Über die Unsinnigkeit der Trennung zwischen Islam und Islamismus. Und andere Trennungen


“Etwas ist passiert in diesem Land. Etwas Merkwürdiges. Plötzlich erscheinen in Deutschlands auflagenstärkster Zeitung, namentlich der Bild am Sonntag, islamkritische Meinungsbeiträge, die inhaltlich schärfer sind, als alles, was hierzu auf blu-NEWS je geschrieben wurde. Plötzlich gibt der personifizierte Stammtisch, PI-Autor Kewil, in Russland-Fragen dem „im Zweifel linken“ Spiegel-Kolumnisten Jakob Augstein Recht. Plötzlich demonstrieren vermeintliche „Rechtspopulisten“ Seit an Seit mit jüdischen Mitbürgern gegen islamisch-motivierten Antisemitismus. Und plötzlich erscheint in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ein Beitrag von Reinhard Mohr, dessen Überschrift „Linke Heuchler“ ebenso sehr aus der Feder der Frank-Furter Schnauze stammen könnte, wie fast der gesamte darauffolgende Artikel. Die Linien verschwimmen, die Welt wird komplexer.” (Frank Furter)

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04 August 2014, von Frank Furter

Demokraten aller Lager, vereinigt Euch!

Frank-Furter Schnauze: Wo es wirklich eine Trennlinie braucht

Kai Diekmann will eine Trennlinie zwischen Islam und Islamismus ziehen. Andere ziehen eine Trennlinie zwischen links und rechts. Beides ist Unsinn. Wo es wirklich eine Trennlinie braucht. Eine Analyse.

Etwas ist passiert in diesem Land. Etwas Merkwürdiges. Plötzlich erscheinen in Deutschlands auflagenstärkster Zeitung, namentlich der Bild am Sonntag, islamkritische Meinungsbeiträge, die inhaltlich schärfer sind, als alles, was hierzu auf blu-NEWS je geschrieben wurde. Plötzlich gibt der personifizierte Stammtisch, PI-Autor Kewil, in Russland-Fragen dem „im Zweifel linken“ Spiegel-Kolumnisten Jakob Augstein Recht. Plötzlich demonstrieren vermeintliche „Rechtspopulisten“ Seit an Seit mit jüdischen Mitbürgern gegen islamisch-motivierten Antisemitismus. Und plötzlich erscheint in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) ein Beitrag von Reinhard Mohr, dessen Überschrift „Linke Heuchler“ ebenso sehr aus der Feder der Frank-Furter Schnauze stammen könnte, wie fast der gesamte darauffolgende Artikel. Die Linien verschwimmen, die Welt wird komplexer.

Was bist Du eigentlich, links oder rechts? Diese Frage ist nun noch sinnfreier geworden, als sie ohnehin schon war. Die Bedeutung des einst fortschrittlich besetzten Präfixes „Anti“ habe sich umgekehrt, schreibt Mohr: „Anti“ sei jetzt rechts, allen voran seien es „jene ‚Anti-Europäer‘, die die Fehlkonstruktion von EU und Euro kritisieren“. Das klingt verdächtig nach mir selbst, nach meinem „Wir sind die Linken“ aus dem September letzten Jahres. Aber keine Sorge, ich war es nicht. Auch wenn der Reiz, sich als Pseudonym den politisch höchst inkorrekten Nachnamen „Mohr“ zuzulegen, größer kaum sein könnte.


„Dafür kämpft man gegen Chlorhühnchen, Gen-Kartoffeln und Ampelmännchen“

Wer Mohr und mich verstehen will, muss die Sphären der seit Jahrzehnten in diesem Land betriebenen Begriffsverdrehung und Geschichtsumdeutung verlassen. Historisch geht die Links-Rechts-Dichotomie auf die Französische Revolution zurück. Da saßen sie also anno 1789 in der ersten, freigewählten Nationalversammlung beisammen und ordneten sich rein zufällig wie folgt: Links die Republikaner, die einen Staat wollten, in dem alle Bürger gleiche Rechte und gleiche Pflichten haben; rechts die Monarchisten, die wollten, dass alles so bleibt, wie es ist (und damit rechts als „konservativ“ prägten; von lateinisch conservare, zu Deutsch: bewahren). Die Frank-Furter Schnauze hätte sich seinerzeit also mit fliegenden Fahnen auf die linke Seite der Versammlung gesetzt.

