Robert Spencer: Warum ist es falsch, nach Syrien zu gehen?


Der syrische Freiheitskampf wird zum Religionskrieg

Die “Religion des Friedens” hat einen Weltenbrand entfacht, von dem kein einziges islamisches Land verschont wurde. In allen islamischen Ländern kämpfen Muslime um die Vorherrschaft der beiden größten islamischen Hauptrichtungen Sunnismus und Schiismus. So auch im syrischen Bürgerkrieg, wo es primär um den Kampf der Vorherrschaft zwischen den 12 Prozent Alaviten (denen Assad angehört) und den 71 Prozent Sunniten geht. Letztere wollen das alavitische Regime stürzen und mit Hilfe saudischer Gelder sowie sunnitischer Dschihadisten aus aller Welt einen Gottesstaat suadischer Prägung errichten. Damit wäre das Ende der der 10 Prozent Christen im Lande eingeleitet, die heute bereits überall dort vertrieben oder ermordet werden, wo die sunnitischen “Rebellen” die Macht egriffen haben. (MM)

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Samstag, 31. August 2013

Robert Spencer: Warum ist es falsch, nach Syrien zu gehen?

Eine amerikanische Militärintervention in Syrien wird wahrscheinlich in dieser Woche beginnen.

Eine Sache, die wir in der allgemeinen Verwirrung wissen, ist, dass das Ziel nicht darin besteht, Bashar Assad zu stürzen: Sprecher des Weißen Hauses Jay Carney sagte am Dienstag: „Ich möchte deutlich machen, dass die Optionen, die wir betrachten nichts mit Regimewechsel zu tun haben. Es geht um die Reaktion auf eine klare Verletzung internationaler Standards, welche die Verwendung von chemischen Waffen verbieten.“

Wie die Obama-Regierung mit der behaupteten Nutzung von chemischen Waffen umgehen will, ohne dabei Assads Macht herauszufordern, ist unklar.


Inmitten dem ganzen Wirrwarr rund um einen Angriff auf Syrien steht der ehemalige britische Premierminister Tony Blair. Blair sagte, in Rechtfertigung eines Angriffs auf Syrien, dass es notwendig sei, zu verhindern, dass das Land zu einem „Nährboden für Extremismus“ wird.

Nun, damit ist Blair ein paar Monate zu spät. Syrien ist bereits ein Nährboden für „Extremismus“. Die New York Times berichtete bereits am 28. April 2013, dass „nirgendwo im von Rebellen kontrollierten Syrien eine säkulare Kampftruppe existiert.“ Und vor einem Monat sagte der israelische Generalmajor Aviv Kochavi, dass Syrien nun „Tausende von globalen Jihad-Aktivisten und muslimischen Extremisten aus der Region und der ganzen Welt anzieht, die sich in dem Land, nicht nur für die Absetzung Assads, sondern auch für die Vision eines Staates basierend auf dem islamischen Recht einsetzen.“

Bilder vom angeblichen Massaker in Syrien sind aus dem Irak 2003. Wozu taugt eigentlich eine Presse, die sich jeden Bären aufbinden läßt und den dann auch noch weitergibt? Oder wird da mit Absicht ein Krieg angezettelt? Der Fotograf Marco di Lauro hat sein Bild erkannt. Wenn hier keine Richtigstellung erfolgt kann man offenbar nur von Kriegspropaganda sprechen. Die Berichterstattung zu Syrien wird mir wahrhaftig immer suspekter. Wer handelt da eigentlich in welchem Interesse? (Quelle)

Aviv Kochavi fügte hinzu, dass „vor unseren Augen und vor unserer Haustür, sich ein groß angelegtes Zentrum des globalen Jihads entwickelt, welches nicht nur die israelische Grenze zu Syrien beeinflussen kann, sondern auch den Libanon, Jordanien, den Sinai und die gesamte Region.“

Und in dieser Woche wollen also die USA und Großbritannien auf Seiten dieser „globalen Jihadisten und muslimischen Extremisten“ intervenieren. [Wie mittlerweiele bekannt ist, hat Großbritannien davon Abstand genommen.]

Sie sind bereit, dies zu tun, weil sie behaupten, dass Bashar Assad chemische Waffen gegen sein eigenes Volk eingesetzt habe, obwohl es keinen Beweis dafür gibt. Es könnten auch die Dschihad-Rebellen getan haben. Die UN-Inspektoren in Syrien haben kein Mandat, um festzustellen, wer genau die chemischen Waffen verwendet hat. Sie können nur die Tatsache feststellen, dass sie benutzt wurden. Doch auf die entscheidende Frage, wer sie benutzt hat, kann niemand eine klare oder definitive Antwort geben, am wenigsten Barack Obama.

