Urlauber-Boykott treibt Erdogans Türkei in die Krise. Rating-Agentur: Türkei jetzt „Hochrisiko“-Land


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Tourismus-Rückgang um 25 Prozent

Noch sind die offiziellen Urlauberzahlen für den August nicht veröffentlicht, aber schon jetzt steht fest: Die Saison 2016 war für die Türkei verheerend. Im Juli waren gerade mal knapp 3,47 Millionen Touristen ins Land gekommen – das war der schlechteste Wert seit zehn Jahren.

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Von Nikolaus Doll | Veröffentlicht am 15.09.2016

Urlauber-Boykott treibt Erdogans Türkei in die Krise

Die Tourismus-Saison verläuft für die Türkei verheerend schlecht. Die Regierung um Präsident Erdogan reagiert auf die Urlauber-Flaute mit verzweifeltem Aktionismus – der alles noch schlimmer macht.

Die Sommersaison an der türkischen Riviera geht zu Ende, die Strände leeren sich. Obwohl: Manche müssen sich gar nicht leeren, sie waren nie voll, einige so gut wie leer. Noch sind die offiziellen Urlauberzahlen für den August nicht veröffentlicht, aber schon jetzt steht fest: Die Saison 2016 war für die Türkei verheerend. Im Juli waren gerade mal knapp 3,47 Millionen Touristen ins Land gekommen – das war der schlechteste Wert seit zehn Jahren….

Für die Türkei wir sie in diesem Jahr ein Verlustgeschäft. Dem Land entgehen viele Milliarden Euro, welche es dringend braucht

Denn der Tourismus ist eine entscheidende Einnahmequelle des Staates. Zwar versucht die Regierung in Ankara, die schwindenden Urlauberzahlen und Einkünfte zu kompensieren und die Wirtschaft insgesamt anzukurbeln. Doch die Instrumente der Staatsführung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan erfüllen diesen Zweck nicht. Im Gegenteil: Sie verschlimmern die Krise nur noch.


Und so bleibt Erdogan nichts übrig, als zähneknirschend auf die Russen zu hoffen. Nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets waren Beziehungen zwischen der Türkei und Russland im vergangenen November eingefroren worden.

Rückgang um rund 25 Prozent

Unter anderem mit der Folge, dass Hunderttausende Russen in diesem Sommer als Urlauber ausfielen. Inzwischen haben die Türken viel getan, um das Klima wieder zu verbessern. Mit Erfolg. Präsident Wladimir Putin hat den Urlaubsboykott aufgehoben. Am 9. Juli landete erstmals seit der Krise wieder ein russischer Urlaubsflieger in Antalya.

Die Tourismusindustrie macht zwar nur sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes aus. Allerdings stellt sie die Jobs für mehr als acht Prozent der Türken. Experten sagen voraus, dass die Umsätze im Tourismus, der für die Türkei in etwa eine Schüsselbranche ist wie die Automobilindustrie in Deutschland, in diesem Jahr etwa um ein Viertel zurückgehen werden.

Damit dürften dem Land Einnahmen in Höhe von umgerechnet rund sieben Milliarden Euro entgehen. Man stelle sich vor, was hierzulande los wäre, wenn die deutschen Autobauer derartige Prognose machen würden.

Etwas mehr als 10,7 Millionen ausländische Touristen waren im erstem Halbjahr 2016 in die Türkei gekommen, das ist der schwächste Wert für die ersten sechs Monate seit 2012. 4,2 Milliarden Euro an Einnahmen bescherten die Urlauber der Türkei im zweiten Quartal dieses Jahres. Im Vergleichszeitraum 2015 waren es noch 6,6 Milliarden Euro gewesen.

Die Verschuldung im Ausland steigt

Die Urlauberstatistik entscheidet natürlich nicht allein darüber, wie es um die türkische Wirtschaft steht. Aber sie macht zwei Dinge deutlich: Zum einen, dass die Türkei bereits seit einigen Monaten immer stärker in einen Sog ökonomischer Probleme gerät, die aus den politischen Entwicklungen folgen.

Zudem steckt das Land generell in einer Zwickmühle. Der Tourismus ist ein wichtiger Devisenbringer. Die Türkei ist wegen ihrer Abhängigkeit von ausländischem Kapital verwundbar. Noch immer importiert sie deutlich mehr, als sie exportiert. Das Handelsbilanzdefizit steigt und damit die Verschuldung im Ausland.

Und das ist nicht die einzige Folge dieser Entwicklung: „Weil die Türkei deutlich mehr Güter und Dienstleistungen importiert als exportiert, schlägt sich dies in einer hohen Inflation nieder, derzeit bei über acht Prozent. Das hat damit einen spürbar negativen Effekt auf den Konsum“, sagt Axel Angermann, Chefvolkswirt der Feri Investment Research.

Die sinkenden Urlaubszahlen setzen so eine verhängnisvolle Spirale in Gang. Denn um die Wirtschaft zu stärken, den Konsum anzukurbeln und die Unternehmen zu Investitionen zu bewegen, senkt die türkische Zentralbank auf politischen Druck den Leitzins immer weiter ab. Wirtschaftsminister Nihat Zeybekci wird nicht müde, „unerschrockene“ Zinssenkungen zu fordern.

Der Schuldenberg wächst und wächst

Die Zentralbank kommt dem nach, beschleunigt damit aber als unerwünschten Nebeneffekt die Talfahrt der türkischen Lira, die seit Mitte 2013 in der Spitze bereits knapp 40 Prozent ihres Wertes gegenüber dem Dollar verloren hat. Der Wertverlust der Lira bremst wiederum die Konsum- und Investitionslust der Verbraucher und Unternehmen.

Standard & Poor´s nennt Türkei jetzt „Hochrisiko“-Land

Die Rating-Agentur Standard & Poor´s bezeichnet die Türkei jetzt als ein „Hochrisiko“-Land. Zuvor waren Anleger vor einem „moderat hohem Risiko“ gewarnt worden. Diese Entscheidung teilte S&P in London mit.

Zweiter Nebeneffekt der in der Euro-Zone nicht unbekannten Niedrigzinspolitik: Sie lässt den Schuldenberg rasch wachsen. Die private Verschuldung in der Türkei ist seit 2008 auf 78 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und damit um 35 Prozentpunkte gestiegen. „Der Wertverlust der türkischen Lira erschwert eine Bedienung der Verbindlichkeiten und dürfte manche Unternehmen in existenzielle Schwierigkeiten treiben, mit negativen Folgen für Beschäftigung und Konsum“, schreibt Volkswirt Angermann.

Sein Ausblick für die Türkei ist folglich wenig optimistisch:

„Die Zinssenkungen der Zentralbank können in eine Negativspirale aus Abwertung der Währung und Kapitalflucht führen, die durch die steigende Instabilität des Bankensystems weiter verschärft wird.“

Am Ende stünde eine Zahlungsbilanzkrise, deren Bewältigung ähnlich schmerzhaft schmerzhaft wäre wie im Jahr 2001…

Quelle:
https://www.welt.de/wirtschaft/article158169820/Urlauber-Boykott-treibt-Erdogans-Tuerkei-in-die-Krise.html

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