PAKISTAN: Geistig behinderte 11-jährige Christin wegen “Blasphemie” festgenommen


Säureangriffe im Namen der Scharia gegen “ungehorsame Frauen”  sind besonders in Pakistan und im islamischen Indien an der Tagesordnung

Pakistan: Elfjähriges behindertes Mädchen wegen Blasphemie festgenommen

Das Mädchen soll Seiten aus dem Koran verbrannt haben (Quelle)

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Islamabad – Das Mädchen ist erst elf Jahre alt, und es leidet am Down-Syndrom. Dennoch hat die Polizei das Kind nach den umstrittenen Blasphemiegesetzen Pakistans festgenommen. Zeugen wollen beobachtet haben, wie es den Koran schändete.

Das Kind gehöre der christlichen Minderheit an und stamme aus einem verarmten Vorort Islamabads, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Zeugen hätten angegeben, die Elfjährige habe vor ihrem Haus Seiten des Koran verbrannt. Sie hätten das Mädchen zur Polizei gebracht, wo es nach dem Blasphemie-Gesetz festgenommen wurde.

Eine Untersuchung des Kindes – das Fragen nicht beantworten konnte – habe ergeben, dass es am Down-Syndrom erkrankt sei. Der Sprecher sagte, man untersuche, ob das Mädchen tatsächlich Seiten des Koran verbrannt habe und – falls sich das bewahrheiten sollte – ob das bewusst geschehen sei.

Zu der Festnahme sei es bereits am Donnerstag gekommen. Aus Angst vor Racheakten von Muslimen seien Christen aus dem Slum Meherabadi geflohen, um an anderen Orten in der Hauptstadt Islamabad Schutz zu suchen.

Pakistans umstrittenes Blasphemie-Gesetz ist im Strafgesetzbuch des südasiatischen Landes verankert. Es verbietet die Beleidigung jeder Religion, wird aber in der Praxis bei angeblicher Herabsetzung des Islam angewandt. Die härtesten Strafen können bei der Schändung des Koran (lebenslange Haft) und des Namens des Propheten Mohammed (Todesstrafe) verhängt werden.

Zwar ist in Pakistan nie ein Todesurteil wegen Blasphemie vollstreckt worden, mehrere Angeklagte wurden aber nach ihrer Freilassung gelyncht. Islamisten laufen Sturm gegen Änderungen des Gesetzes, das sie für von Gott gemacht halten.


In seiner jetzigen Form wurde es 1986 von Militärdiktator Muhammad Zia ul-Haq eingeführt. Religiöse Minderheiten und liberale Muslime fordern einen besseren Schutz vor Missbrauch des Gesetzes. Minderheiten wie etwa Christen werden überproportional oft angeklagt.

Im vergangenen Jahr waren der Minister für Minderheiten – der einzige Christ in der Regierung – und der Gouverneur der Provinz Punjab ermordet worden. Beide hatten das Gesetz kritisiert, das oft missbraucht wird, um persönliche Gegner anzuschwärzen.

Für internationale Schlagzeilen sorgte auch der Fall der Christin Asia Bibi. Ihr wird vorgeworfen, sich nach einem Streit abfällig über den Propheten Mohammed geäussert zu haben. Die Landarbeiterin wurde im November 2010 zum Tode verurteilt und sitzt in Haft. (SDA)

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