War Adolf Hitler ein Linker?

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War Adolf Hitler ein Linker?

Die Diskussion um den politischen Standort des deutschen Nationalsozialismus ist nie gründlich geführt worden. Klar ist jedenfalls: Zeit seines Bestehens hatte er mehr mit dem Totalitarismus Stalins gemein als mit dem Faschismus Mussolinis

von JOACHIM FEST, 27.09.2003 (Quelle)

Manche guten Gründe sprechen dafür, dass der Nationalsozialismus politisch eher auf die linke als auf die rechte Seite gehört. Jedenfalls hatte er Zeit seines Bestehens mit dem Totalitarismus Stalins mehr gemein als mit dem Faschismus Mussolinis.

Im Italien der Zwanziger- und Dreißigerjahre gab es immer noch die herkömmlichen Klassenunterschiede, während Hitler, nicht anders als die Sozialisten aller Schattierungen, die soziale Gleichschaltung vorantrieb. Auch hat er nach der so genannten Machtergreifung, anders als manche Angehörigen der Oberklassen hofften, die 1918 verloren gegangenen Vorrechte nicht wiederhergestellt. Stattdessen hat er den von Marx herkommenden Begriff der klassenlosen Gesellschaft einfach durch die Vokabel der „Volksgemeinschaft“ ersetzt und den immer noch Furcht erregend sozialistisch klingenden Begriff als eine Art ständiger Verbrüderungsfeier verkauft.

Eine wie tiefe und anhaltende Sehnsucht der Deutschen er damit ansprach, geht nicht zuletzt daraus hervor, dass die Öffentlichkeit des Landes sich noch immer im Konsens am besten aufgehoben fühlt. Der nach festen Spielregeln ausgetragene Konflikt, der zu den elementaren Voraussetzungen demokratischer Ordnungen zählt, steht bei uns in keinem hohen Ansehen. Stattdessen huldigt alle Welt einer Gleichheitsidee, zu deren Eigenart nicht nur gleiche Startbedingungen gehören. Hierzulande will man auch, dass alle gleichzeitig im Ziel einlaufen. Niemand soll den anderen übertreffen.

Bekanntlich hat Hitler keine Produktionsmittel verstaatlicht. Damit ist für marxistischen Ideologen die Frage, ob Hitler samt seinem Programm sozialistisch genannt werden könne, ein für allemal beantwortet. Tatsächlich hatte Hitler einen weit klügeren Einfall. Er sozialisierte, in eigenen Worten, „nicht die Betriebe, sondern den Menschen“. Auf diese Weise hat er politisch, wirtschaftlich und sozial viel bewunderte Erfolge erzielt. Ein Wortführer des Kapitalismus im hergebrachten Sinne war er jedenfalls nicht.

Nicht ohne Grund sprach eines der populärsten Schlagworte der Epoche von der „antikapitalistischen Sehnsucht“, die die Zeit erfülle. Und nicht zufällig stammte diese Formel von einem der führenden Nationalsozialisten aus dem engsten Kreis um Hitler, Gregor Strasser. Zweifellos jedenfalls empfand sich keiner der SA-Leute, die unter der Hakenkreuzfahne durch Moabit oder Steglitz marschierten, als Parteigänger irgendeiner „Reaktion“. Wie die Kolonnen der Linken auch, sahen sie sich als Vorhut grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen – auch sie wollten die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Mit ihnen ziehe, wie sie glaubten und sangen, die neue Zeit.

Als im Frühjahr 1933 ganze kommunistische Kampfformationen geschlossen in die SA übertraten, wurde das von den roten Parteisoldaten keineswegs als Bruch empfunden, und der Berliner Volkswitz, der diese Einheiten als „Bulettenstürme“ verhöhnte („außen braun, innen rot“) deckt auf, wie nahe beieinander auch die Öffentlichkeit die einen und die anderen wahrnahm. Man wechselte sozusagen nur den Anführer und die Fahne, nicht einmal die Treffkneipe. Im Herzen blieb man Sozialist, nur dass man von nun an auch noch national sein durfte, kein „Vaterlandsverräter“ der Komintern. Wer da nicht zum Mitmachen bereit gewesen wäre!

Noch viele weitere Gemeinsamkeiten zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus lassen sich anführen, auch tiefer reichende. Wie häufig haben gerade die unversöhnlichsten Rivalen auf politischem Feld immer etwas von feindlichen Zwillingen. Auch in diesem Falle verhielt es sich so. Beide Epochengegner, die sich so erbittert bekämpften, träumten den Traum vom „Neuen Menschen“, der mit ihnen erst die Möglichkeit erlange, sich auf Erden zu verwirklichen; beide machten sich, wenn auch mit scheinbar gegensätzlichen Parolen, auf die Suche nach dem vor Zeiten verlorenen Paradies.