Zuvor hatte Obama die Dschihadisten und islamischen Rassisten in Libyen und Ägypten unterstützt. Und genau das hat er in Syrien auch wieder vor. Bill Roggio berichtet am 29. Juni im „Long War Journal“, dass die Al Nusrah Front, welche die „al-Qaida-Filiale in Syrien“ darstellt, „bereit ist, mit syrischen Rebellengruppen wie die Freien Syrischen Armee zusammen zu arbeiten, und dies in offiziellen Aussagen bekräftigt.“ Doch zusätzlich will die „Al Nusrah mit der Freien Syrischen Armee die Scharia, das islamische Recht, in Aleppo und in Ost-Syrien etablieren.“ Dennoch will die „US-Regierung die Freie Syrische Armee unterstützen, obwohl sie besorgt über die Verbindungen zur Al Nusrah ist.“

Blair beschwerte sich darüber, dass Syrien „verstrickt ist in Gemetzel zwischen Assads Brutalität und verschiedenen Tochtergesellschaften der al-Qaida.“  Das ist in der Tat wahr. Aber er wollte und konnte nicht erklären, wie eine amerikanisch-britische Intervention mit dieser Tatsache umgehen werde, oder wie sie zur Schaffung eines säkularen, pluralistischen Staates nach Assads Sturz beitragen könnte.

Angesichts der Tatsache, dass sowohl die amerikanische als auch die britische Regierung die Realität des islamischen Dschihads leugnen und ignorieren, wird es niemanden verwundern, wenn nach einer Intervention die US-Truppen und ihre britischen Freunde nicht mehr zwischen Scharia-Rassisten und Säkularisten unterscheiden können, geschweige denn die letzeren unterstützen, falls es dann überhaupt noch nennenswerte säkulare Kräfte in Syrien geben wird.

Immerhin leiteten die USA und Großbritannien die Einrichtung von Scharia-Verfassungen im Irak und in Afghanistan ein. Warum sollte es in Syrien anders sein? Bashar Assad ist zweifellos ein blutiger Tyrann. Viele andere Herrscher, die von den USA und Großbritannien noch nicht verdrängt wurden, sind es auch. Ein weltweiter allgemeiner Krieg gegen die Tyrannei würde wahrscheinlich die verbleibenden Ressourcen der westlichen Länder in kurzer Zeit aufzehren.

Doch Assads Regime hat sich gegenüber Christen und anderen religiösen Minderheiten in Syrien sehr viel toleranter gezeigt, als dies je ein Scharia-Staat tun würde. Es gibt auch keinen Grund zu glauben, dass ein von den USA und Großbritannien gegründeter syrischer Scharia-Staat seinen Eroberern dankbarer sein werde als der Irak oder Afghanistan.

Und schließlich besteht die Möglichkeit einer Eskalation. Syrien unter Assad ist ein Juniorpartner des Iran, welcher mit Russland verbündet ist. Der Sprecher des russischen Außenministeriums Alexander Lukashevich sagte am Dienstag, dass „der Versuch, den Sicherheitsrat [der UN] mit noch einmal künstlichen grundlosen Ausreden für eine militärische Intervention zu umgehen, werde in Syrien zu neuen Leiden und in anderen Ländern der Region des Nahen Ostens und Nordafrika zu katastrophalen Folgen“ führen.

Er [der russischen Außenminister] fügte hinzu: „Wir rufen unsere amerikanischen Partner und alle Mitglieder der Weltgemeinschaft zur Besonnenheit (und) strikten Einhaltung des Völkerrechts auf.“ Dies betrifft „insbesondere die grundlegenden Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen.“

Aber Besonnenheit ist in Washington (und London) [Paris] zur Zeit Mangelware. Russlands Vizepremier Dmitri Rogosin hatte Recht als er sagte: „Der Westen verhält sich gegenüber der islamischen Welt wie ein Affe mit einer Granate“.

Der Affe in Gestalt von amerikanischen und britischen Truppen ist gerade dabei, diese Granate nach Syrien zu werfen. Wir können nur hoffen, dass andere Kräfte in der Welt, die weit mächtiger und unheimlicher sind als Bashar Assad, nicht Vorteile aus der neuen Erschöpfung der bereits erschöpften US-Streitkräfte ziehen und unserer wankenden Wirtschaft und unserem geschwächten Militär nicht einen letzten Todesstoß versetzen werden. Aber Barack Obama und David Cameron werden letztlich feststellen, dass sie das Schicksal nicht für immer herausfordern können.

 

Hintergundwissen: Religionen in Syrien

Muslime

Etwa 71 Prozent der Bevölkerung sind sunnitische Muslime, deren Glaubensverständnis regional unterschiedlich ist. Die Einwohner von Hama, Palmyra und einigen kleineren Städten wie Dschisr asch-Schugur gelten als besonders konservativ, die westlich orientierte Hafenstadt Latakia zeigt sich relativ liberal. In abgelegenen Regionen der westlichen Bergländer werden von einigen Sunniten volksislamische Bräuche gepflegt, bei denen lokale Heilige verehrt werden; teilweise werden diese Pilgerstätten gleichermaßen von Christen aufgesucht. Noch in den 1980er Jahren trug nur eine Minderheit der Frauen in Damaskus das Kopftuch (Hidschab), 2006 hingegen hatte es die Mehrheit in Syriens modernster Stadt auf dem Kopf.

