FAZ: “Die Ära Merkel geht zu Ende. Zum Glück, denn sie steht für den sinnentleerten Machterhalt einer Monarchin”


 

Von Michael Mannheimer, 19.11.2017

Merkel wirklich am Ende? Oder müssen wir sie 4 weitere Jahre ertragen?

Ausgerechnet die linke FAZ schrieb gestern am 16.11.17 – zum ganzen deutschen Wahnsinn: “MERKEL- ein Rückblick”. Der Artikel ist so glänzend geschrieben, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass er von einen FAZ-Journalisten kommen sollte. Und in der Tat:

Er stammt vom ehemaligen Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln ,Wolfgang Streeck, Jahrgang 1946 – und beweist, dass die deutsche Genius absolut noch nicht ausgestorben ist, sondern in den 12 Schreckenjahren der Merkelherrschaft nur von den Medien unterdrückt wurde – und damit nicht an die Öffentlichkeit gelangen konnte.

Dass die FAZ nun – einmal eines neben der ZEIT weltweit besten Medien – diesen Artikel überhaupt bringt, zeigt, dass Teile der Systemmedien ebenfalls genug haben von Merkel.

Was in diesem Artikel über und zu Merkel steht, ist stellenweise brillant. Tenor:

Die Ära Merkel geht zu Ende. Zum Glück, denn sie steht für den sinnentleerten Machterhalt einer Monarchin.


Ständige Richtungswechsel. Ihr Hauptziel ist Machterhalt: Deswegen will Bundeskanzlerin Angela Merkel Jamaika.

Was im FAZ-Artikel fehlt:

Was dem folgenden Artikel allerdings fehlt ist jede Kritik an der Politik der Islamisierung durch Merkel, jede auch nur ansatzweise Kritik am Islam als einer nach Weltherrschaft strebenden totalitären Gewaltreligion – und jeder Hinweis darauf, dass die Massenimmigration durch offene und ungeschützte Grenzen

  • erstens ein kriminelles Delikt seitens Merkel darstellt, weil sie damit dutzende deutsche Gesetze brach –
    .
  • und zweitens auf die Politik der NWO durch USA und EU zurückzuführen ist,

wie ich u.a. in meinem Artikel “Bewiesen: Der IS wurde von den USA aufgebaut – und bis heute politisch instrumentalisiert. Ziel ist der Aufbau einer „neuen Weltordnung“ mit zahlreichen Quellen zum totalitären willen der UN/EU aufzeigen konnte, dass die Massen-Migration auf die Politik der USA für eine “Neue Weltordnung” (NWO) zurückzuführen ist.

Diese Politik geht vor allem auf den US-Strategen  Thomas Barnett, dessen Buch The Pentagon’s New Map: War And Peace In The Twentyfirst Century” (“Des Pentagon Neue Landkarte: Krieg und Frieden im 21. Jahrhundert”, erschienen 2004 im Verlag Berkley Books, New York) die Leitlinien dieser NWO-Strategie definiert.

Von 1998 bis 2004 forschte Barnett als Professor am U.S. Naval War College. Eines seiner Projekte untersuchte, wie die fortschreitende Globalisierung die Spielregeln internationaler Sicherheit verändert und insbesondere, welche Auswirkung diese Änderungen auf die Rolle des US-Militärs haben, das traditionell wirtschaftliche Verbindungen der USA in der Welt absichert.[http://thomaspmbarnett.com/us-naval-war-college-projects/]

Barnett Zitat:

“Nur die Globalisierung kann Frie­den und Ausgewogenheit in der Welt herbeiführen. Als Voraussetzung für ihr reibungsloses Funktionieren, müssen vier dauerhafte und ungehinderte ‘Flows’ (Migrations-Ströme) gewährlei­stet sein…

Anstatt nur 300.000, müßte Europa bis 2050 jährlich 1,5 Millionen Immigranten hereinlassen, um seine Bevölkerungsziffern konstant zu halten... (Anm.MM: Das sagte Barnett Jahre vor Beginn der Masseneinwanderung. Es sind derzeit 3-5 Mio Moslems, die jährlich nach Europa respektive Deutschland kommen)

Barnett schließt sein Buch mit folgenden unfasslichen Worten: “Tötet alle Gegner der NWO!”

