Die historische Nachweisbarkeit von Mohammed, Aisha und wer weiß von wem….


Hans Jansen (eigentlich Johannes J. G. Jansen; * 1942 in Amsterdam) ist ein niederländischer Arabist und Islamwissenschaftler von Weltruf. Hans Jansen machte seinen Doktor in der Arabistik an der Universität Leiden und arbeitete in Ägypten. Danach wurde er Dozent in Leiden. Im Jahre 2003 wurde er außerplanmäßiger Professor für zeitgenössisches islamisches Denken an der Universität Utrecht. Hans Jansens Mohammed-Biographie ist seit vielen Jahren die erste große Mohammed-Biographie eines Fachgelehrten. Er bringt damit einem größeren Publikum die Ergebnisse kritischer Islamstudien der letzten Jahre nahe. In den Niederlanden hat das Buch eine breite Diskussion über Mohammed ausgelöst.

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Von Hans Jansen

Die historische Nachweisbarkeit von Mohammed, Aisha und wer weiß von wem….

Wie Sie alle wissen, ist Mohammed der Prophet des Islams. Das Wort ‘Prophet’ kommt aus dem Griechischen. Und in Griechisch bedeutet das Wort ‘Prophet’ im Ursprung ‘Sprecher’. Der Islam lehrt, so lernen wir, dass Mohammed der Sprecher Allahs war, und dass er im Jahr 632 in Medina starb, einer Stadt, die in dem geographischen Gebiet angesiedelt ist, das heute Teil des modernen Saudi-Arabien ist.Der Islam befiehlt den Muslimen Mohammeds Beispiel bis ins kleinste Detail zu befolgen. Diese Pflicht Mohammed nachzueifern macht es für die Muslime so wichtig, dass sie wissen, wie genau Mohammed sich verhalten hat und welche Handlungen und Taten er vollbracht, empfohlen, befohlen oder toleriert hat. Darüber hinaus war das was er getan hat ein legaler Präzedenzfall. Er war schließlich Allahs Sprecher.Über Mohammeds Lebensführung bietet der Islam eine Anzahl von Geschichten für den Interessierten an. Abgesehen von diesen Geschichten, werden die Gläubigen mit dem Besitz einer umfangreichen und sogar heilig gesprochenen Sammlung seiner Worte gesegnet. Wir sollen glauben, dass diese Worte und diese Geschichten Mohammeds Leben verkörpern. Das kann wahr sein, oder auch nicht.Es wäre eine Rückversicherung, wenn wir archäologische Beweise hätten, die die offizielle muslimische Version einiger Begebenheiten und erzählten Geschichten unterstützen würden, oder einen Querverweis bieten würden – aber es gibt keinen solchen Beweis. Das bedeutet jedoch nicht, dass solche Beweise nicht existieren. Sie können immer noch im Sand Arabiens begraben liegen.

Nichtsdestotrotz ist das Fehlen archäologischer Beweise erstaunlich, aber noch erstaunlicher ist es, dass die Völker und Kulturen, mit denen die Armeen des Islams in der ersten Hälfte des siebten Jahrhundert nach unserem Kalender in Kontakt kamen, Mohammed in ihren Schriften nicht erwähnen. Sogar die Worte ‘Islam’ und ‘Muslim’ sind bis zu einem relativ späten Datum unbekannt gewesen.

Bitte beachten Sie, dass diese Kulturen weit fortgeschritten und gebildet waren. Wir sprechen hier über die Juden, die Armenier, die Griechen, Syrer und die Perser. Keine dieser Kulturen hat irgendetwas produziert, das auch nur in die Nähe eines verlässlichen Zeugnisses über Mohammed käme, dass aus der Periode datiert, in der Mohammed angeblich gelebt haben soll, oder aus einer Periode, die einigermaßen nahe daran ist. Auch hier muss man feststellen, dass ein solches Zeugnis theoretisch in der Zukunft gefunden werden kann.


Es mag sich verrückt anhören, aber es ist nicht so verrückt wie es sich anhört, eine Anzahl an Gelehrten vermutet daher konsequenterweise, dass Mohammed keine historische Figur sei, sondern eine literarische Gestalt, die von den antiken Geschichtenerzählern wahrscheinlich im achten Jahrhundert unserer Zeitrechnung erfunden wurde. Wenn diese Gelehrten recht haben, kann es emotional und intellektuell noch viel schwieriger werden die Geschichten von Mohammeds Taten als Hintergrund eines absoluten, authoritativen Beispiels des wahren islamischen Verhaltens anzusehen, wie die Muslime dies tun sollen. Es versteht sich doch von selbst, dass in den Augen des wahren Gläubigen die Autorität eines menschlichen Geschichtenerzählers niemals die göttliche Autorität eines Gottesboten erreichen kann.

