 1935) an die Muslime, sich das Wissen der modernen Welt anzueignen; auch der Islam sei imstande, in der Wissenschaft große Leistungen hervorzubringen. Es ist Abduh und seinen Schülern zu verdanken, dass auch die traditionsreiche al Azhar-Moschee und Theologenschule zu Kairo im vorigen Jahrhundert wissenschaftliche Curricula in ihren Lehrbetrieb aufgenommen hat.

Das Streben der Salafija galt einer Modernisierung und Reinigung des Islam auf der Grundlage der „Altvorderen“; der Glaube sollte metaphysisch klar und von allem Beiwerk befreit werden, philosophisch nüchtern und durchsichtig. Damit verwandt, obwohl viel weniger intellektuell geprägt, waren die Vorstellungen von Muhammad Ibn Abd al Wahhab, der Mitte des 18. Jahrhunderts - damals in Auseinandersetzung mit den Osmanen und ihrer hanafitischen Rechtsschule - ebenfalls zurück zur vorgeblich „reinen Lehre“ der Alten wollte. Es ist kein Zufall, dass die heutigen Salafisten in Saudi-Arabien, wo der Wahhabismus Staatslehre ist, ihre Haupt-Anlehnungsmacht sehen.

Der modernistische Schwung ist hin

Diese freudlose Lehre, die sich gegen alle Formen einer religiösen Innerlichkeit und auch den Volksislam wendet, konnte nur entstehen, weil das Zurück zu den Altvorderen sehr selektiv ausgelegt wurde. Die Vorstellungen von Art und Charakter der frühen islamischen Gemeinden sind im einzelnen schwer zu eruieren, ihre Idealisierung, wie sie von Salafisten und Wahhabiten vorgenommen wird, kann mit Recht bezweifelt werden. Dies gilt auch für die sogenannte Urgemeinde in Medina, die vom Propheten Mohammed selbst geführt wurde.

So haben die Schiiten darüber ganz andere Auffassungen als andere Muslime, und die Sufis sehen im Propheten selbst sogar den ersten Sufi. Reformorientierte Muslime erkennen im Handeln Mohammeds in Medina einen Pragmatismus, wie er einer weltlichen Ordnung gut zu Gesicht stünde. Und die kleine Minderheit der Ibaditen plädierte schon kurz nach dem Wirken des Propheten für die demokratische Wahl ihres Imam, sofern der Kandidat der frömmste ist, „und sei er ein schwarzer Sklave“.

Der Salafismus drang in weite Teile der islamischen Welt vor, so in Indien/Pakistan bis zu Abul Alaa al Maududi (gestorben 1979), in Ägypten knüpften die Muslimbrüder lange Zeit an ihn an; ja, bis in den Norden Nigerias und nach Algerien sind salafistische Strömungen vorgedrungen. Der heutige Salafismus hat vorwiegend aggressiv-apologetische und rückwärtsgewandte Züge, der modernistische Schwung aus der Zeit Abduhs scheint weitgehend verschwunden zu sein.

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Datum: Donnerstag, 10. Mai 2012 17:54
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2 Kommentare

  1. 1

    Islam die Erfindung eines Autisten.
    Das muss einem ja leer vorkommen, würde ,man dies nicht wissen. Mohamed Allah(gleichen Namens wie der alte Wüstengott "Allah", hatte es leicht bei den geistergläubigen Kameltreibern, welche nur an ihr Patriarchat zu denken hatten und an die Vermehrung ihres Besitzstandes. Insoferne kam ihnen diese von Jesus Nazareth abgekupferte "Erfindung" des EIngottglaubens zurecht, weil sie damit ihren alten Wüstengott auf theologische Fundamente stellen konnten und auch ihre Geisterfurcht weiterhion zuließ.

  2. 2

    Dank der selbstlosen Initiative unserer ehrenwerten Politiker, gemeinsam mit Präsident Erdogan, sind wir auf dem besten Wege zu einer toleranten islamischen Republik.
    Wer darin auch nur im Entferntesten die Möglichkeit künftiger Probleme sieht, ist völlig weltfremd, total blind, oder noch viel schlimmeres! (Her mit der Nazi-Keule!
    Für die Aufnahme von Art.301 des türk. Stafgesetzbuches ins deutsche Recht!!!)
    Wir brauchen nicht weniger, sondern viel, viel mehr Zuwanderung!
    Denn bezahlbarer Wohnraum, vakante Jobs und Sozialleistungen stehen schier unbegrenzt zur Verfügung! (Keinerlei Konfliktpotential!)
    Und niemand hat irgend etwas zu befürchten, außer höchstens einigen intoleranten, unbelehrbar ekelhaften Schweinefressern, Hunden, oder anderen Ungläubigen!
    In diesem Sinne: mit Erdogan für mehr Toleranz!
    Und wie es unser Ex-Spesenritter Wulff ganz richtig ausdrückte:
    wir brauchen dringend eine neue "Willkommenskultur"!!!

    "Sizi davet etmek istiyorum", wie man demnächst politisch korrekt auf "Neudeutsch" sagen muss!
    "Hósch búduk"!!!

    MM
    Ich kann Ihren Kommentar nicht einordnen. Meinen Sie den ernst - oder ist er Ironie?