Bislang sorgsam verschwiegen: Der Antisemitismus ist keinesfalls eine “deutsche Spezialität”. Er war und ist international.


Der Antisemitismus vor und während des Dritten Reichs war keinesfalls deutsch. Er war international. √

Im Frühjahr 1939 machte sich das Passagierschiff St. Louis, ein Passagierschiff der Hamburger Reederei Hapag Lloyd, auf eine historische Fahrt. An Bord befanden sich 937 deutsche Juden, die, ausgestattet mit Touristenvisa für Cuba und gültigen Papieren der US-Einwanderungsbehörde, ein halbes Jahr nach der Reichspogromnacht aus Deutschland flüchten wollten. Doch wieder in Kuba, noch in den USA, noch in Kanada erhielt St. Louis eine Landeerlaubnis.

Kapitän Schröder und jüdische Organisationen baten dann US-Präsident Franklin Roosevelt persönlich um Hilfe, die jedoch verweigert wurde. Die Odyssee des Schiffs führte zu heftigen Diskussionen in den Vereinigten Staaten, da Präsident Roosevelt zwar anfangs einige der Flüchtlinge aufnehmen wollte, aber sich dem Druck seines Außenministers Cordell Hull und der Demokratischen Partei beugte. Einige Parteimitglieder sollen ihm gedroht haben, die Unterstützung für die Präsidentschaftswahlen 1940 zu versagen. Am 4. Juni 1939 lehnte Roosevelt das Anlegen des Schiffes in den USA ab, das in der Karibischen See zwischen Florida und Kuba wartete.

Das gleiche Schicksal ereilte sie an der Küste Kanadas unter dem damaligen Ministerpräsidenten William Lyon Mackenzie King.

Das Schiff musste auf Anweisung der Reederei im Juni 1939 nach Europa zurückkehren, woran auch ein Versuch der Passagiere, das Kommando über das Schiff zu übernehmen, nichts änderte. Kapitän Schröder setzte sich weiterhin für die Flüchtlinge ein. Er erwog sogar, eine Havarie vor der britischen Küste vorzutäuschen, damit seine Passagiere dort an Land genommen werden würden. Die belgische Regierung erlaubte schließlich die Landung in Antwerpen. Die Passagiere wurden von Antwerpen aus von Belgien (214), den Niederlanden (181), Frankreich (224) und Großbritannien (254) aufgenommen. Ein Passagier war unterwegs verstorben.

Als die Wehrmacht im Mai/Juni 1940 Belgien, die Niederlande und Frankreich eroberte, geriet die Mehrzahl der Passagiere wieder in den Herrschaftsbereich des NS-Regimes. Die von Großbritannien aufgenommenen Emigranten waren in Sicherheit. Nach neueren Forschungen wurden 254 der Passagiere im Holocaust ermordet.[

Quellen:

Gustav Schröder: Heimatlos auf hoher See. 1949.
Gordon Thomas und Max Morgan-Witts: Das Schiff der Verdammten. Die Irrfahrt der St. Louis (Originaltitel: Voyage of the Damned). Deutsch von Helmut Kossodo. Edition Bergh und WMP-Verlagsauslieferungsdienst, Tübingen und Zug (Schweiz) 1976, 382 S., ISBN 3-88065-044-6.
Diane Afoumado: Exil impossible. L’errance des Juifs du paquebot St. Louis, Paris, L’Harmattan, 2005, 286 S.; Vorwort von Serge Klarsfeld. (frz.
Julian Barnes: Eine Geschichte der Welt in 10 1/2 Kapiteln, deutsch 1990, ISBN 3-499-22134-9.
Georg Reinfelder, MS “St. Louis”. Die Irrfahrt nach Kuba Frühjahr 1939. Kapitän Gustav Schroeder rettet 906 deutsche Juden vor dem Zugriff der Nazis. Hentrich & Hentrich Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-933471-30-3.
Gilbert Sinoué: Un bateau pour l’enfer. 2005 (frz.)
Art Spiegelman, St. Louis-Flüchtlingsschiff-Blues, in: Die Zeit vom 27. August 2009, S. 47.
Georg Mautner Markhof: Das St. Louis-Drama. Hintergrund und Rätsel einer mysteriösen Aktion des Dritten Reiches. Leopold Stocker Verlag, Graz – Stuttgart 2001, ISBN 3-7020-0931-0.

