US-Autor: „Die Kreuzzüge waren Notwehr“


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Bis ins 19.Jahrhundert galten diese Kämpfe im arabischen Raum als Lappalie, man hatte nicht einmal ein eigenes Wort dafür. Nun aber stilisierten Muslime die Kreuzzüge zum Beginn kolonialistischer christlicher Unterdrückung. Ironischerweise hatten sie die Idee von Europäern

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US-Autor: „Die Kreuzzüge waren Notwehr“

Das Buch “Gottes Krieger”. Raffgierige, barbarische Kreuzritter, ein toleranter Saladin und eine überlegene islamische Zivilisation? Über Kreuzzugsmythen, ihre Wurzeln und ein amerikanisches Gegenbuch. 

Ich entschuldige mich“, stand auf den T-Shirts der protestantischen Christen, die 1999 von Köln nach Jerusalem marschierten – gemeint war: für die Kreuzzüge. Auch Bill Clinton erinnerte nach den Anschlägen von 9/11 an die Schuld aller, die Vorfahren aus Europa hätten – wegen der Kreuzzüge. Skurriler ist nur noch der Aufruf seines Nachfolgers George W. Bush zum „Kreuzzug“ gegen den Terror (nach Bin Ladens Aufruf zum Krieg „gegen Juden und Kreuzzügler“) oder die Behauptung der Mediävistin Karen Armstrong, die Kreuzzüge seien „Ursache des Nahost-Konflikts“.

Die Kreuzzüge als schwelende Wunde im Gedächtnis der Muslime? Als erster imperialistischer Eroberungszug des Westens? Diese Vorstellung ist heute etabliert, in muslimischen wie in westlichen Ländern. An der Wissenschaft vorbei halten sich schwarz-weiße Mythen von Tätern und Opfern, von barbarischen und beutegierigen Kreuzfahrern versus hochkultivierte Muslime. Woher kommen sie? Aus dem 19. Jahrhundert.

Von Walter Scott zu Ridley Scott

Bis dahin galten diese Kämpfe im arabischen Raum als Lappalie, man hatte nicht einmal ein eigenes Wort dafür. Nun aber stilisierten Muslime die Kreuzzüge zum Beginn kolonialistischer christlicher Unterdrückung. Ironischerweise hatten sie die Idee von Europäern. Nicht nur, weil deren Nationen damals ihre imperialistische Politik mit Kreuzzugsrhetorik schmückten, mindestens so wichtig waren die historischen Romane eines der meistgelesenen Autoren des 19.Jahrhunderts: „Ivanhoe“-Autor Sir Walter Scott. Die gängigen Kreuzzugsbilder im Westen wie in der arabischen Welt sind immens von ihm beeinflusst, bis hin zu Ridley Scotts Kreuzzugsfilm „Königreich der Himmel“ von 2005.


In Scotts Kreuzzugsromanen kommen die Christen schlecht weg, sie sind meist zerstörerische Proleten, moralisch und kulturell der islamischen Zivilisation weit unterlegen. Im Werk „Der Talisman“ erscheint dagegen etwa Sultan Saladin als ein Muster an Vernunft und Ritterlichkeit. Den (in Wahrheit gar nicht so) „toleranten“ Saladin hat schon vorher der Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing erfunden. Die arabische Welt hatte den muslimischen Heerführer dagegen fast völlig vergessen und erinnerte sich erst 1898 wieder an ihn, als der deutsche Kaiser und Scott-Fan Wilhelm II. zu seinem desolaten Grab pilgerte. Erst vor 20 Jahren bekam Saladin in Damaskus ein Denkmal, wo er den christlichen König Guido überreitet.

Stark betont, was gern unter den Tisch fällt

Was das alles mit dem neuen Buch „God’s Battalions“ von Rodney Stark zu tun hat, das nun auf Deutsch unter dem Titel „Gottes Krieger“ bei Haffmans und Tolkemitt erschienen ist? Hier liegen die Wurzeln des einseitigen Geschichtsbildes, gegen das der bekannte amerikanische Religionssoziologe anschreibt. In der Wissenschaft rennt er ohnehin mit fast allem offene Türen ein, zumal er selbst nicht Historiker ist, sondern nur gewissenhaft die jüngere Forschung reproduziert.

Stark betont, was sonst gern unter den Tisch fällt: etwa die zwei Jahrhunderte Dschihad, die dem Kreuzzugsaufruf von Papst Urban II. vorangingen und die Muslime bis nach Spanien, Italien, Südfrankreich und ins Byzantinische Reich führten.

War Saladin tolerant? Großzügig ja, tolerant nein. Nach seinem Sieg bei Hattin 1187 ließ er viele Kreuzritter hinrichten und half selbst dabei mit.

War die christliche Eroberung Jerusalems der Gipfel der Gewalt, wie oft dargestellt? Für damalige Verhältnisse nicht, und ähnliche Massaker gab es auf der Gegenseite. Beide Seiten haben einander, wie man heute sagen würde, „nichts geschenkt“.