Doch für welchen selbsterklärten Linken der Gegenwart gilt das eigentlich? Schließlich lassen nicht nur Verhaltensweisen so genannter Antifaschisten, sondern auch manch eines dem Anschein nach Gemäßigt-Linken, gehörig daran zweifeln, dass sie allen Menschen, also auch politischen Gegnern, dieselben Rechte zugestehen wollen. Spätestens im Umgang mit vermeintlich Rechten ist es um die Werte der „Egalité“, immerhin ein linker Gründungsmythos, schneller geschehen, als der durchschnittliche Systemjournalist braucht, um das Wort „Rechtspopulismus“ auszusprechen. Wäre manch einem dieser chronisch Guten eine Monarchie nicht vielleicht sogar lieber, so lange der König nur für zwanghaften Veganismus, kulturelle Vielfalt, Todesstrafe für „Intoleranz“ und Strom aus Sonnenblumen sorgt?

Auch mein unfreiwilliges „Alter Ego“ Mohr stellt mit Blick auf diese genauso mächtigen wie zahlreichen Zeitgenossen fest: „Bei jeder Gelegenheit wird der Faschismus an die Wand gemalt. Doch wenn er, ob religiös-islamistisch, unter kommunistischem Emblem oder nationalistisch-reaktionär, einmal wirklich vor der Tür steht, will man ihn nicht wahrnehmen. Dafür kämpft man tapfer weiter gegen Chlorhühnchen, Gen-Kartoffeln und Ampelmännchen.“

Das kriegt man aus den Köpfen nicht so schnell raus

Zurück in die Vergangenheit: Von der Französischen Nationalversammlung aus ging die neue politische Ordnung um die Welt, fand sich 1848 in der Frankfurter Paulskirche genauso wie heute noch in fast allen westlichen Demokratien. Die USA haben genauso eine demokratische Linke und eine demokratische Rechte, wie Frankreich oder England. Nur Deutschland nicht, hier definiert sich die historisch gewachsene demokratische Rechte, also die CDU, seit zwei Jahrzehnten in eine genauso nebulöse wie zunehmend beliebig wirkende politische Mitte.

Ein kluger machtpolitischer Schachzug allerdings, hatten die Chef-Strategen im Konrad-Adenauer-Haus wohl frühzeitig erkannt, dass eine wachsende Anzahl linker Aktivisten, Vorzeichen des „neuen Mainstreams“ (Mohr), flächendeckend an einem Zerrbild des Rechten in der Öffentlichkeit arbeitete: in den Medien, im Bildungssystem, im Grunde überall. Heute wird das politisch Rechte in Deutschland ohne jegliche Differenzierung zwischen rechtsdemokratisch und rechtsextrem mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt. Rechts ist böse, ist „Nazi“, lernt der brave Teenager dieser Tage schon lange vor einem Engagement in der Grünen Jugend. Das kriegt man aus den Köpfen nicht so schnell raus. Auch wenn es ausgesprochener Unsinn ist (schließlich haben die „Nazis“ herzlich wenig konserviert in diesem Land, stattdessen bauten sie den Staat zur absoluten Dominante in Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft um, wie es anti-bürgerlicher kaum hätte sein können).

In fast allen anderen Ländern der Welt gilt hingegen auch heute noch: rechts steht im weitesten Sinne für das Konservative. Wohlgemerkt: das Konservative, nicht den Monarchismus. Denn wie die Monarchisten anno 1789 die Monarchie bewahren wollten, so wollen heutige Konservative gemeinhin heutige Werte bewahren. Das kann ein Nationalstaat sein, das kann eine jahrzehntelang erfolgreiche Soziale Marktwirtschaft sein. Das kann alles Mögliche sein. Rechts im ursprünglichen Sinne ist also beispielsweise jeder, der nur das Demokratieprinzip auf deutschem und europäischem Boden erhalten wissen will.

Das vermeintlich Linke ist rechts geworden

Politisch Links hingegen stand und steht nicht nur, aber zuvorderst für das Progressive, den Wunsch nach Wandel. So wünschten sich anno 1789 die Linken, also die Republikaner (witzig, witzig!), die Veränderung des Staates weg von einer Monarchie, hin zu einer Republik, was ihrer Art den damaligen Namen gab. Der Wunsch nach einer weiteren europäischen Integration beispielsweise ist also eine typisch linke, eine progressive Forderung, gleich wie sehr sich derjenige, der sie vertritt, zum Konservativen bekennt.

Das Gründungsmotiv der Grünen, ihre Forderung nach einem radikalen Umbau der Energieversorgung, war ebenso eine typisch linke Position – allerdings nur, bis diese Forderung umgesetzt wurde. Seit dem Atomausstieg dürfte die Mehrheit der Grünen grundsätzlich keine weitere (oder erneute) Veränderung in dieser Sache, sondern ihre Bewahrung, also: die Konservierung des Atomausstiegs, wünschen.