Gedenktafel in Hamburg

Eine im Jahre 2000 angebrachte Gedenktafel in Hamburg auf der rechten Seite des Durchganges zu Brücke 3 der St. Pauli-Landungsbrücken erinnert an das Schicksal der Passagiere der St. Louis.


Kapitän Gustav Schröder wurde 1957 „für Verdienste um Volk und Land bei der Rettung von Emigranten“ von der Bundesrepublik Deutschland mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande, vom Staat Israel postum durch die Aufnahme in den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ und von der Hansestadt Hamburg im Februar 1990 durch Benennung einer Straße in Hamburg-Langenhorn, den „Kapitän-Schröder-Weg“, geehrt.

Wir entschuldigen uns für die Herzlosigkeit der kanadischen Antwort, sagte Premier Justin Trudeau am 7. November 2018 im nationalen Parlament in Ottawa unter dem Beifall des Hauses. Kanada hat sich geweigert zu helfen, wo es habe helfen können, und hat dadurch zum “grausamen Schicksal” vieler Menschen beigetragen, die später in den NS-Vernichtungslagern ermordet wurden, sagte er.

Der Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert war eine globale Erscheinung

Alle Gedenktafeln und Politiker, die sich Jahrzehnte nach diesem Vorfall bei den Juden entschuldigten, ignorieren den wahren Grund der Einreiseverweigerung für die knapp 1000 Juden: Die Judenfeindlichkeit war keinesfalls, wie uns nahzu alle Geschichtsbücher, zigtausenden Artikeln in der deutschen und internationalen Presse und die zahllosen TV- und Kinoverfimungen glauben machen wollen, eine rein deutsche Angelegenheit. Der Antisemitismus war schon lange vor Hitler die wichigste innenpolitische Grundhaltung in zahlreichen europäischen Metroplen – wie etwa in Wien, jener Stadt, die Hilter entscheidend geprägt hatte (dass Hitlers Judenhass von der Ablehnung seiner Bewerbung an der Kunstakademie Wiens durch einen jüdischen Professor herrührt, ist längst als eine Falschmeldung widerlegt).

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bildeteten 40.000 Juden bereits 6,6 % der Einwohnerzahl Wiens und hatten damit die alten jüdischen Bevölkerungszentren der Habsburger wie Prag, Krakau und Lemberg überflügelt. 1858 wurde eine Synagoge in Wien gebaut, die zu den imposantesten in Europa gehörte. Die meisten Einwanderer Wiens waren aus der ungarischen Reichshälfte gekommen, gefolgt von Böhmen und Mähren. Auch galizische Juden waren gekommen, getrieben von Überbevölkerung, Hungersnöten und Choleraepidemien. Als die polnische Nationalisierungskampagne sie in den 1870er Jahren zunehmend aus dem Wirtschaftsleben verdrängte, flohen sie in Massen. Die Urbanisierung konzentrierte die vordem kleinstädtische und dörfliche Judenheit in den Großstädten.

Lesen Sie in der Folge eine Zusammenstellung des weltweiten Antisemitismus, der, wie mehrfach erwähnt, keinesfalls eine “deutsche Spezialität” war.

Antisemitismus in der Schweiz

Juden wurden in der Schweiz lange Zeit stark diskriminiert. Seit ihrer Vertreibung im 15. Jahrhundert lebten nur noch wenige Juden dort; um 1800 waren es 553 Juden in den zwei Aargauer Dörfern Endingen und Lengnau. Sie wurden rechtlich stark benachteiligt, mussten erhöhte Zölle und einen Leibzoll zahlen, durften kein Handwerk ausüben und keinen Boden besitzen. Zahlreiche Sondergesetze bezeichneten Juden als „gottlosen Schwarm“ oder „Pestilenz“.

