Das Ende der Demokratie (4/5): Eine Kultur, die sich nicht verteidigt, wird untergehen


Ilona Schliebs, September 2010, Gastbeitrag

Die Grenzen des Verzichts der Verteidigung kultureller Werte

Es gibt tolerante Kulturen (Buddhismus) und weniger tolerante. Von Buddhisten etwa ist weitgehend unbekannt, dass sie Menschen wegen eines vom Buddhismus abweichenden Glaubens getötet haben. Eine Aufforderung zu solchen Handlungen ist weder von Buddha selbst bekannt noch finden sich dazu Textstellen in den Pali-Schriften des Buddhismus. Im Gegenteil: Gewaltlosigkeit und Toleranz gegenüber jeglicher Art von Kreatur macht einen zentralen Kern jener Religion aus.

Auf der anderen Seite einer gedachten Gewaltskala von Religionen steht ohne Frage der Islam. An über 180 Stellen des Koran sowie an über 2000 (!) Stellen der Hadith7 werden Muslime zum Töten „Ungläubiger“ explizit aufgefordert. Für Unkundige oder Ungläubige seien hier ein paar der betreffenden Stellen aus dem Koran zitiert:

Sure 2:193

Und kämpft gegen sie, bis niemand (mehr) versucht, (Gläubige zum Abfall vom Islam) zu verführen, und bis nur noch Allah verehrt wird!

Sure 8:12

Wahrlich in die Herzen der Ungläubigen werfe Ich Schrecken . Trefft (sie) oberhalb des Nackens und schlagt ihnen jeden Finger ab!””

Sure 9:123

Ihr Gläubigen! Kämpft gegen diejenigen von den Ungläubigen, die euch nahe sind! Sie sollen merken, daß ihr hart sein könnt. Ihr müßt wissen, daß Allah mit denen ist, die (ihn) fürchten.

Sure 47:4

Wenn ihr auf die stoßt, die ungläubig sind, dann herunter mit dem Haupt; und wenn ihr sie schließlich siegreich niedergekämpft habt, dann schnürt ihre Fesseln fest.

Wenn etwa ein Muslim unter Bezug auf die oben genannten Gebote und Anweisungen seiner Religion einen „ungläubigen“ Christen töten will und der Christ ihm antwortet: „Ok, Jesus sagt mir, dass ich auch die andere Backe hinhalten soll“, dann handelt der Moslem im Einklang desjenigen Moralkodexes, der ihm durch seine Religion für den interkulturellen Konkurrenzkampf zwingend vorgeschrieben wird – während der Christ (dem die Kirche diesen interkulturellen Moralkodex gestrichen hat) nur nach dem intrakulturellen Moralkodex handeln kann. Aus der Perspektive des interkulturellen Wettbewerbs ist dies für den Christen eine schlechte Lösung und für den Moslem eine gute Lösung.

Wie ein Zusammenprall solch gegensätzlicher KGEs ausgeht, zeigt sich am Beispiel Indiens, wo sich die friedlichen Buddhisten gegenüber den Attacken der eindringenden Araber (im 8. Jahrhundert) nicht zur Wehr setzten mit der Folge, dass der Buddhismus in seinem Ursprungs- und Stammland nahezu vollständig ausgelöscht wurde.8

Warum hat das Abendland seine bisherige Differenzierung zwischen der eigenen und fremden Kulturen weitestgehend aufgegeben? Angesichts der rasenden Geschwindigkeit der Islamisierung Europas erscheint dieser Schritt als selbstmörderisch, und sieht es so aus, dass Europa seine abendländische Identität ohne nennenswerte Gegenwehr einer dominanten KGE preisgibt. Was ist der Grund für diesen kulturellen Suizid? Warum rudert Europa angesichts seines möglichen Endes nicht zurück und besinnt sich seiner alten Werte? Warum läuft Europa in seinen Abgrund?

Das sind berechtigte Fragen. Während die Linken Europas eine Gefährdung ihres Kontinents nicht wahrhaben wollen oder sie insgeheim teilweise sogar begrüßen und daher auch nicht zum politischen Thema machen, formieren sich insbesondere unter europäischen Konservativen zunehmende Tendenzen zur Restaurierung alter europäischer Nationalstaaten, die sich gegenüber äußeren Feinden scheinbar besser zu wehren vermochten. Von Republikaner hörte ich den Satz: „Die Moslems sollen ruhig nach ihren eigenen Gesetzen leben. Aber in ihren Ländern.“ Und manche Christen wünschen sich eine Rückkehr in die jüngere christliche Vergangenheit, wo sich ihre Religion noch gegenüber ihren Gegnern zu wehren vermochte.