Mit anderen Worten: in dieser Sachfrage vertreten die Grünen nunmehr eine klassisch rechte Position. Sie wollen konservieren, was sie erreicht haben. Und das sicher nicht nur in diesem Punkt, sondern gleichwohl mit Blick auf all den gesellschaftlichen Veränderungen, die die im weitesten Sinne linke 68er-Bewegung und ihre Erben teils zum Glück, teils zum Unglück durchgesetzt haben. Wer links und rechts systemisch statt inhaltlich betrachtet, kommt nicht umher, festzustellen: Wer für den Erhalt der Gleichberechtigung, der Homo-Ehe und der Willkommenskultur ist, macht rechte Politik. Das vermeintlich Linke ist rechts geworden. Witzig, aber wahr.

An sich ist weder links, noch rechts ein Problem. Die meisten Menschen vertreten ein Konglomerat an Sichtweisen, das – systemisch betrachtet – teils links, teils rechts ist; weil sie manche Dinge schlechtfinden und verändern wollen, andere gutheißen und erhalten wollen. Problematisch wird es allerdings, wenn das Linke oder das Rechte ins Extreme driftet; wobei extrem hierbei meint, dass es keine anderen Sichtweisen mehr zulassen will.

Erst an dieser Stelle trennt sich die Spreu vom Weizen, beziehungsweise: hier sollte die Trennlinie verlaufen, gleich ob in linken, rechten oder religiösen Milieus. Sie alle können demokratische Positionen hervorbringen, gleichwohl aber auch überaus undemokratische. Und es ist müßig, im jeweiligen Fall zu diskutieren, welche Position die bessere historische Legitimation vorweist. Das Rechte wird zum Irrtum, wenn es Undemokratisches bewahren will. So wie das Linke zum Irrtum wird, wenn es Undemokratisches herbeiführen will. Mit Religion verhält es sich entsprechend: Ob Christentum, Judentum oder Islam, Religionen sind weder per se Gutes, noch per se Schlechtes. Offenkundig bieten sie das Potenzial zu beidem.

Diekmanns „Trennlinie“

Islam-ismus

Grafik eingefügt von MM

Der Chefredakteur der Bild-Zeitung, Kai Diekmann, antwortete seinem Redaktionskollegen Nicolaus Fest auf dessen überaus islamkritischen Kommentar vom vorletzten Wochenende, dass es „eine klare, unverrückbare Trennlinie zwischen der Weltreligion des Islam und der menschenverachtenden Ideologie des Islamismus“ geben müsse. Doch Diekmanns Trennlinie hat zwei existenzielle Fehler:

Erstens beschreibt sie vielleicht den Wunschzustand westlicher Intellektueller, nicht aber den Ist-Zustand in weiten Teilen des islamischen Kulturkreises. Vielmehr ist ja gerade das Problem, und zwar in zunehmendem Maße auch hierzulande, dass es eben diese Trennung zwischen Religion und politischer Ideologie im Islam kaum gibt. Es gibt sie nicht in den vielen reichen und mächtigen sunnitischen Scheichtümern am Golf, es gibt sie nicht im schiitischen Iran, sie schwindet zusehends selbst in der osmanischen Türkei, und es gibt sie ganz gewiss nicht in Augen der wachsenden Anzahl muslimischer Extremisten von Hamas über Taliban und Boko Haram bis Muslimbruderschaft und Isis.

Gleichwohl sucht man sie in Kreisen hiesiger muslimischer Vereine und Organisationen vergebens: ob bei Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), der nichts anderes als Politik im Namen der Religion betreibt und in dessen Verband sich manch bedenklich fundamentalistische Gruppierung tummelt (wie beispielsweise die Islamische Gemeinschaft Deutschland, der nachgesagt wird, der deutsche Arm der Muslimbruderschaft zu sein).

Oder bei der Ditib, die in Deutschland über 1.100 Moscheen betreibt, und die als hiesiger Arm der türkischen Religionsbehörde Diyanet nicht etwa irgendeinem Mufti, sondern dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan unterstellt ist (als wäre die katholische Kirche in Deutschland der Bundeskanzlerin unterstellt). Oder beim Penzberger Vorzeige Imam Idriz, der auf einer „islamistischen Universität“ so etwas wie studiert haben soll und mit den Geldern der islamischen Diktatur Katar („unsere Verfassung ist die Scharia“) in München ein Islamzentrum bauen will. Übrigens: Wen Katar sonst noch so fördert (quasi die Creme de la Creme des islamischen Extremismus), hat Daniel Gerlach jüngst in einem lesenswerten Artikel auf Welt-Online zusammen getragen. Langer Rede, kurzer Sinn: So sehr man auch nach Diekmanns „Trennlinie“ sucht, man findet sie leider nicht.