Antisemitismus in Frankreich

1869 erschien in Paris die Schrift Le juif, le judaïsme et la judaisation des peuples chrétiens („Die Juden, der Judaismus und die Judaisierung der christlichen Völker“) von Henri Roger Gougenot des Mousseaux, das im Blick auf die Damaskusaffäre von 1840 die antijüdische Ritualmordlegende propagierte. Das Buch ließ das Thema “Allianz von Juden und Freimaurern zur Weltbeherrschung” aufleben. PapstPius IX. verlieh dem Autor für das Buch einen hohen kirchlichen Orden.

1878 veröffentlichte die Zeitschrift Le Contemporain einen Brief Barruels von 1806: Ein italienischer Offizier habe ihn auf eine Verschwörung der Juden aufmerksam gemacht, die den Illuminatenorden kontrollierten. Er habe daraufhin seinen fertigen fünften Band zu Verschwörungen der Juden unveröffentlicht gelassen, um kein Pogrom auszulösen.

Édouard Drumont (1844–1917) veröffentlichte 1886 das zweibändige Werk La France juive, das Grundlagenwerk des modernen Antisemitismus in Frankreich. Es erschien 1886 auch in deutscher Übersetzung.

Zusammen mit Drumont gründete der Marquis de Morès (1858–1896) 1889 die Ligue antisémitique de France und organisierte 1890 den ersten Antisemitenkongress in Neuilly-sur-Seine (an Morès’ Begräbnis nahm auch der damalige Pariser Erzbischof de la Vergne teil).

1894 zeigte die Dreyfus-Affäre, wie stark der Antisemitismus im französischen Militär und in der Justiz verankert war: Französische Offiziere und Richter, unterstützt von Monarchisten und strenggläubigen Katholiken verurteilten den Hauptmann Alfred Dreyfus, Elsässer und Jude, aufgrund gefälschter Papiere wegen Landesverrats.

Während der Occupation 1940 bis 1944 dominierten erneut antidemokratische und antisemitische Tendenzen. Das Vichy-Regime beteiligte sich aktiv an Inhaftierung und Deportation französischer Juden in die deutschen Vernichtungslager.

Antisemitismus in Frankreich

290 war England das erste Land in Europa, das die Juden vollständig aus dem Land wies. Den Juden wurde bei Androhung der Todesstrafe die Rückkehr verwehrt. Die Anordnung des Königs Eduard I. wurde am 18. Juli 1290 verkündet. Am 12. Oktober begann die Vertreibung, die am Ende des Monats dem königlichen Erlass gemäß abgeschlossen wurde. Die Schätzungen zur Anzahl der Betroffenen schwanken zwischen zwei- und fünftausend Personen.*

* Ira Katznelson, Barry Weingast: Preferences and Situations.ISBN 978-0-87154-442-1, S. 88 f

Schon Jahrzehnte zuvor spitzte sich die Diskriminierung und Verfolgung der Juden zu. Sie wurden des Ritualmordes und der Hostienschändung angeklagt, galten als Christusmörder und wurden als Geldverleiher gehasst, geschlagen und gelyncht. Dieser Hass hinterließ tiefe Spuren, die noch Jahrhunderte nachwirkten. Als Antithese zum Christentum waren Juden noch immer in den Predigten präsent.

Obwohl die Engländer keine Juden mehr gesehen hatten, spielten noch 300 Jahre später zu Zeiten Shakespeares Juden „wie Wölfe in neuzeitlichen Kindergeschichten eine starke symbolische Rolle in der Ökonomie der Imagination“.

Sehr anschaulich wurde der Antisemitismus in England in der Literatur. Dazu zählen die über England hinaus bekannten Stücke Der Jude von Malta von Christopher Marlowe und Der Kaufmann von Venedig von William Shakespeare. Die Figur des Juden Shylock war Hauptfigur des Themas und vieler antisemitischer Stereotype, obgleich die Figur nicht die Hauptfigur des Stückes war. Der Kaufmann von Venedig wird heute als eine Reaktion Shakespeares auf die damalige Fremdenfeindlichkeit interpretiert. Marlowes Der Jude von Malta galt als Massenspektakel in der Londoner Metropole.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts begannen die Juden, zurückzukehren. Um 1750 lebten circa 8000 Juden im Land, die jedoch etlichen Beschränkungen (Ausschluss vom Seehandel, Verbot des Ankaufs von Land und verwehrter Zugang zu öffentlichen Ämtern) unterlagen. Ein Einbürgerungsgesetz (jewish naturalization act) des Whig-Premierministers Henry Pelham traf auf erbitterten Widerstand der Tory-Opposition und der Öffentlichkeit.