Doch Modelle, die in der Vergangenheit funktionierten, sind in der Gegenwart meist nicht einsetzbar. Hinzu kommt, dass wir uns derzeit inmitten einer neuen, noch nie da gewesenen Situation befinden: der Globalisierung. Dieser Entwicklungsmoment ist in der Geschichte der Menschheit einmalig, und mangels historischer Vergleichssituationen fällt es uns schwer, bei der Steuerung der Globalisierung Orientierung und Rat zu finden.9 Was die Folgen der Globalisierung für uns Menschen sein werden, kann aus heutiger Sicht und Wissenslage nicht erschlossen werden. Doch die meisten (wenn nicht alle) Kulturen, Religionen und Ideologien scheinen zu ahnen, dass es sich möglicherweise heute für immer entscheidet, welche Kultur die Globalisierung überleben und welche untergegangen sein wird.


Der tödliche Kampf der KGEs um ihren historischen Fortbestand

Die Demokratie als KGE

Bisher haben wir meist über religiöse oder kulturellen Einheiten gesprochen. Aber wir müssen auch über die politische Gesellschaftsform als KGE sprechen. Die Verteidigung der eigenen politischen KGE sowie deren Sieg gegenüber gefährlichen Konkurrenten war häufig der Grund erbitterter Kriege. Der amerikanische Bürgerkrieg etwa war ein Kampf zwischen der Sklavenhalter-Gesellschaft des Südens und dem industrialisierten Norden mit seinen verfassten freiheitlichen Menschenrechten. Die Religionskriege Europas waren die letzten erbitterten Kämpfe zwischen den christlichen Mittelalter und seiner Ablösung durch die aufkommende Neuzeit. Der Kalte Krieg in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war im Wesentlichen ein Krieg zwischen dem egalitären und totalitären Kommunismus und der freiheitlichen „kapitalistischen“ Demokratie mit ihren individuellen Menschenrechten.

Die Auseinandersetzung unserer Tage ist im Wesentlichen der erbitterte Kampf der Verteidiger der freiheitlichen Demokratie als Gesellschaftsform gegenüber zunehmend totalitär-strukturierten Zentralmächten, wie sie sich etwa im eurokratischen Zentralismus Brüssels in der Aushöhlung der demokratischen Werte und säkularen Gesetze, im allgemeinen Werteverfall, in der Migration, in der Islamisierung und im Schwund der Unterschiede zwischen den politischen Parteien darstellen.

Die Kontrahenten dieser Auseinandersetzung sind davon überzeugt, dass ihre jeweilige Gesellschaftsform die bessere sei, und sie wollen diese gegenüber der Konkurrenz behaupten und kulturgenetisch keinesfalls unterliegen. Das ist der Antrieb, wenn Muslime etwa ihre Gesellschaftsform überall durchsetzen wollen, wenn Kommunisten den Kapitalismus zerstören wollen oder wenn Menschen für die Erhaltung der freiheitlichen Gesellschaftsformen kämpfen. Sie alle wollen ihre Ideen, ihre Lebensform vererben, der jeweils eigenen Gesellschaftsform das Überleben gewährleisten.

Das war schon immer so. Und in diesem Konkurrenzkampf gingen einige Gesellschaftsformen unter oder gingen in eine andere Gesellschaftsform hinüber, und später entstanden nicht selten dieselben Gesellschaftsformen erneut. Systemverfechter stellen diese Entwicklungen gern linear dar mit der abschließenden Erklärung, dass die jeweils eigene KGE das Nonplusultra ist. So haben Kommunisten die („wissenschaftlich“ untermauerte) Linearvorstellung einer „notwendigen“ Entwicklung von Gesellschaftsformen verfochten von der antiken Sklavenhalter-Gesellschaft über den mittelalterlichen Feudalismus und zuletzt über den Kapitalismus zum Imperialismus, der schließlich vom Kommunismus als Krönung und Abschluss aller historischen Gesellschaftsformen für immer abgelöst würde. Da der Kommunismus so perfekt sei, sei eine fundamentale gesellschaftliche Weiterentwicklung nicht mehr nötig .

Manche preisen die Monarchie, andere die Theokratie, andere wiederum die multikulturelle Formlosigkeit als Gesellschaftsform usw. Ja, es gibt sicher nicht wenige, die sich eine Militärdiktatur wie das Dritte Reich oder den Stalinismus/Maoismus wünschen. Die Faustregel aller Systemverfechter lautet dabei: die eigene KGE ist besser als die anderen.