Oftmals wird der Islamkritik zudem pauschal vorgeworfen, „Pauschalurteile“ (Diekmann) zu fällen; also: nicht hinreichend zu differenzieren. Wie man sieht, ist das genaue Gegenteil der Fall. Das Dumme aus Sicht derer, die nicht zwischen Islamkritik und Islamhass unterscheiden können (oder wollen), ist nämlich: egal, wie sehr man differenziert, wirklich besser wird es will es dadurch nicht werden. Eher schlimmer. Außer, man kommt auf die Aleviten zu sprechen, aber von denen wollen die anderen muslimischen Gruppierungen wiederum nichts wissen. Wahrscheinlich sind sie denen nicht „islamisch“ genug.

Das Böse hat nur einen Namen: Demokratiefeindlichkeit

„Pauschalurteile“ fällen und fordern in der Integrationsdebatte überwiegend die Befürworter des Multikulturalismus, die pauschal alles Islamische als positiv, zumindest aber nicht als negativ, erst recht nicht als kritikwürdig und schon gar nicht als „Integrationshindernis“ im Sinne von Nicolaus Fest verstanden wissen wollen.

Womit wir beim zweiten Fehler an Diekmanns „Trennlinie“ wären: die Unterscheidung zwischen der Religion Islam und der politischen Ideologie des Islamismus gepaart mit der Vorgabe, nur letzteres könne bedenklich sein und dürfe kritisiert werden.

Somit suggeriert Diekmann, die Religion Islam sei etwas ausschließlich Gutes, an dem es nichts zu kritisieren gebe. Dabei scheint der Islam selbst eher sekundär zu sein, vielmehr ist es offenbar weitverbreitete Sichtweise unter gläubigen Menschen (jedenfalls entsteht der Eindruck aus einer Vielzahl von Meinungsbeiträgen in dieser Sache), dass Religion an sich nur gut sein könne.

Ein Irrtum, zu dessen Offenlegung es den eingewanderten Islam nicht gebraucht hätte – es genügt ein Blick in die Geschichte des Christentums. Auch dieses ist schließlich oft genug für scheußlichste Vorhaben „missbraucht“ worden – oder waren Inquisition und Missionierung mit dem Schwerte etwa im Sinne jenes Gottes, den die Christenheit anbetet? Die überwältigende Mehrheit der heute lebenden Christen wird das verneinen, so wie die oft bemühte, fraglos vorhandene friedliche Mehrheit der Muslime es verneinen mag, dass Selbstmordattentate und Judenhass im Sinne Allahs sind.

Doch was helfen liberale, friedliche, tolerante Mehrheiten, wenn sich freiheitsfeindliche, unfriedliche, intolerante Minderheiten durchsetzen? Die Frage stellt sich aus deutscher Perspektive umso eindringlicher, denn auch die Nationalsozialisten wussten keine Mehrheit hinter sich, es genügte ihnen eine genügend große Minderheit. Der üble Ausgang der Geschichte ist allseits bekannt.

Was im Sinne von Religionen ist, und was nicht, müssen die Gläubigen der jeweiligen Religion schon unter sich selbst ausmachen. Für die Ungläubigen allerdings – und zu denen zählt sich der Autor dieser Zeilen – bleibt mit Blick von außen festzuhalten: Religion ist ganz und gar nicht etwas von Natur aus Gutes. Vielmehr wirkt sie auf Unreligiöse mindestens suspekt, wenn nicht schon von Natur aus eher bedrohlich.

Denn ihr nüchtern betrachtetes Wesen ist – und ich füge unter Verweis auf Artikel 5 des Grundgesetzes ausdrücklich hinzu: meiner Meinung nach! -, dass sie Menschen dazu verführt, Dinge, die ganz offensichtlich nicht existieren, zum Bestandteil der Realität zu erklären. Das kann heute etwas Gutes und morgen etwas Böses sein.

Die 1,5 Milliarden überwiegend friedlichen Muslime erscheinen von diesem Standpunkt aus betrachtet nicht nur wie ein Mutmacher zur Entwarnung, sondern unter (schlechten) Umständen ebenso sehr wie ein erhebliches Bedrohungspotenzial. Das gilt nicht minder für 2,2 Milliarden Christen, nur dass sich in deren Reihen aktuell kaum nennenswerte Tendenzen zum politisch „Bösen“ zeigen.