Der Romanschriftsteller und zweifache britische Premierminister Benjamin Disraeli (1804–1881) galt als der erste Jude in England, der den „Eintritt in die Gesellschaft“ geschafft hatte. Er vertrat gegenüber dem Rassismus des Adels einen extremen jüdischen Chauvinismus. Als „Ausnahmejude“ beflügelte er viel antisemitische Klischees, indem er nach Hannah Arendt öffentlich sagte, „was die anderen nur im Geheimen oder Privaten hofften und meinten“.**

** Hannah Arendt: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Dort: Die Karriere Benjamin Disraelis. Piper 4. Aufl. von 1986, München 1995, S. 131 ff., Zitat: S. 136.

Während des Zweiten Burenkriegs von 1899 bis 1902 kam Antisemitismus in breiter Front auf der Seite der liberalen und linken Kriegsopposition zum Ausdruck. Hierbei wurde der Krieg als im Interesse von „jüdischer Finanz“ geführter „Judenkrieg“ bewertet. Zentrales Motiv der antisemitischen Vorurteile war seine Verbindung mit einer Germanophobie. Dies reichte von undifferenzierter Unterstellung prodeutscher politischer Sympathien über Verschwörungstheorien bis hin zur Gleichsetzung aller Juden mit Deutschen sowie der besonders negativen Darstellung deutscher Juden.**

*** Jago Salmon auf der Seite des Instituts für Auslandsbeziehungen: Wird Großbritannien antisemitisch? (Memento des Originals vom 29. Juni 2009 im Internet Archive)

Antisemitismus in Italien

1775 hatte Papst Pius VI. ein Edikt über die Juden erlassen, das sämtliche judenfeindlichen Gesetze des Mittelalters sammelte und für die Juden im Ghetto des Kirchenstaates in Rom bekräftigte. 1797 wurden diese Judengesetze im Zuge der militärischen Besetzung Roms durch französische Truppen aufgehoben. Daraufhin ersetzten Vatikantheologen die frühere Idee einer päpstlichen Schutzpflicht für die Juden immer mehr durch die Annahme, die Christen vor dem angeblichen zunehmenden und verderblichen Einfluss der Juden schützen und die jüdische Emanzipation abwehren zu müssen.

Seit 1890 propagierten fast alle katholischen Zeitungen Italiens, darunter der vatikanische Osservatore Romano,**** kampagnenartig die angebliche jüdische Kultur- und Weltbeherrschung. Das Jesuitenorgan La Civiltà Cattolica begann 1890 eine Artikelserie zur „jüdischen Frage“ und erklärte diese zur „Überlebensfrage“ der christlichen Welt. Die Juden seien als Ausbeuter der Christen untereinander eng verbunden; gegen ihre „Verschlagenheit und Übermacht“ gebe es kaum Gegenmittel. Ihre Enteignung und Verbannung seien gleichwohl falsch: Maßvolle Gesetze müssten ihren unaufhaltsamen Aufstieg bremsen und sie selbst vor der „Rache der Völker“ schützen.

**** David I. Kertzer: Die Päpste gegen die Juden. Propyläen, 2001, ISBN 3-549-07147-7.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts war der Antisemitismus verstärkt auch in Italien anzutreffen. In der katholischen Kirche in Italien und der mit ihr verbundenen Presse erschienen die Juden nicht nur als Mörder Christi, sondern auch als Symbol aller als bedrohlich empfundenen Entwicklungen der Moderne wie Liberalismus, Kapitalismus, Freimaurerei und Sozialismus. In der katholischen Kirche in Italien (und in anderen Ländern) herrschte damals der Antimodernismus. 1921 erschienen erstmals auf Italienisch die Protokolle der Weisen von Zion, eine antisemitisches Schrift, die eine jüdische Weltverschwörung belegen sollte.