Man kann ziemlich perfekt den Standpunkt verteidigen, dass die Geschichten und Predigten über Mohammeds Taten einfach deshalb erfunden wurden, um menschengemachten Regeln eine heilige Billigung zu geben, die diese Geschichten verkörpern. Diese Geschichten erfreuen sich einer religiösen Autorität, aber nichtsdestoweniger haben sie wahrscheinlich wenig oder gar keine Basis in der historischen Realität. Sie sind belehrend, sie mögen auch weise und gut sein, wie die Geschichte vom guten Samariter im Neuen Testament, aber sind sie Geschichte? Moderne Ungläubige werden deshalb keine schlaflosen Nächte haben, aber wahre Gläubige würden sich definitiv belogen vorkommen, wenn die kanonischen Geschichten über Mohammed reine Erfindung wären und keinerlei historischen Hintergrund besäßen.

Niemand wird es bis zur Stunde wagen aufrechtzuerhalten, dass wir dazu gezwungen sind die Historizität des Propheten des Islams zurückzuweisen, aber Zweifel ist angebracht und es ist schwierig zu verstehen warum die Muslime keine Forschungsprojekte ins Leben rufen um wenigsten einige Aspekte dieser Historizitätsfrage zu klären. Es kann doch nicht sein, dass sie Angst vor dem haben was sie herausfinden werden. Oder doch?

Natürlich könnten noch so viele Gelehrte die Frage nicht beantworten ob Mohammed wirklich der Bote Gottes war, aber die Archäologen könnten uns einige Dinge sagen über das antike Arabien, das wir gerne wissen würden und dass das offizielle islamische Bild dieser Zeit entweder bestätigen oder widerlegen würde.

Es wäre etwas zu gewagt die Historizität Mohammeds und Aishas und sonstwem auf der Basis nicht-existierender Beweise zu widerlegen. Trotzdem kann man nicht leugnen, dass es oft offensichtlich ist, dass die Geschichtenerzähler des frühen Islams sich nicht wie richtige Historiker anhören. Es ist ihr Ziel ihr Publikum von politischen, rechtlichen und religiösen Werten zu überzeugen. Sie versuchen nicht über die Vergangenheit zu berichten an die sie sich erinnern, obwohl es manchmal so aussieht als ob sie dies tun.

Beispielsweise Koran 4:34 befiehlt den Männern ihre Frauen zu schlagen, wa-Drbuuhunna. Das ist natürlich verstörend. Das Schlagen von Frauen ist nicht gerade eine mutige Angelegenheit. Wenn also die Geschichtenerzähler Mohammeds letzten Auftritt vor seinem Tod in der Öffentlichkeit beschreiben, dann lassen sie ihn sagen, dass Männer ihre Frauen nur leicht schlagen sollen. Ihre Geschichte mag das historische Gedächtnis darstellen, aber auf der anderen Seite ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass es einem anderen Ziel dient: das heilige Buch des Islams davon zu befreien, dass es Gewalt gegen unbewaffnete Frauen predigt.

Die Geschichtenerzähler beabsichtigen ihr Publikum davon zu überzeugen, dass Mohammed tatsächlich ein Prophet Gottes war. Um das zu tun, versichern sie ihrem Publikum, dass schon die Christen, sogar die Mönche, ihn als solchen anerkannt hatten. Sie hatten von diesem Ereignis zwar keine richtige Erinnerung mehr, aber sie wollten ihr Publikum überzeugen, dass die Anerkennung Mohammeds als Prophet Gottes eine gute Sache war. Wenn eine neutrale, christliche Autorität Mohammed schon anerkannt hatte, so werden sie argumentiert haben, wie viel mehr sollten es dann die anderen tun!