Und beide hassten mehr als alles andere die bürgerliche Welt. Wer sich die Jubelschreie in Erinnerung ruft, mit der führende Nationalsozialisten die Zerstörungen der deutschen Städte im Bombenkrieg begrüßten, erhält einen Begriff von der Radikalität ihres Hasses: Goebbels sprach von den „Gefängnismauern“ der bourgeoisen Welt, die jetzt endlich „in Klump geschlagen“ würden, und Robert Ley „atmete auf“: Endlich sei es „vorbei mit der Welt“, die sie verabscheuten. Ein Echo solcher komplexen Erfüllungsgefühle im Untergang des einen Regimes war auch im Aufstieg des anderen vernehmbar: In den frühen Jahren der DDR, als die Machthaber die Reste der bürgerlichen Welt syste-matisch bis auf die innersten Strukturen zerstörten.

Aufs Ganze gesehen ist die Diskussion über den politischen Standort des Nationalsozialismus nie gründlich geführt worden. Stattdessen hat man zahlreiche Versuche unternommen, jede Verwandtschaft von Hitlerbewegung und Sozialismus zu bestreiten. Um den Kommunismus denkbar weit vom Nationalsozialismus wegzurücken, ist sogar der totalitäre Charakter des Kommunismus geraume Zeit bestritten worden. Das ist inzwischen gescheitert. Die Verheißungsszenarien, die von der einen wie der anderen Seite entworfen wurden, haben nicht allzu lange gedauert. Im Fall des Nationalsozialismus wurden sie nur etwas über zehn Jahre, im Sozialismus immerhin fast drei Generationen lang exekutiert. Beide haben die Menschheit unendlich viele Opfer gekostet – Abermillionen bei diesen wie bei jenen.

Der auffallendste Unterschied bleibt, dass der Nationalsozialismus sich schon im Programm unmenschlich ausnahm, während der Sozialismus in verschiedenen humanitären Maskeraden auftrat. Zu lernen ist aus dieser Erfahrung, dass alle Ideologien, was immer sie den Menschen weismachen, nie halten, was sie versprechen. Auf dem Papier wirken sie stellenweise verführerisch. Aber wer sich von der Zeit belehrt weiß und vor allem genauer hinsieht, entdeckt im Hintergrund all der idyllisch-egalitären Kulissen stets das nackte Grauen.

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10 Kommentare

  1. Die Frage kann man ohne Vorbehalte bejahen.
    Es waren “ Nationale Sozialisten“.
    So wie alle Ideologien konnte man diese aber
    nur mit Geewalt durchsetzen.
    Die Grünen übernehmen ja auch die „autarke“
    Ausrichtung wie zum Beispiel auf dem Markt
    für Energie. Das ist „Nationalsozialismus“
    pur, nur mit einer grünen Verpackung.
    Alle gleichen sie sich. Oben lebt die
    Nomenklatura in Saus und Braus, und das dumme
    Volk hält die Klappe und arbeitet.
    Und die Geschichte wird sich immer wieder
    einholen.

  2. „Wir hassen das rechte Besitzbürgertum“ – Joseph Goebbels

    Dem gehörten übrigens die meisten Juden an.

    Egal ob nationaler oder internationaler Sozialismus, wo Sozialismus drauf steht ist stets Rassismus drin, ein aus Neid gespeister Rassismus gegen geistig Bessergestellte.

    Dass Nazis „Rechte“ seien, ist eine Erfindung internationalen Sozialisten und ihrer medialen Blödmannsgehilfen, um sich gegen eine Konkurrenz abzugrenzen.

  3. Damals waren die „Bulettenstürme“ außen braun und innen rot, heute sind die „Melonen“ außen grün und innen rot mit braunen Kernen.
    Inzwischen wenig bekannt ist, dass zu Gründungszeiten der Grünen etliche mitwirkten, die ihre NS-Vergangenheit wie z.B, Baldur Springmann (Stahlhelm, “Schwarze Reichswehr”, SA-Mitglied, SS-Mitglied, Mitglied der NSDAP, als Marineoffizier “NS-Führungsoffizier”) geschickt verschleierten.
    Quelle:
    http://www.nornirsaett.de/braune-flecken-im-biogarten/

    Die heute führenden Grünen hingegen waren eher im linksextremen Spektrum wie KBW oder KPD/AO:
    Reinhard Bütikofer (KBW), Parteichef
    Ralf Fücks (KBW), Ex-Senator in Bremen, Chef der Böll-Stiftung
    Frank Herterich (KPD/AO), Ex-Planungsstab Auswärtiges Amt
    Willfried Maier (KBW), Bürgerschaft Hamburg, Ex-Senator
    Winfried Kretschmann (KBW), Landtag Baden-Württemberg
    Dieter Mützelburg (KBW), Bürgerschaft Bremen
    Winfried Nachtwei (KBW), Bundestag
    Krista Sager (KBW), Bundestag, Ex-Senatorin in Hamburg
    Joscha Schmierer (KBW), Ex-Planungsstab Auswärtiges Amt
    Antje Vollmer (KPD/AO-Gruppe Liga gegen den Imperialismus), Ex-Vizepräsidentin des Bundestages

    Eigentlich könnte man die Grünen als Nachfolgeorganisation der NSDAP und des KBW bezeichnen… 😉

  4. Hitler war definitiv ein Linker. Er ist sogar nach der Ermordung des sozialistischen Politikers und ersten bayerischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner im Trauerzug zum Ostfriedhof mitmarschiert, um diesem die letzte Ehre zu erweisen. Die Radikalität Hitlers ist ja auch heute noch ein typisch linkes Verhalten.

    http://www.geschichtsforum.de/f66/hitler-bei-kurt-eisners-trauerzug-30124/

    MM. Danke! Solche inhaltlich weiterführenden Infos liebt dieser Blog.