Nach dem Abessinienkrieg und der „Achse Rom-Berlin“ 1936 machte Mussolini Zugeständnisse an den Nationalsozialismus. Ein „Rassenmanifest“ seiner Partei PNF sprach 1938 von einer „reinen italienischen Rasse“, die „arischen Ursprungs“ sein sollte.

Corriere della Serra, 11. November 1938

Im Herbst 1938 verboten die italienischen Rassengesetze Personen mit einem jüdischen Elternteil die Ehe mit „Ariern“, Bekleidung öffentlicher Ämter und Beschäftigung „arischer“ Angestellter. Weitere Gesetze verboten ihnen den Besitz von Radiogeräten, den Besuch von Bibliotheken und Schulen zusammen mit Nichtjuden.*****

***** Dolomiten: Die Rassenschutzgesetzgebung, 12. November 1938, Digitalisierte Ausgabe in der Landesbibliothek Dr. Friedrich Teßmann Bibliotech Provinziela/Biblioteca Provinciale

Antisemitismus in Spanien

Spanien hatte sein „Judenproblem“ schon gegen Ende des Mittelalters gelöst. Nach dem Ausweisungsedikt vom 31. März 1492 mussten alle Juden, sofern sie sich nicht taufen ließen, binnen dreier Monate das Land verlassen. Der Hintergrund. Die Juden traten sehr häufig als Statthalter (Verwalter) der Mauren in christlichen Gebieten auf: Dort herrschten sie stellvertretend für die moslemische Besatzermacht, und sorgten dafür, dass Verstöße gegen die Scharia gnadenlos verfolgt und zahllose Christen hingerichtet wurden. Die konvertierten Juden (marranos) wurden dennoch weiterhin als Juden betrachtet und der Zusammenarbeit mit ihren früheren Glaubensbrüdern verdächtigt. Was durchaus seine Berechtigung hatte: denn die zum Christentum konvertierten Juden taten dies sehr häufig nur zum Schein. (Kryptojuden)

Später waren Juden und marranos immer wieder Opfer der Inquisition. So wurden im Jahr 1680 bei einem Autodafé in Madrid 86 Juden verbrannt. Mit dem Nachweis der Blutreinheit (Limpieza de sangre), einer Verbindung von Antisemitismus und Rassismus (Estatutos de limpieza de sangre, erstmals in Toledo 1449 niedergelegt), bis zu einem 16-tel jüdischen Erbanteils sollte einer Integration der Konvertiten vorbeugt werden.

„Erstmalig in der europäischen Geschichte trat hier eine Argumentationsfigur auf, bei der man sich auf die rassenbiologische, durch individuelle Wahl nicht beeinflussbare Andersartigkeit berief.“

Karin Priester: Rassismus. Eine Sozialgeschichte, Reclam, Leipzig, 2003, ISBN 3-379-20076-X, S. 24.

Vom 16. Jahrhundert bis Anfang des 19. Jahrhunderts war zur Erlangung eines höheren Amtes die Vorlage eines reinen Stammbaums, ähnlich dem Ariernachweis, erforderlich. Im Jahr 1796 empfahl der Finanzminister Don Pedro Varela, der sich von einer jüdischen Einwanderung eine wirtschaftliche Belebung und Konsolidierung der nach dem Krieg gegen Frankreich schwachen Finanzlage versprach, die Aufhebung des Niederlassungsverbotes. 1802 bestätigte Karl IV., unter anderem auf Drängen des Klerus, erneut das Niederlassungsverbot. Ab 1876 wurden die Juden in Spanien dann geduldet. In religiöser Hinsicht waren sie dennoch weiter diskriminiert, denn nach Artikel 11 der Verfassung von 1876 war jede „religiöse Kundgebung“ außer der katholischen verboten. 1909 wurde Artikel 11 aufgehoben.