In diesem Fall konnten die Geschichtenerzähler ihre Botschaft nur dann herüber bringen, wenn sie einen Hintergrund erschufen, auf dem Mohammed tatsächlich einen Mönch getroffen haben konnte. Also erzählen sie verschiedene Geschichten wie Mohammed als Kind zusammen mit seinen Onkeln nach Syrien zog. Dort traf er seinen Mönch und der Mönch erkannte ihn. Die vielen Geschichten über Mohammeds Reisen nach Syrien sind nicht das Produkt einer realen Erinnerung, obwohl sie sehr vage sind, sondern eine Erfindung die erforderlich wurde durch das theologische Bedürfnis Mohammed als Propheten von den Christen anerkannt zu bekommen, am besten durch einen Mönch.

Die Geschichte von dem Treffen Mohammeds mit dem Mönch ist unwahrscheinlich, sie taucht in vielen sich widersprechenden Versionen auf, aber sie erfüllten ihren Zweck. Aus demselben Grund übermitteln die Geschichtenerzähler Geschichten über ein Reise nach Äthiopien, die die frühen Muslime unternommen haben. Diese Geschichten enthalten keine Einzelheiten, aber wenn sie es tun, dann sind die Details widersprüchlich, ein Anzeichen dafür, dass sie wahrscheinlich erfunden worden sind – mindestens zum Teil, oder vielleicht ganz. Es ist schwer das zu beurteilen.

Männer, die predigten, dass Mohammed Gottes Bote gewesen war, erschufen eine Gruppe von Geschichten über Mohammeds Leben und einige dieser Geschichten könnten wahr sein. Aber welche? Für manche Geschehnisse gibt es drei oder vier Versionen. Sollten Gelehrte versuchen herauszufinden welche der vier Versionen die ‘wahre’ sein könnte? Oder vielleicht die einzig Wahre, Version fünf, ist vielleicht einfach vergessen worden? Wir wissen nichts darüber und werden es auch nie erfahren, Aber, die Möglichkeit dass eine der Versionen die sie kannten, die Wahre gewesen sein könnte, motivierte die Gelehrten des frühen Islams sehr stark, jede Geschichte die sie finden konnten, aufzubewahren. Dies führte zu dem chaotischen Status der Sammlung.

Es ist nicht nur das Fehlen der archäologischen Bestätigung und der seltsame literarische Charakter der islamischen offiziellen Version der Frühgeschichte des Islams, die beunruhigende Fragen aufwerfen. Sogar die Namen einiger der Hauptcharaktere sind suspekt. Kann es ein Zufall sein, dass die Namen der bekanntesten Frauen Mohammeds Khadija und Aisha Bedeutungen haben , die sich gegenseitig widersprechen? Das arabische Wort khadiiga bedeutet ‘Fehlgeburt’ und daher ‘tot’, wohingegen das Arabische aaisha ‘lebend’ bedeutet ‘am Leben sein’. Ähnliche Vermutungen bei weniger wichtigen Namen sind reichlich vorhanden.

Und dann, zum Schluss, das heikelste Problem: Die Chronologie. Die Chronologie der Frühgeschichte des Islams ist unsicher, schon allein deswegen, weil die Menschen zu dieser Zeit keinen Kalender und keine Notizbücher hatten. Ernsthaft, nicht lange nach Mohammeds Tod änderte der Islam die Art der Zählung von Jahren und Monaten von Grund auf. Beide, sowohl der Koran als auch die Sammlungen der Erzählungen erzählen ausführlich von der Reform des Kalenders.

Die Geschichtenerzähler jedoch datieren oft ihre Geschichten in einen Monat des gegenwärtigen muslimischen Mondjahres, aber nicht einmal in einen der ‘Schaltmonate’ des vorangegangenen Systems. Waren Mohammed und die frühen Muslime während solch eines übersprungenen Monats komplett inaktiv gewesen? Das kann man sich nur schwer vorstellen.

Es gibt nur eine mögliche Schlussfolgerung: Die Geschichtenerzähler scheinen diese gut belegte Reform des Kalenders nicht bedacht zu haben. Warum muss man sich darum Sorgen machen? Bei dieser Reform im Jahr 631 wurden die Schaltmonate des früheren Systems abgeschafft. Noch nicht einmal die Namen der ursprünglichen Schaltmonate wurden erhalten. Das Fehlen der Schaltmonate in den Geschichten weist sehr stark darauf hin, dass die Geschichten in ihrer gegenwärtigen Form aus einer Periode datieren, in der der frühere Schaltmonat-Kalender vergessen wurde. Dies bedeutet, dass die Geschichten in ihrer gegenwärtigen Form später gewesen sein könnten.