Trieb Profitgier die Kreuzfahrer? Viele Einzelne sicher, für die Mehrheit der Kreuzritter war es eine materiell unvernünftige, ja desaströse Reise. Schätzungen zufolge musste ein durchschnittlicher Kreuzritter mindestens das Vier- oder Fünffache seines Jahreseinkommens aufbringen, um dabei zu sein. Dass die Kreuzzüge vor allem ökonomisch motiviert waren, vermuteten Wirtschaftshistoriker in den 1920er-Jahren, belegt ist die These bis heute nicht.

Wenn Stark beim ersten Kreuzzug auf „Notwehr“ plädiert oder die Frömmigkeit vieler Kreuzritter offenbar für eine Rechtfertigung hält („Sie glaubten ernsthaft, dass sie in Gottes Bataillonen dienten“), wird es schwer, ihm zu folgen. Aber meist schreibt er einfach nur Vernünftiges, wie das: „Natürlich war es ein grausames und blutiges Zeitalter, aber man gewinnt nichts, weder moralisch noch historisch, wenn man die Genfer Konvention auf diese Zeiten anwendet.“ Oder Leute und Institutionen von heute mit 1000 Jahre alten Taten in Verbindung bringt, denn dann wird es absurd und gefährlich. Dann müsste man ja auch Türken von heute zur Rechenschaft ziehen, weil es ohne die räuberischen Seldschuken keine Bedrohung von Byzanz, also auch keinen Kreuzzugsaufruf gegeben hätte.

24.06.2013 |  ANNE-CATHERINE SIMON (Die Presse), (“Die Presse”, Print-Ausgabe, 25.06.2013)

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Der Erste KreuzzugAuslöser des ersten Kreuzzuges

Kaiser Alexios I. bat Papst Urban II. um Hilfe gegen die Ungläubigen, die die Hauptstadt seines Reiches bedrohten. Papst Urban sagte nur zu, weil er seinen Anspruch auf den Titel des “einzigen Stellvertreter Gottes auf Erden” festigen wollte. Somit Ordnete Urban II. am 18. November 1095 eine Versammlung ein, in der er eine beeinflussende Rede hielt, die die Leute dazu brachte in eine regelrechte Massenhysterie auszubrechen.

Der ArmenkreuzzugIm so genannten Armenkreuzzug der dem eigentlichen ersten Kreuzzug vorausging, zog eine große Anzahl von armen Bauern und anderer Leute, die meist tief verschuldet waren, nach Jerusalem, um mit frommer Begeisterung dem Aufruf des Papstes zu folgen und die heiligsten Stätten der Christen von der seldschukischen (Seldschuken sind türkische Moslems) Besetzung zu befreien. Es waren an die 50.000 bis 70.000 Männer, denen der Papst reiche Beute und den Erlass der Sünden versprochen hatte, wenn sie im Krieg fallen würden (und es fielen eine Menge der sehr schlecht ausgerüsteten Bauern).Ausschreitung und Verfolgung der Juden

Am schlimmsten wirkte sich der Kreuzzug auf die Juden aus. Kreuzfahrer überfielen sie in Speyer, Worms und Köln, doch vor allem in Mainz wurde das Judenviertel ausgeraubt und angezündet. Gegen die Kreuzfahrer hatten sie keine Chance. Auch gaben die Kreuzfahrer den Juden Schuld am Tod Jesu und nachdem sie gefallen waren, töteten sich die alten Männer, Frauen und Kinder gegenseitig.

 

Kreuzzug der RitterAm 23. Dezember 1096 trafen die Ritter in Konstantinopel ein. Kaiser Alexios wollte sich diese anmieten und mit seinem Geld bezahlen. Statt dessen erschienen nach dem armseligen Bauernheer jetzt Heerscharen von westlichen Rittern. Das schlimmste war, dass sie ihre eigenen Fürsten an der Spitze mitbrachten, also keinesfalls sein Söldnerheer sein würden. In seiner Hauptstadt ließ er nur die Anführer hinein. Lehensleute des Kaisers zu werden, hatten sie keine Lust, daher war es wohl allen klar, dass die Ziele des byzantischen Kaisers nicht die des Papstes und der Kreuzritter waren. Wie sich später herausstellte, waren alle Eroberungen, die die Kreuzfahrer von nun an machten, Lehen des Kaisers, da sie ihm Treueid geleistet hatten und ihm Gehorsam schuldeten. So ist es nicht unverwunderlich, dass beide Seiten sich künftig mit Misstrauen betrachteten.
Das Ergebnis des ersten Kreuzzuges Die meisten Kreuzfahrer machten sich nach der Eroberung wieder auf den Heimweg. Andere blieben in den neugegründeten Kreuzfahrerstaaten. Nach der Nachricht von der Eroberung Jerusalems kamen viele dorthin und siedelten sich im Heiligen Land an. Nach dem Kreuzzug fingen viele Christen an, sich wie Muslime mit Turban und langen, leichten Gewändern zu kleiden. Sie gewöhnten sich an die arabischen Speisen und ihre Lebensgewohnheiten an und ein großer Teil lernte lesen und schreiben. Marion Wendt, Claudia Pikul und Romina Pace. Quelle: http://www.sragg.de/geschichte/Websites/Web%20Kreuzzuege/Erster_Kreuzzug/Kreuzzug1.htm

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