Von Klaus Barstest, 31. März 2016 

Die Wahrheitsmedien in der Phase der Selbstfindung

Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben. Und tatsächlich taucht neuerdings der eine oder andere hoffnungsbringende Satz in einem qualitativ stark angeschlagenen Medium wie dem Spiegel auf.

Unmittelbar nach dem grandiosen Wahlerfolg der AfD in drei Bundesländern schreibt der Spiegel -Kommentator Jan Fleischhauer am 15.03.2016 gequält humorvoll und leicht selbstironisch (was aber nichts an dem Wahrheitsgehalt der Aussage ändert):

„Den deutschen Journalismus trifft keine Schuld. Meine Kollegen haben alles in ihrer Macht stehende unternommen, um die Menschen davon abzuhalten, AfD zu wählen. Sie haben die Wähler ermahnt, sich nicht mit den falschen Leuten einzulassen. Sie haben ihnen gedroht, dass man sie für Nazis halten würde, wenn sie es doch täten.“

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/landtagswahlen-2016-die-afd-und-der-trump-effekt-kolumne-a-1082379.html

Ohne Seitenhiebe versucht dagegen Dirk Kurbjuweit – der übrigens auch ein recht passabler Schriftsteller ist – in der vorletzten Spiegel-Ausgabe (Nr. 12, 19.03.2016), einen Zugang zur AfD zu finden. Sein Leitartikel zu dem Thema trägt die ehrlich gemeinte Überschrift Herzlich willkommen. Kurbjuweit lässt neben einigen Kritikpunkten keinen Zweifel daran, dass die AfD „eine Partei der Mitte“ ist.

Bei einem anderen Thema gerät selbst der hahnenkammfrisierte Kolumnist Sascha Lobo leicht ins Grübeln. Einen Tag nach den islamistischen Terroranschlägen in Brüssel schreibt er am 23.03.2016 völlig unerwartet in seiner Kolumne:

„… natürlich haben die Terroranschläge etwas mit dem Islam zu tun, es waren Islamisten, offenbar, die Miliz „Islamischer Staat“ hat sich bekannt – aber was genau   haben sie mit dem Islam zu tun?“

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/bruessel-terror-und-glueck-in-zeiten-der-sozialen-medien-kolumne-a-1083770.html

Der Einzige aus der Spiegel-Riege, der das treffsicher weiß, ist der spätpubertierende Jakob Augstein. Er wird nicht müde, Integrationsversäumnisse der europäischen Wohlstandsländer für den bestialischen Bombenterror verantwortlich zu machen. Nach seiner Auffassung tragen die Schuld weiterhin der Westen und der Kapitalismus schlechthin.

„… die Terroristen sind unsere eigenen Kinder.“ Augstein hält „den vorgeblichen Zusammenhang des Terrors mit der islamischen Religion (für) eine westliche Konstruktion.“ 

Weiter heißt es bei ihm: „Es sind der Neid und der Hass der Ausgeschlossenen, die sich hier manifestieren.“

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bruessel-anschlaege-wollen-wir-den-totalen-krieg-kolumne-a-1084347.html

Da haben wir es wieder, das unverantwortliche Abdrängen von ‚Menschen mit Migrationshintergrund’ ins soziale Abseits!

Nun ist schon seit längerem bekannt, dass viele islamistische Attentäter eben nicht aus sozial schwachen Milieus, sondern aus wohlsituierten Familien stammen.

Gestern (29.03.2016) veröffentlichte die FAZ einen Artikel mit der Überschrift „Die Dschihad-Ingenieure“ mit dem Teil-Untertitel:

„Überdurchschnittlich viele islamistische Attentäter haben ein Ingenieursstudium absolviert.“

In dem Artikel heißt es:

„Davon also, dass die Terroristen zu denen gehören, die nichts als ihre Ketten oder ihre Armut zu verlieren hätten, kann keine Rede sein.“

Eine spezielle Form von „Enttäuschung“ mag schon eine Rolle spielen bei islamistischen Attentätern, aber nicht auf diese holzschnittartig zusammenphantasierte Weise, wie es Augstein weiterhin unter die Leute zu bringen versucht. Denn

„… nicht objektive Elendslagen unterprivilegierter Personen, sondern enttäuschte Erwartungen von Angehörigen einer privilegierten (muslimisch geprägten) Schicht bahnten historisch den Weg zum Terror.“

Die Diskussion, inwiefern gerade der Islam hierbei eine entscheidende Rolle spielt, hält ungehindert an.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/viele-terroristen-sind-scheinbar-ingenieure-14148612.html

Quelle:
http://journalistenwatch.com/cms/die-wahrheitsmedien-in-der-phase-der-selbstfindung/