“Jawohl” bekennt Barnett, “ich nehme die vernunftwidrigen Argumente unserer Gegner zur Kenntnis. Doch sollten sie Widerstand gegen die globale Weltordnung leisten, fordere ich: Tötet sie!”
(…I say: Kill them !” , Seite 282).

Merkels Politik wird primär von der US-amerikanischen NWO-Doktrin diktiert, die sich auch die EU zueigen gemacht hat. Man darf sich sicher sein, dass alle Staatsoberhäupter Westeuropas in den USA auf den NWO-Plan eingeschworen wurden: Denn die Aussagen führender europäischer Politiker hören sich an, als kämen sie von Barnett höchstselbst:

Ganz vorne dran bei den EU-Kriminellen, die ohne jeden Auftrag seitens der EU-Bevölkerung eigenmächtig und in mörderischer Absicht ihre eigenen Völker zerstören, steht der EU-Kommissar Franz Timmermans, erster Vizepräsident der EU-Kommission und EU-Kommissar. In einer Rede während des sogenannten „Grundrechte-Kolloquiums der EU“ im Oktober 2015 forderte er die Mitglieder des EU-Parlaments dazu auf, ihre Anstrengungen zu verstärken und – so wörtlich:

“monokulturelle Staaten auszuradieren und den Prozess der Umsetzung der multikulturellen Diversität bei jeder Nation weltweit zu beschleunigen. “(Quelle)

Kein Land solle der unvermeintlichen Vermischung entgehen. Vielmehr sollen die Zuwanderer ermutigt werden, auch die entferntesten Plätze des Planeten zu erreichen, um sicherzustellen, dass nirgends mehr homogene Gesellschaften bestehen bleiben. (Quelle)

Diese NWO-Doktrin steht da wie eine religiöse Monstranz – und wird seitens der ausführenden Politiker offensichtlich in keinem Aspekt hinterfragt:

Denn wer gibt ihnen das Recht darüber zu bestimmen, dass uralte Grenzen von Ländern aufgelöst werden müssen?

Woher entnehmen sie die Legitimation, alle in zehntausenden von Jahren entstandenen Kulturen uns Völker zu vermischen und über deren Schicksal zu entscheiden?

Woher wollen sie wissen, dass dann Frieden einzieht und nicht das Gegenteil: Weltweite Kriege von Völkern und in hunderten, oft tausenden Jahren gewachsenen Ländern, die nicht bereit und willens sind, ihre Identität aufzugeben?”

Auch Nikolas Sarkozy, Expräsident des EU-Staates Frankreich sagte schon am 17. Dezember 2008 in Plesor, einem Stadtteil von Paris, unverfroren:

Was also ist das Ziel?

Das Ziel ist die Rassenvermischung. Die Herausforderung der Vermischung der verschiedenen Nationen ist die Herausforderung des 21. Jahrhunderts.

Es ist keine Wahl, es ist eine Verpflichtung, es ist zwingend! Wir werden uns alle zur selben Zeit verändern. Unternehmen, Regierungen, Bildung, politische Parteien und wir werden uns zu diesem Ziel verpflichten.

Wenn das nicht vom Volk freiwillig getan wird, dann werden wir staatlich zwingendermaßen Handeln.“ (Quelle)

Ob all das dem ehemaligen Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung entgangen ist – oder ob er dieses heiße Eisen bewusst nicht anfasst, dass weiß allein er selbst.

Doch so ist seine Analyse der Merkel-Ära, so treffend sie sein mag, nur symptomatisch – und geht nicht an die eigentlichen Ursachen. Das dürfte denn auch der wahre Grund sein, warum die FAZ diesen Artikel überhaupt brachte. Denn Kritik an den Symptomen einer gesellschaftlichen Krankheit: Das dürfen Linke – und darin sind sie gut. Aber Kritik an den eigentlichen Ursachen der Immigrations- und Islamisierungspolitik: Dies muss um jeden Preis vermieden werden. Denn die Folgen wären unabsehbar. (MM)

 


Auszug aus dem FAZ-Artikel
(Hervorhebungen und Gradfik durch MM):

Die Ära Merkel geht zu Ende. Zum Glück, denn sie steht für den sinnentleerten Machterhalt einer Monarchin.

