Hamed El-Samad droht Schlimmstes: Ägptenstämmiger Islamkritiker in Kairo verschwunden


Es ist zu vermuten, dass die Entführer – sollte es sich tatsächlich um eine Entführung handeln – massiven Druck auf Samad ausüben und ihn  zwingen werden, von seinem Reformkurs abzuschwören. Nur damit könnte er sein Leben retten. Über sein Weiterleiten entscheidet letzten Endes jedoch allein die Frage, ob Samad in den Augen seiner Entführer tot oder lebendig von größerem Nutzen sein wird.

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Von Michael Mannheimer

Einer der bekanntesten Islamkritiker in Kairo spurlos verschwunden

Gestern wurde der ägyptische Islamkritiker Hamed El-Samad in Kairo offenbar entführt. Dies berichtete zuerst PI, gefolgt dann von wichtigen deutschen Medien wie Cicero, Die Welt, N-TV und Focus. Als Kritiker des Islam droht ihm nach Befehlen Allahs im Koran, Mohammeds in der Sunna und nach einhelliger scharistischer Rechtsprechung durch zahllose Fatwas der Tod.

Das ägyptische Nachrichtenportal “youm7” meldete am Montag unter Berufung auf seinen Bruder Mahmud Abdel Samad, Hamed sei am Sonntag in der Nähe des Al-Azhar-Parks in Kairo verschwunden. Zuvor hatte El Samad getwittert, dass er sich von einer schwarzen Limousine verfolgt fühle.

Bislang konnte die deutsche Botschaft in Kairo – El-Samad hat mitterweile den deutschen Pass – die Entführung noch nicht bestätigen. El-Samad gilt als einer der wichtigsten Islamkritiker. Dennoch ist er kein Apostat, also ein Abtrünniger vom Islam. El Samad träumt von einem aufgeklärten Islam und deutet ihn modern. Er sagt: „Ein Muslim glaubt, dass Gott ihn beschützt. Ein Islamist glaubt, er müsse Gott beschützen.“


Nichts im Koran und den Hadithen bestätigt jedoch die Annahme El Samads. Sein reformistischer Ansatz ist nicht neu in der Geschichte des Islam. Es gab zahlreiche islamische Reformer vor ihm, denen jedoch dasselbe Schicksal beschieden war: Entweder mussten sie von ihren humanistischen Islaminterpretationen abschwören, oder sie wurden ermordet.

Es ist daher zu vermuten, dass die Entführer – sollte es sich tatsächlich um eine Entführung handeln – massiven Druck auf Samad ausüben und ihn  zwingen werden, von seinem Reformkurs abzuschwören. Nur damit könnte er sein Leben retten. Über sein Weiterleiten entscheidet letzten Endes jedoch allein die Frage, ob Samad in den Augen seiner Entführer tot oder lebendig von größerem Nutzen sein wird. Es bleibt zu eruieren, ob gegen den ägyptischen Kleriker, der im Fernsehen zum Mord gegen Samad aufgerufen hatte, ein internationaler Haftbefehl erstellt wurde. Wenn nicht, hätten wir einen internationalen Justizskandal.

Thomas de Maizière berief ihn in die Deutsche Islamkonferenz. Abdel-Samads Bücher heißen „Mein Abschied vom Himmel“, „Krieg oder Frieden“ und „Der Untergang der islamischen Welt. Eine Prognose“. Er steht für das andere, neue Ägypten, das Staat und Islam trennen will. (MM)

Hintergrund zu Abdel-Samad (Quelle):

Nachdem Abdel-Samad am 4. Juni 2013 bei einem Vortrag in Kairo „der Muslimbruderschaft islamischen Faschismus vorgeworfen“ und gesagt hatte, „dass dieser Faschismus in der Entstehungsgeschichte des Islams zu begründen ist“, gab es am nächsten Tag im Internet Mordaufrufe gegen ihn, und am 7. Juni rief Assem Abdel-Maged, ein Führer der Gamaa Islamija und Verbündeter von Staatspräsident Mohammed Mursi, im ägyptischen Fernsehen zum Mord an Abdel-Samad auf, weil dessen Äußerungen eine Beleidigung des Propheten gewesen seien. Übliche Aufenthaltsorte von Abdel-Samad in Kairo wurden im Internet veröffentlicht.

Abdel-Samad forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle öffentlich auf, den Mordaufruf schärfstens zu kritisieren, und den ägyptischen Präsidenten Mursi aufzufordern, diesen ebenfalls zu verurteilen. Mahmoud Shaaban, Professor an der al-Azhar-Universität in Kairo, wiederholte den Mordaufruf, und Abdel-Samad forderte in der Zeitung al-Ahram seinen Schutz durch die ägyptische Justiz. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung wandte sich über die Süddeutsche Zeitung an die ägyptische Regierung, und das Auswärtige Amt erklärte dem Geschäftsträger der ägyptischen Botschaft, die ägyptische Regierung solle Veröffentlichungen von Mordaufrufen unterbinden. Unterdessen verkündete Assem Abdel-Maged, bei den für den 30. Juni angekündigten Demonstrationen gegen Präsident Mursi würden seine Mitstreiter nicht für Gewalt verantwortlich sein.

Abdel-Samad war derweil in Ägypten untergetaucht und berichtete sowohl von falscher Gleichsetzung der Opposition mit seiner Meinung, als auch von Unterstützung durch Andersdenkende. Weder der Präsident noch die Justiz von Ägypten reagierte auf seine Bedrohung. Schließlich forderte Außenminister Westerwelle über Facebook, die ägyptische Regierung solle gegen die Urheber des Mordaufrufs vorgehen, das Auswärtige Amt sei in direktem Kontakt mit Abdel-Samad und habe ihm konkrete Hilfe angeboten. Als die angekündigten Demonstrationen gegen Präsident Mursi stattfanden, war Abdel-Samad wieder in Deutschland und begann eine Vortragsreise. Am 7. Juli 2013 wurde wegen Straßenschlachten nach der Absetzung Präsident Mursis ein Haftbefehl auf Assem Abdel-Maged ausgestellt, der zum Mord an Abdel-Samad aufgerufen hatte.

Am 24. November 2013 wurde Hamed Abdel-Samad offenbar in Ägypten von Unbekannten entführt.

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