Alawiten (Nusairier) machen etwa 12 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Die mutmaßlichen Vorfahren der Alawiten waren seit vorchristlicher Zeit in der Region ansässig. Nach der Einführung des Christentums ab dem 4. Jahrhundert zogen sie sich in ihrer traditionellen Religion zurück und überdauerten als abgeschlossene Gemeinschaften in den Bergregionen des Dschebel Ansariye das islamische Mittelalter. Von den Osmanen wurden sie als Ungläubige verfolgt und mit hohen Steuern belegt. Alawiten lebten bis Mitte des 20. Jahrhunderts als Kleinbauern zurückgezogen in Bergdörfern, die teilweise miteinander verfeindet waren. Viele Militäroffiziere und ein großer Teil der herrschenden politischen Elite entstammen heute der alawitischen Religionsgemeinschaft, der auch die Familie Assad angehört.

Schiiten sind mit zwei Prozent in Syrien eine kleine, wenig einflussreiche Minderheit. Ihr wichtigster Verehrungsplatz ist die Saiyida-Zainab-Moschee in Damaskus. Die Ismailiten (etwa ein Prozent) flüchteten nach dem Mongoleneinfall im 13. Jahrhundert in Rückzugsgebiete auf dem Dschebel Ansariye, von wo sie erst Ende des 19. Jahrhunderts in ihr ursprüngliches Zentrum Salamiyya am Rand der syrischen Wüste zurückkehren durften.

Christen

Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind Christen verschiedener Konfessionen; 1920 waren es noch 30 Prozent. Diese leben im Raum Damaskus, Homs und Aleppo traditionell in ihren Dörfern. Die Melkitischen Kirchen bilden eine der größten christlichen Gemeinschaften, die hauptsächlich im Landesinneren leben. Der Patriarch, Youhanna X., residiert in Damaskus. Andere bekennen sich zur Armenischen Apostolischen Kirche und der mit Rom unierten Syrisch-Katholischen und Griechisch-Katholischen Kirche. Große syrisch-orthodoxe Gemeinden trifft man im Nordosten Syriens. Gläubige der Assyrischen Kirche des Ostens, auch Apostolische Kirche des Ostens genannt, zählen etwa 30.000 und leben hauptsächlich entlang des Chabur im Nordosten, wo auch die Chaldäische Kirche existiert. Das Oberhaupt der Chaldäischen Christen ist Antoine Audo, Bischof von Aleppo in Nordsyrien. Rund 14.000 bekennen sich in Syrien zu dieser Konfession. Maroniten bilden etwas über zwei Prozent, rund 424.000. Daneben existieren noch verschiedene protestantische sowie römisch-katholische Gemeinden. Viele syrische Christen wanderten in den Libanon, nach Schweden und in die USA aus.

Einige führende pan-arabische Nationalisten waren christlicher Abstammung, wie etwa der Begründer der Baath-Partei Michel Aflaq. Obwohl es in der Geschichte ein paar Mal zu interkonfessionellen Auseinandersetzungen kam, wie zum Beispiel 1860 in Damaskus, ist das Zusammenleben vorwiegend friedlich geprägt. Der bedeutendste syrische Imam predigt, dass Muslime, Christen und Juden Brüder sind und man als guter Muslim Christen und Juden auch als seine Brüder behandeln solle. Staatspräsident Baschar al-Assad hat dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Antiochien 2006 einen Weihnachtsbesuch abgestattet. Es war der erste Weihnachtsbesuch eines syrischen Präsidenten beim Patriarchen seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1946.

Drusen, Jesiden und Juden

Die schiitische Abspaltung der Drusen machen etwa vier Prozent der syrischen Bevölkerung aus. Ihr Hauptsiedlungsgebiet ist die gleichnamige Bergregion, der Dschebel ad-Duruz.

Die Jesiden werden meist den Kurden zugerechnet. Diese religiöse Minderheit aus einigen Tausend Mitgliedern lebt in den Bergen zwischen Aleppo und Afrin und in Dörfern um Amude und Qamischli im äußersten Nordosten.

Die wenigen noch in Syrien verbliebenen Juden leben in Aleppo und Damaskus. 1943 wurde ihre Zahl auf 43.000 geschätzt, 1978 noch auf etwa 4500. Die meisten wurden nach Mitte des 20. Jahrhunderts nach Israel vertrieben, einige flohen über den Umweg Beirut. Es gab Ausschreitungen gegen die jüdische Minderheit, so etwa das Pogrom von Aleppo 1947 oder den Angriff auf die Menarscha-Synagoge 1949. In der Sprache und in der Kleidung unterscheiden sich die jüdischen Syrer nicht von den Muslimen.

Quelle

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