Wir müssen mit weiteren Zufällen leben. Die Symmetrie der Chronologie der frühen Version der Frühgeschichte des Islams ist absolut erstaunlich. Mohammed hat zehn Jahre als Prediger in Mekka gelebt, danach folgten zehn Jahre als Staatsmann in Medina. Zehn Jahre vor Troja, zehn Jahre Rückreise nach Ithaka. Es ist nicht unmöglich, aber wahrscheinlich ist es nicht.

Die frühesten Geschichtenerzähler haben wahrscheinlich betont, dass Aisha jung war als Mohammed starb. Die nächste Generation Geschichtenerzähler hat die Geschichte wahrscheinlich verbessert. Wenn sie jung war als Mohammed starb, dann war sie vielleicht erst 18 Jahre alt im Jahr 632, dem Jahr in dem Mohammed starb. Aber dann war sie erst neun Jahre als Mohammed im Jahr 623 zum ersten Mal mit ihr schlief! Andere Geschichtenerzähler haben vielleicht noch einen weiteren Punkt hinzugefügt: Schauen Sie sich die wundervolle Symmetrie an die hier entsteht: Die Anzahl der Jahre, die sie zusammen mit Mohammed als ihrem Mann gelebt hat nach ihrer Hochzeit ist gleich der Anzahl der Jahre die sie vorher ohne ihn gelebt hat.

Die islamische Standardversion der Geschichte des frühen Islams ist mit vielen solcher Zufälle gesegnet. Das kann zu dieser Zeit den Gläubigen geholfen haben zu glauben, was eine gute Sache war, aber die modernen Skeptiker finden keinen Gefallen an solchen Zufällen, sie sind nur verdächtig. Wir können leicht erkennen, dass einige Geschichten Fortsetzungen haben, indem man sie einfach sorgfältig liest. Andere Geschichten haben sogar Vorläufer. Dies ist erstaunlich und es macht unser Misstrauen einfach nur größer.

Wenn die Chronologie nicht stimmt, dann ist es konsequenterweise höchst unwahrscheinlich dass Aisha tatsächlich 9 Jahre alt war als Mohammed begann mit ihr zu schlafen, wie es die muslimischen Quellen berichten. Dies hat rechtliche Konsequenzen. Wenn die Chronologie solcher Berichte in Zweifel gezogen werden kann, ist es dann sinnvoll sie als rechtliche Präzedenzfälle zu behandeln? Können Spezialisten in muslimischem Recht die Heirat sehr junger Mädchen mit alten Männern damit rechtfertigen, dass dies in Übereinstimmung mit Berichten aus dem Leben Mohammeds geschieht? Dieser Fall sieht extrem zweifelhaft aus.

Wir wissen beispielsweise eine Menge über die römischen Kaiser und dies aus vielen verschiedenen Quellen. Wir wissen fast gar nichts über die frühen Muslime. Wir wissen ganz sicher wenig über die Chronologie des ersten Jahrhunderts des Islams. Die Geschichten, die wir glauben sollen zeigen ein Maß an Symmetrie das gefällt, aber die reale Welt ist nur selten so symmetrisch.

Mohammed war, wie Sie alle wissen, der Prophet des Islams. Aber wir wissen nicht viel mehr als das, was auch immer die religiösen Würdenträger des Islams in dieser Sache behaupten

 

EuropeNews 15 Mai 2011, Quelle:http://europenews.dk/de/node/43260

Von Hans Jansen (engl. PDF mit Fußnoten hier)
Rede vor der dänischen Gesellschaft für Pressefreiheit, Kopenhagen
Übersetzung von Liz/EuropeNews

Weiterführende Links:

Interview mit Robert Spencer: Hat Mohammed wirklich existiert?

Mythischer Gründungsvater oder historische Figur? Wissenschaftler streiten über die Existenz des Propheten Mohammed

Flemming Rose “Ideologien haben keine Schutzrechte”

Tilman Nagel “Islam-Forschung – Das Bild Mohammeds ist ein Konstrukt“

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Islamwissenschaftler Karl-Heinz Ohlig: Hat es Mohammed als historische Gestalt gegeben?

Rezension: Gab es Mohammed wirklich?

Kairoer “Erklärung der Menschenrechte im Islam” – Widerspruch zum internationalen Verständnis der Menschenrechte

10 gute Gründe für den Islam-Austritt

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