Heute vor 39 Jahren griff die Türkei den kleinen Inselstaat Zypern an – und hält ihn bis heute widerrechtlich besetzt


Mit einer Fläche von ca. 9251 km² (südlicher Teil ca. 5384 km², nördlicher Teil ca. 3355 km²) ist Zypern nach Sizilien und Sardinien die drittgrößte Insel im Mittelmeer (West-Ost-Ausdehnung ca. 230 km, Nord-Süd-Ausdehnung ca. 95 km). Die Entfernung zur Südküste der Türkei beträgt ca. 68 km

Von Michael Mannheimer (zahlreiche eigene Recherchen auf Zypern und weite Bereiche aus Wikipedia entnommen)

Am 15. Juli 1974 überfiel die Türkei den kleinen Inselstaat Zypern – und hält ihn bis heute besetzt

Heute früh um exakt 4 Uhr morgens (3 Uhr MEZ) heulten im griechischen Teil Zyperns tausende Sirenen auf. Viele Menschen schreckten aus dem Schlaf und machten sofort ihren Fernseher an … besonders die ältern, die sich  vergwissern wollten, ob wieder ein nationaler Notstand ausgebrochen ist.

Zypern gedenkt heute des Überfalls der Türkei 1974. Zu exakt zu dieser Stunde vor nunmehr 39 Jahren überfiel die Türkei den kleinen ahnungslosen Staat Zypern zu morgendlicher Stunde mit Hunderten Kriegsschiffen und seiner Luftwaffe. In seinem Verlauf wurde im Sommer 1974 der Norden der Insel (und damit ein Drittel des Staatsgebietes der Republik Zypern) von türkischen Streitkräften besetzt. Für diesen wurde im November 1983 die – international nicht anerkannte – Türkische Republik Nordzypern proklamiert, die heute ein stabilisiertes De-facto-Regime bildet.

Miliärputsch in Griechenland löste den Angriff der Türkei gegen den souveränen Staat Zypern aus

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Oben: Bevölkerungsverteilung vor und nach der Teilung der Insel

Am 15. Juli 1974 putschten mit Unterstützung der griechischen Militärjunta in Athen, organisiert vom „starken Mann“ des Regimes, dem griechischen Offizier Dimitrios Ioannidis, Offiziere der Zyprischen Nationalgarde gegen die Regierung von Erzbischof Makarios III. und machten Nikos Sampson zum Präsidenten von Zypern.


Die Türkei berief sich auf den Londoner Garantievertrag von 1959 und intervenierte am 20. Juli 1974 in der Operation Attila mit der Landung türkischer Streitkräfte im Norden der Insel. Obwohl die griechische Militärjunta aufgrund eines drohenden Krieges mit der Türkei am 23. Juli 1974 stürzte und auch Sampson sein Amt niederlegte, entschied sich die Türkei am 14. August 1974 dazu, die Invasion auszuweiten, wobei insgesamt 37 % der Insel besetzt wurden – ein Gebiet, auf dem bis dahin 70 % des Bruttosozialproduktes Zyperns erwirtschaftet worden waren.

Von diesem wirtschaftlich prosperierenden Teil Zyperns wurden alle christlichen Zyprioten vertrieben und mussten sich im wirtschaftlich unterentwickelten Teil Südzypern niederlassen. Das gab den Ausschlag dafür, dass sich die zypriotische Regierung – die Arbeitsplätze schaffen musste und die Not ihrer Bevölkerung beenden wollte – damals entschloss, mangels eigener Rohstoffen und Fabriken den Offshore- und Bankensektor zum führenden Wirtschaftszweig auszubauen.

Im Dezember 1974 erlangte die Republik Zypern mit ihrer alten Regierung ihre volle Souveränität zurück. Die Türkei jedoch weigerte sich, ihre Truppen abzuziehen und das besetzte Territorium zu räumen. Der ehemals prosperierende und ausschließlich von Türken bewohnte Norden ist mittlerweile total heruntergewirtschaftet.

Religion

Der größte Teil der Bewohner, etwa 77 %, sind orthodoxe Christen. Die Kirche von Zypern ist seit 431 autokephal und befindet sich in vollständiger Glaubensgemeinschaft mit den anderen orthodoxen Kirchen. Muslime stellen insgesamt 21 % der Bevölkerung und setzen sich zum überwiegenden Teil aus der türkischsprachigen Bevölkerung zusammen. Diese sind zu 99 % sunnitisch-muslimischen Glaubens.

Etwa 1 % der Bevölkerung gehört der römisch-katholischen Kirche des lateinischen Ritus an, sie gehören zum Patriarchat Jerusalem. Ungefähr ein weiteres Prozent der Einwohner ist ebenso in voller Einheit mit dem Papst, es sind die (katholischen) Maroniten, die auch den einzigen katholischen Erzbischof mit Sitz in Zypern aufweisen. Für beide Riten der Katholischen Kirche und zur diplomatischen Vertretung des Heiligen Stuhles gibt es eine eigene Apostolische Nuntiatur, die vom Nuntius für das Heilige Land mitbetreut wird.

Die stete Revolte der msulimischen Minderheit gegen die christliche Mehrheit Zyperns war der eigentliche Auslöser des türkischen Überfalls

Hintergrund des Konflikts war ein – wie sollte es auch anders sein – religiös-ethnischer Konflikt zwischen den türkischen und griechischen Zyprioten. Der Zypernkonflikt bestand schon seit Jahrhunderten (seit der Okkupation der Insel durch die Türken (s.u.)) zwischen griechisch-zypriotisch und türkisch-zypriotisch denominierten Entitäten über die Staatsgewalt auf Zypern. Auch in Zypern zeigte sich überall die prinzipielle Unfähigkeit des Islam, sich in eine nichtmuslimische Gesellschaft zu integrieren.

Die Minderheit der türkischen Zyprioten (damals 21 Prozent der Gesamtbevölkerung) verlangte ein umfassendes Mitspracherecht und einen defacto-Anteil an den Wahlen, als betrüge ihr 50 Prozent. Inakzeptabel für die griechische Mehrheit. Außerdem forderten sie – ebenfalls typisch für alle islamischen Minoritäten in nichtislamisch dominierten Staatsgebieten – den Anschluss Gesamtzyperns an die Türkei – was gemessen an der Geschichte Zypern, einem ehemals zu 100 Prozent hellenistischen Staat – einer defact0 Annektion des überwiegend christlichen Staates an den Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches, die Türkei, entsprochen hätte. Ebenfalls inakzeptabel für die Griechen Zypern.