Ein Gastbeitrag von Wolfgang Streeck

 Die Ära Merkel geht zu Ende, und das ist auch gut so. Allmählich erwachen die deutsche Politik und ihre Öffentlichkeit aus ihrer postdemokratischen Narkose.

Merkels basale Herrschaftstechnik bestand bekanntlich darin, statt Wähler für eigene Ziele zu mobilisieren, den Wählern anderer Parteien die Gründe zu nehmen, zur Wahl zu gehen – durch so unauffällig wie möglich gehaltene Bekenntnisse zum eigenen Programm bei angedeutetem Verständnis für die Programme der Konkurrenz.

„Man kann das im Soziologendeutsch asymmetrische Demobilisierung nennen“, so der arme Schulz laut „Spiegel“ im Juni in einer Strategiesitzung: „Ich nenne es Aushöhlung der Demokratie?.?.?. Die sinkende Wahlbeteiligung vorsätzlich in Kauf zu nehmen ist ein Anschlag auf die Demokratie.“…

Was Historiker und Politikwissenschaftler einmal das „System Merkel“ nennen könnten, entstand im Übergang vom Sozialkapitalismus der zweiten Hälfte des zwanzigsten zum Neoliberalismus des einundzwanzigsten Jahrhunderts. …

Die Methode der asymmetrischen Demobilisierung verschaffte Merkel eine für demokratische Verhältnisse unvorstellbare taktische Bewegungsfreiheit, die sie für immer neue Kehrtwendungen in Richtung der linken Mitte nutzte, um ihr Repertoire künftiger Koalitionsmöglichkeiten auszubauen.

Dabei kam ihr lange die Strauß’sche Hinterlassenschaft zugute, dass es „rechts von der Union“ keine Partei gab, zu der enttäuschte Wähler oder Parteifunktionäre hätten wechseln können; für sie war Merkel alles, was sie hatten.

Diejenigen, deren Positionen Merkel eingemeindete, hüteten sich ohnehin, ihr Fragen zu stellen, weil sie in Merkels Lager keine schlafenden Hunde wecken wollten. So konnte Merkel sich immer wieder umorientieren, von einer unpolitisch gewordenen liberalen Öffentlichkeit wohlgefällig als individueller Bildungsroman rezipiert, ohne dass sie jemals zu so etwas wie einer „großen Rede“ gezwungen gewesen wäre. …

Ständige Richtungswechsel: So sieht der Autor Merkels Ära.

Die Liste der Merkel’schen Politikwechsel ist lang. Bis zu ihrem beinah verlorenen ersten Bundestagswahlkampf hatte die CDU-Vorsitzende eine neoliberale Grundrevision der deutschen Gesellschaft proklamiert, gegen die Schröders „Agenda 2010“ ein Klacks war. Im Amt begann sie dann umgehend mit der „Sozialdemokratisierung“ ihrer Partei, ohne dass jemand wissen wollte, was sie in so kurzer Zeit dazugelernt hatte.

Als „Atomkanzlerin“, ausgestattet mit dem „Sachverstand der Physikerin“, setzte Merkel zugleich alles daran, den von Sozialdemokraten und Grünen ausgehandelten Atomausstieg schnellstens rückgängig zu machen.

Nachdem dann aber die Bilder aus Fukushima in die Öffentlichkeit gelangt waren, verlangte derselbe technische und wirtschaftliche Sachverstand nach einer umso rascheren Abschaltung der deutschen Atommeiler.

Eine Erklärung, wie sich das vorher so gewissenhaft berechnete Restrisiko in ein paar Tagen so dramatisch geändert haben konnte und warum man einem so fehlbaren Sachverstand weiterhin vertrauen solle, wurde nicht verlangt.