Dieses Böse, das mag im religiösen Kontext allerlei Namen haben, aus Sicht eines Demokraten und im Kontext gegenwärtiger politischer Debatten hört es allerdings nur auf einen: Demokratiefeindlichkeit. Sie beginnt da, wo Kräfte sich animiert fühlen, möglichst allen Menschen die eigenen Sicht- und Verhaltensweisen aufzuzwängen, um eine Gesellschaft herbeizuführen, die ausschließlich im Sinne des jeweiligen Weltbildes gestaltet ist. Diese Kräfte, diese Weltbilder, können ihre Kraft ebenso sehr aus politischer Ideologie wie aus religiöser Überzeugung beziehen. Der Verdacht liegt sogar nahe, dass das Zusammenwirken von beidem noch umso gefährlicher ist, als das Alleine-Wirken von Religion oder Ideologie schon genügend häufig war.

„Demokraten aller Lager, vereinigt Euch!“

Im Umkehrschluss bedeutet das: Demokratie setzt die Akzeptanz anderer Meinungen voraus, zumindest, solange diese ihrerseits auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen (und genaugenommen auch darüber hinaus, worüber man im Einzelfall im Sinne einer „wehrhaften Demokratie“ trefflich streiten kann). Dementsprechend lässt sich Demokratiefeindlichkeit an nichts deutlicher ablesen, als an der Art und Weise, wie auf andere Meinungen reagiert wird. Die Reaktionen auf den islamkritischen Kommentar von Nicolaus Fest haben so gesehen einmal mehr deutlich vorgeführt, in welchen Teilen unserer Gesellschaft Demokratie allenfalls gepredigt, nicht aber gelebt wird.

So unsinnig die Links-Rechts-Dichotomie dieser Tage anmuten muss, so unsinnig ist auch Diekmanns Trennlinie zwischen Islam und Islamismus. Es kann nur eine einzige sinnvolle Trennlinie geben, die gleichsam für alle Strömungen gelten muss: sie verläuft zwischen dem Demokratischen und dem Extremen, wobei Extremismus in dieser Konstellation ganz und gar nicht mehr mit der Beliebigkeit des Zeitgeistes konstruierbar wäre, sondern als exakter Gegensatz des Demokratischen, also als Ausdruck des Undemokratischen, genauso scharf wie sinnvoll zu definieren ist.

Oder, wie ich einmal vor langer, langer Zeit auf Politically Incorrect schrieb: „Demokraten aller Lager, vereinigt Euch!“ Man muss ja nicht gleich eine gemeinsame Partei gründen, aber ein wenig mehr gegenseitiger Respekt, allem voran das Akzeptieren anderer Meinungen, wäre doch für den Anfang schon ganz nett.

Vielleicht passiert ja noch mehr Merkwürdiges in diesem Land, und man liest Positionen wie diese demnächst ebenfalls in der Bild-Zeitung. Wozu übrigens ganz sicher keine Radikalisierung, sondern – mit Verlaub! – wohl eher eine Mäßigung nötig wäre. Und zwar bei Nicolaus Fest genauso wie bei Kai Diekmann. Und bei zahlreichen anderen Protagonisten der deutschen Medienzunft sowieso.

Ob die sich jeweils links oder rechts schimpfen, Strom mit Plutonium oder mit Sonnenblumen erzeugen wollen oder meinetwegen ganz fest daran glauben, dass Entenhausen wirklich existiert und 72 nymphomanische Daisy Ducks auf sie nach dem Tode warten, spielt dabei keine wesentliche Rolle. Ob sie Demokraten sind, allerdings schon. Was wäre das für ein Fortschritt, wenn es doch „nur“ darum ginge.

Quelle:
http://www.blu-news.org/2014/08/04/demokraten-aller-lager-vereinigt-euch/

 

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Seit Jahren arbeite ich meist unentgeltlich an der Aufklärung über die Islamisierung unseres Landes und Europas. Für meine Vorträge bei Parteien nehme ich prinzipiell kein Honorar: niemand soll mir nachsagen, dass ich im Dienste einer Partei stehe. Ich bin radikal unabhängig und nicht parteigebunden. Doch das hat seinen Preis: meine finanziellen Reserven sind nun aufgebraucht. Ich bin daher für jeden Betrag, ob klein oder größer, dankbar, den Sie spenden. Sie unterstützen damit meine Arbeit an der Aufklärung über die Islamisierung und meinen Kampf gegen das politische Establishment unseres Landes.
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