  5. worin unterscheiden sich denn die Methoden der Internationalen Sozialisten von den Methoden der Nationalen Sozialisten?
    Ich erkenne keine gravierenden Unterschiede.
    Beide sind und waren menschenverachtende und für die Betroffenen tödliche Regime.
    Ansätze davon sind auch heute in Europa wieder aktuell!
    Wehret den Anfängen, obwohl wir über diese schon weit hinaus sind.

  6. Und worin unterscheiden sich die Verhaltensweisen der SA und der Antifa? Es gibt ebenfalls fast keine. Diese Schergen werden von linken Parteien, die sich hinter humanitären Maskeraden vertecken ausgeschickt, um politische Gegner zu verprügeln oder einzuschüchtern. Lediglich um sein Leben muss man (noch) nicht massiv fürchten.
    Hitler hasste nichts mehr, als die bürgerliche Welt. Er sagte einmal, er habe es bereut, das Bürgertum nicht stärker bekämpft zu haben.
    Nach dem Krieg wurden von Kulturmarxisten umfangreiche Anstrengungen unternommen, jede Verwandtschaft von Hitlerbewegung und Sozialismus zu bestreiten. Um den Kommunismus denkbar weit vom Nationalsozialismus wegzurücken, wurde sogar der totalitäre Charakter des Kommunismus lange bestritten.

    Somit sind die ewig gestrigen, braunen Hohlköpfe, die heute nach Hitler schreien, nichts anderes als Linke und Kommunisten. Ich verstehe nicht, warum sie sich gegenseitig bekämpfen. Beide sind Anhänger ein und derselben, antisemitischen Kernideologie und beide benutzen die selben, undemokratischen Methoden.

  7. „…entdeckt im Hintergrund all der idyllisch-egalitären Kulissen stets das nackte Grauen.“
    Gestern überkam mich dieses Grauen wirklich. Es war mit Händen zu greifen.
    Ein Grüner will einen dementen, alten Mann vor einen Ausschuss zerren.
    http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_politik/article108847178/Gruene-kennen-keine-Gnade.html
    Ich bin weder ein Fan von Albrecht noch von seiner Tochter, noch von Atomkraft.
    Aber bei diesem Abgrund an stalinistisch-maoistischer Menschenverachtung läuft es mir eiskalt den Rücken hinunter.
    Das ist das wahre Gesicht der Grünen und Linken.
    Sind wir wirklich im 21. Jahrhundert?

  8. Ist dann die NPD auch links? Die sind ja offen antisemitisch und nationalsozialistisch.

    Was ist mit den Rechtsparteien wie der FPÖ, die strauchelt doch regelmässlig am Nationalsozialismus an, bezeichnet sich selber aber als Rechtspartei.

    Ich denke es gibt auf beiden Seiten solche Idioten.

    Das der Nationalsozialismus eindeutig links war mag sein, dennoch gibt es in Europa Rechte Parteie die Sympathien für die NS Zeit hegen.

  9. Unter Hitler gab es keine systematische Enteignung von Unternehmern, Juden wurden enteignet weil sie Juden waren, also aus religiösen Gründen und nicht weil sie reich waren.
    Eine linke Idee ist es das die Herkunft eines Menschen keine Rolle spielt, siehe frz. Revolution, dort sollte die Standesgesellscahft abgeschafft werden, die darauf beruht das Rechte und Privilegien auch an die Kinder weiterverbt werden. Bei den Nazis hat man zwar die Bindung an Rechten an die Familie abgeschafft, aber die Rechte hingen immer noch davon ab, welcher Nationalität die Vorfahren angehörten.
    Und beim Vergleich mit Stalin sollte man nicht vergessen, das Lenin vor Stalin gewarnt hat.

    MM: Die von Ihnen genannten Unterschiede treffen zwar zu – lösen sich aber bei genauierem Hinsehen auf. Die Fokussierung auf einen Hauptfeind, dessen Existenz für alles Elend der Welt verantwortlich gemacht wurde, ist ein klares gemeinsdames Kennzeichen beider Systeme: Was beim Sozalismus der Kapitalist/Berois…das war bei Hitler der Jude.
    Was Lenin anbelangt: Zwar hat er vor Stalin gewarnt..doch war Lenin ein kaum weniger schlimmer Massenmörder als Stalin. Er ließ Hunderttausende sog. Kulakken ermorden – und schickte dazu den berüchtigten „Roten Zug“ (Eisenbahn) in die ländlichen Gebiete Russlands. Auf diesen Zügen waren Maschinengewehre montiert, von denen auf alles geschossen wurde, was als „Kulakke“ identifizierbar schien.

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