„Alle aufnehmen, das können auch wir nicht schaffen“, hatte Merkel dem Flüchtlingsmädchen Reem vor laufenden Kameras erklärt und war dafür im Internet zur „Ice Queen“ erklärt worden. Schon kurz danach hieß es bei Anne Will „Wir schaffen das“, bis ein paar Monate später sich „nicht wiederholen“ durfte, was soeben noch menschenrechtlich und christlich geboten und technisch ohnehin nicht zu verhindern gewesen war. Und sobald die „Ehe für alle“ drohte die nächste Koalitionsbildung zu erschweren, verwandelte sie sich von einer politischen in eine Gewissensfrage.

Plötzliche Politikwechsel belasten den Vertrauenshaushalt eines Staates und bedürfen deshalb besonderer Rechtfertigung.

Indem sie auf einer solchen bestehen, sorgen eine kritische Öffentlichkeit und eine aggressive parlamentarische Opposition für die Wiederherstellung von Systemvertrauen.

Bleibt diese aus, muss die Notwendigkeit des Politikwechsels nachträglich durch Personalwechsel – Rücktritt, Putsch, Neuwahl – beglaubigt werden.

Nicht so im System Merkel, wo die postdemokratische Reduzierung von Strategie auf Taktik von einer politischen Klasse, die ihre Regierungsfunktion an den globalen Markt und die europäische Technokratie abgetreten hat, als hohe Kunst politischer Herrschaftssicherung kennerisch bewundert wird.

Bis heute auch für Insider ein Rätsel: Angela Merkel

Polarisierung

Seit einiger Zeit nimmt die Wahlbeteiligung in den westlichen Postdemokratien wieder zu. Ursache ist das Auftreten neuer „populistischer“ Parteien rechts und links, vor allem rechts, deren Anhänger gegen asymmetrische Demobilisierung immun sind…

„Mitte statt rechts“ opferte das Strauß’sche Erbe, indem es die Repräsentation des rechten Randes der Wählerschaft einer neuen, mit der Union konkurrierenden Partei überließ – in Gestalt der AfD, ursprünglich eine elitär-bürgerliche neoliberale Kleinpartei, deren Marsch in den „Rechtspopulismus“ dadurch beschleunigt wurde.

Für Ausgleich sollte eine umfassende Mobilisierung von Politik und Gesellschaft zur Ausschließung der populistisch gewendeten AfD aus dem demokratischen Verfassungsspektrum sorgen, unter Anrufung der antinationalsozialistischen Staatsraison des Landes.

So konnte die AfD als Vogelscheuche zum Zweck der politischen Disziplinierung einer neuen, 90-prozentigen gesellschaftlichen Großmitte dienen – indem kritische Themen wie die Zukunft der Nationalstaaten in der Europäischen Union, der Aus- und Umbau der Währungsunion und die ungeregelte Einwanderung als Lehrstück über die Grenzenlosigkeit der Marktgesellschaft zu AfD-Themen erklärt wurden, über die man nicht sprechen durfte, wollte man dem „rechten Populismus“ nicht „Vorschub leisten“.

In der Tat war der regierungsamtliche „Kampf gegen rechts“ zunächst spektakulär erfolgreich.

In den Reihen der CDU galt es nun noch mehr als vorher, Zweifel an der deutschen Europa- und Einwanderungspolitik zu unterdrücken. Und als der SPD-Vorsitzende angesichts der absehbaren Aufwendungen für die Einwanderer Maßnahmen auch für die eingesessene Unterschicht vorschlug, wurde er von Merkel und Schäuble öffentlich des Vorschubleistens bezichtigt und verstummte – aus Angst davor, so Gabriel knapp zwei Monate nach der Wahl, „mit der CSU oder der politischen Rechten in einen Topf geworfen zu werden“.

Im weiteren Umkreis des offiziellen Antifaschismus begannen Presse, Rundfunk und Fernsehen, Schulen, Volkshochschulen und Universitäten, Jugendverbände, Kulturschaffende und Kleriker aller Art eine landesweite Immunisierungskampagne gegen die AfD.