Der Islam als besonders aggressive und erfolgreiche KGE

Was bei den Kommunisten die (scheinbar) gesetzesmäßige Abfolge der Gesellschaftsformen (s.o.) mit dem krönenden Abschluss der nicht weiter verbesserungsfähigen, weil perfekten kommunistischen Gesellschaftsform ist, trifft im Islam auf die Abfolge religiöser Glaubenssysteme zu. Die niederste Stufe der Religiosität in den Augen des Islam sind Vielgötterei und Götzenglauben10, gefolgt von den beiden Buchreligionen Judentum und Christentum, die zwar den monotheistischen Glauben und das Alte Testament mit den Muslimen gemein haben, aber dennoch den „falschen“ (weil angeblich „verfälschten“) Gott anbeten. Insbesondere werfen Muslime den Christen einen in der Trinität von Gottvater, Gottsohn und Heiligem Geist versteckten Polytheismus vor sowie die Tatsache, dass sie in Jesus nicht (wie der Islam) einen bloßen menschlichen Propheten, sondern den herabgesandten Sohn Gottes verehren. Konsequenterweise sehen sie im Islam die letztendliche Vollendung der beiden Buchreligionen und in Mohammed das „Siegel“ aller Verkünder der „wahren und einzigen“, der perfekten Religion: des Islam.

Da der Islam jedoch im Gegensatz zu anderen Religionen eine Staatsreligion ist und eine klassische Trennung zwischen geistlicher und weltlicher Macht nicht kennt, blieben ihm in der Vergangenheit auch meist kräftezehrende Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden Machtzentren erspart.11 Die Unität von geistlichem und weltlichem Machtanspruch, wie sie Mohammed in seiner medinensischen Phase innehatte und wie sie heute von den meisten „Islamisten“ angestrebt wird, macht den Islam gegenüber den übrigen religiösen und weltlichen KGEs besonders schlagkräftig und gefährlich. Obwohl dem Islam seit der Zerschlagung des Osmanischen Reiches ein geistlich-weltliches Oberhaupt (Kalifat) fehlt, zeigt er seine Macht in Form der umma, der weltweiten Brüderschaft aller gläubigen Muslime. Wie wirkungsvoll dieses Konstrukt ist, sah man im Westen jüngst an den weltweiten Reaktionen auf die Karikaturen-Veröffentlichung Mohammeds in Dänemark, aber auch an den wütenden weltweiten Reaktionen auf die Regensburger Rede von Papst Benedikt XVI. Eine politisch ähnlich wirkungsvolle Massenbewegung kann die übrige Welt derzeit auch nicht annähernd organisieren, weder in solch kurzer Zeit noch in derartiger Wucht. Diese muslimische Geschlossenheit gegenüber den übrigen KGEs (bei aller ansonstigen Diversivität und Zerstrittenheit unter den muslimischen Glaubensrichtungen) ist die derzeit wohl wirkungsvollste Waffe einer einzelnen KGE (außerhalb militärischer Technologie) und bestärkt die Muslime – nicht zuletzt dank der zaghaften und feigen Reaktionen des Westens auf die islamische Herausforderung – in ihrer Gewissheit, die beste aller kulturellen Gesellschaftsformen (KGEs) zu sein und in Zukunft alle anderen KGEs zu dominieren12.

Nun, dies gilt im Prinzip auch für die Verteidiger des westlich-humanitären Gesellschaftsentwurfs, zu denen ich mich persönlich ebenfalls zähle. Daher kann ich, was diesen Punkt anbelangt, nicht objektiv sein, wessen ich mir voll und ganz bewusst bin. Für mich gilt die freiheitliche Demokratie als die beste und erstrebenswerteste Gesellschaftsform, die es je gegeben hat, und ich möchte sie von keiner anderen Gesellschaftsform abgelöst sehen. Ich bin jederzeit bereit, für ihre Verteidigung zu kämpfen. Ich kenne aber auch Menschen, die sie nicht für die beste Lebensform halten, die sich etwa eine Monarchie wünschen, oder die so überzeugte Christen sind, dass sie jederzeit eine idealisierte christliche Gesellschaft gegenüber einer säkularen Demokratie bevorzugen würden. Neuere Umfragen haben zudem gezeigt, dass sich viele Menschen in Deutschland sogar lieber den DDR-Sozialismus wünschen als die freiheitliche Demokratie. Aber grundsätzlich sind die Bürger der abendländischen Demokratien in ihrer Mehrheit davon überzeugt, dass die Gesellschaftsform, in der sie leben, die beste ist und können sich gar nicht vorstellen, dass sie enden, sich auflösen oder gewaltsam beendet werden könnte. Tatsache ist aber, dass es auf der Welt schon mehrere Demokratien gegeben hatte und sie alle irgendwann endeten. Meistens wurden sie von einer totalitären Gesellschaftsform abgelöst.

Fortsetzung folgt

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