In Köln forderten Oberbürgermeisterin und Kardinal zusammen mit Karnevalsvereinen und Rockgruppen dazu auf, sich durch eine Demonstration gegen die Abhaltung eines Parteitags der AfD in einem Kölner Hotel „für Toleranz“ einzusetzen – beide Kirchen unter dem für ihre historischen Verhältnisse durchaus riskanten Slogan „Unser Kreuz hat keine Haken“…

Hauptziel Machterhalt? Bundeskanzlerin Angela Merkel will Jamaika.

Die Monarchin

Auf dem Gipfel ihrer Macht, getragen von der „Willkommenskultur“ und einer so angsterzeugten wie -verbreitenden Gleichschaltungsbereitschaft der politischen Klasse, regierte Merkel wie eine Monarchin.

Wenn man in Deutschland „kein freundliches Gesicht mehr zeigen“ dürfe, so in einem Interview während ihrer „Flüchtlingskrise“, „dann ist das nicht mehr mein Land“. Niemand fragte, wie das gemeint war, auch nicht, als die Regierungschefin eines säkularen Staates „mit Kardinal Marx“ wissen ließ: „Der Herrgott hat uns diese Aufgabe jetzt auf den Tisch gelegt.“ Wenn Demonstranten, vor allem im Osten, Kundgebungen der Kanzlerin mit „Merkel muss weg“-Sprechchören störten, gab es rundum Bekundungen von Scham und Abscheu.

Als rechtsradikale Hetze gar galt, wie dezent auch immer nach der politischen Verantwortung für Gewaltverbrechen von Migranten zu fragen, die unter normalen Bedingungen nicht hätten über die Landesgrenze gelangen können; gewählte Politiker mussten schon aus minderem Anlass zurücktreten.

In der substanzentleerten und deshalb sentimentalisierungsbedürftigen deutschen Postdemokratie dagegen konnte Merkel für ihre Grenzöffnung den Sonderstatus einer „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“-Entscheidung beanspruchen, ohne dass es dazu irgendwelcher rhetorischer Großleistungen bedurft hätte: …

Wer sich dennoch auf die Suche nach normalpolitischen, also verantwortungspflichtigen Motiven begab, lief Gefahr, in dieser Zeitung noch ein Jahr nach dem Ereignis der „Küchenpsychologie“ geziehen und, da „vom Insiderwissen ausgeschlossen“, an „eine künftige Forschung aus Akten und Zeugenbefragung“ verwiesen zu werden: „Die ganze Meckerei wirkt hilflos, lächerlich und misogyn – denn auf die Kanzlerin kommt es an“ (F.A.Z. vom 16. September 2016) – eine für die Hochzeit der Ära Merkel nicht untypische Interpretation der Rolle des politischen Journalisten als Panegyriker.

Wahr ist, dass „Küchenpsychologie“ zur Erklärung des Systems Merkel nicht viel beiträgt. Die Kehrtwendungen der Kanzlerin lassen auf ein extrem niedriges persönliches Konsistenzbedürfnis gegenüber anderen und sich selbst schließen, allerdings auch auf einen extrem konsistenten Willen zur Macht. …

Politik als Bewegung von unten nach oben hatte es schon in der DDR nicht gegeben, jedenfalls nicht mit Merkel. Abgeordnete war Merkel immer nur nebenbei, nie Bürgermeisterin oder Ministerpräsidentin; dem unangenehm heißen Atem eines physisch präsenten, nach Vertretung verlangenden „Volkes“ – ein Begriff, der in der Ära Merkel in den Geruch des Rechtsradikalismus geriet – war sie nie ausgesetzt…

Spätere Historiker werden versuchen müssen, das System Merkel auf seinem Höhepunkt als ebenso regierungsseitigen wie selbstauferlegten Dauertest einer demokratischen Öffentlichkeit auf ihre Fähigkeit und Bereitschaft hin zu beschreiben, unter laufender Opferung ihres Intellekts immer neue Absurditäten zu glauben oder wider besseres Wissen zu bekennen – etwa die Behauptung der Regierungschefin, man könne Grenzen heutzutage nicht mehr schließen, oder die Versicherung eines Journalisten im Deutschlandfunk nach den Pariser Anschlägen, dass sich unter den Flüchtlingen, die damals noch nicht „Geflüchtete“ hießen, keine Terroristen befinden könnten, da die Flüchtlinge ja vor diesen geflohen seien.

Niemand fragte, wo jene von Habermas so treffend bezeichnete „Nervosität der Intellektuellen“ geblieben war, die sich doch immer dann kräftig rühren müsste, wenn eine Öffentlichkeit wie ein Tanzbär am Nasenring regierungsamtlicher Wahrheiten durch die Manege gezogen wird und sich ziehen lässt.

Nirgendwo im heutigen Westeuropa, nicht in Frankreich, nicht in Großbritannien, nicht in Italien, wäre es vorstellbar, dass „alle verantwortlichen Kräfte“ bei Strafe des Ausschlusses aus der öffentlichen Kommunikation verlangen würden, offenkundigen Unsinn wie den zu bekennen oder doch unwidersprochen zu lassen, dass eine Million unkontrollierter Immigranten als jährlicher Normalfall zu „schaffen“ sei.

Dass diese Art von Dressurakt zeitweise im demokratischen Deutschland funktionieren konnte, könnte in einigen Jahren die wichtigste Erinnerung an die Ära Merkel sein…

Das Ende

Im Rückblick sind die enormen Kosten erkennbar, die Angela Merkel und ihr Breites Bündnis der deutschen Politik hinterlassen haben. Auch eine Virtuosin wie die Kanzlerin war am Ende nicht dagegen gefeit, den Bogen zu überspannen. Politik, noch so gekonnt von Bild zu Bild, Stimmung zu Stimmung und Bündnis zu Bündnis gewendet, hat eben, anders als in der postdemokratischen Utopie, auch andere als nur machttechnische Folgen. …

Aber auch innenpolitisch ist die Messe gelesen. Dass die SPD, die sich weder für noch gegen „Angela Merkels Flüchtlingspolitik“ erklären wollte, deren Gegnern als Befürworter und deren Befürwortern als Gegner erschien und dadurch „rechts“ wie „links“ Stimmen verlor, hätte Merkel normalerweise stille Genugtuung bereiten können – wenn die Verluste nicht so hoch gewesen wären, dass die Partei sich aus Merkels Koalitionsportfolio verabschieden musste. Schlimmer noch, der regierungsamtliche Antifaschismus vermochte die auf die Mitte zielende Ablehnung einer „Obergrenze“ nicht auf Dauer nach rechts abzusichern.

Diese ist nun im Bundestag, als bleibende Hinterlassenschaft der Ära Merkel, wo sie die bis dahin als AfD-Fragen unbehandelt gelassenen Themen bohrend zur Sprache bringen kann, vorausgesetzt, dass eine neue Geschäftsordnung dies nicht verhindert und sie selbst lernt, halbwegs diszipliniert aufzutreten.

Dabei speist sich die Existenz der AfD als Partei mehr als erwartet aus der Substanz von CDU und CSU. Um die Blutung zu stoppen, hatte Merkel die wichtigste moralische Ressource des Landes, das Erschrecken vor seinen historischen Verbrechen, ebenso bedenken- wie letztlich erfolglos eingesetzt – verbraucht zu Zwecken politischer Machterhaltung um den Preis einer Trivialisierung von Faschismus und Rassismus.

Unter den Abgeordneten der Unionsparteien aber dürfte sich schon jetzt eine hinreichend große Zahl finden, die bei einer abermaligen Kanzlerkandidatur Merkels in vier Jahren um ihre Wiederwahl fürchten müssten, zumal eine weitere Vergrößerung des Bundestags beim besten Willen nicht „darstellbar“ wäre. Sie werden verlangen, dass in der Mitte der Legislaturperiode der Hof übergeben wird.

Spätestens dann könnte es wieder Politik geben in Deutschland.

Wolfgang Streeck, Jahrgang 1946, ist Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln. Zuletzt erschien bei Suhrkamp „Die gekaufte Zeit. Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus“ (2015).


Quelle:
http://plus.faz.net/feuilleton/2017-11-16/d5637e1d071d2d6c6afa36c6091d3fcc/?GEPC=s3

 

 

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