Antisemitismus in Portugal

Auf Druck Kastiliens und der Inquisition mussten sich Juden unter König Manuel I. 1496/97 taufen lassen oder wurden (zusammen mit Muslimen) vertrieben. Auch die Marranen genannten Neuchristen waren verschiedenen Diskriminierungen unterworfen, beispielsweise waren ihnen öffentliche Ämter sowie das Einheiraten in adlige Familien untersagt. Die Situation verbesserte sich während der Personalunion Portugals mit Spanien, und während des Restaurationskrieges bzw. nach der Wiederherstellung der portugiesischen Unabhängigkeit 1640 wurde verstärkt um Investitionen jüdischer Geschäftsleute geworben. Ab 1800 nahm ihre Zahl allmählich zu.

1914 entstand die gegen die Republik gerichtete Bewegung des Integralismo Lusitano. Dessen Chefideologe António Sardinha (1887–1925) veröffentlichte 1915 O Valor da Raça („Die Bedeutung der Rasse“), in dem er judenfeindliche Vorwürfe erhob, die Verhinderung einer Vermischung durch die „mittelalterliche und christliche Monarchie“ positiv hervorhob und diese der „Verunreinigung“ im Gefolge der portugiesischen Entdeckungen des 16. Jahrhunderts gegenüberstellte. In den 1921 bzw. 1925 publizierten Werken Portugal Cristão Novo ou Os Judeus na República und A Invasão dos Judeus von Mário Saa (1893–1971) wird den Juden vorgeworfen, sie hätten die portugiesische Gesellschaft mit ihrem Blut „verseucht“, alle staatlichen Institutionen unterwandert und entsprechend ihren vermeintlichen Weltverschwörungs- und Vernichtungsplänen die „Dekadenz“ der christlichen und „arischen“ Kultur betrieben.

Antisemitismus in der islamischen Welt

Im Koran wird den Juden vorgeworfen, sie hätten den Bund mit Allah und den Muslimen gebrochen: „… und weil sie ihre Verpflichtung brachen, haben wir sie verflucht“ (Sure 5:13; auch 4:46; 4:155;). Außerdem gelten die Juden als betrügerisch, „… und (weil sie) Zins nahmen, wo es ihnen doch verboten war, und die Leute in betrügerischer Weise um ihr Vermögen brachten. Für die Ungläubigen von ihnen haben wir (im Jenseits) eine schmerzhafte Strafe bereitet“ (Sure 4:161; Sure 2:100; Sure 9:34;). In Sure 9:29 wird zum Kampf gegen diese „Ungläubigen“ aufgerufen, bis sie die Dschizya (eine Sondersteuer) entrichten. Zahlten sie, waren sie als Dhimmi zwar marginalisiert, aber vor Verfolgung geschützt.[

:Michael Kiefer: Islamisierter Antisemitismus. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 3: Begriffe, Ideologien, Theorien. De Gruyter Saur, Berlin 2008, ISBN 978-3-598-24074-4, S. 134

In der islamischen Welt kam es aus unterschiedlichen Gründen mehrmals zu Judenverfolgungen: In Fez massakrierte man im Jahre 1033 über 6000 Juden, weil der Mob argwöhnte, der Sultan würde sie bevorzugen, und beim Massaker von Granada kamen um die 4000 Juden ums Leben. Anlass war hier der Hochmut des jüdischen Wesirs Joseph ibn Naghrela. Hinzu kamen gewalttätige Vertreibungen wie 1016 in Kairouan, 1145 in Tunis oder 1232 in Marrakesch.

Steven K. Baum: Antisemitism Explained, University Press of America, 2012, ISBN 978-0-7618-5578-1, S. 27.Steven K. Baum: Antisemitism Explained, University Press of America, 2012, ISBN 978-0-7618-5578-1, S. 27.

Im Jahr 1790 ordnete Moulay Yazid einen Pogrom gegen die Juden von Tetouan und anderen Städten an, die ihm Kredite verweigert hatten.

Die Revolution der Jungtürken 1908 begünstigte dann eine weitere Ausbreitung antisemitischer Verdächtigungen, namentlich von Verschwörungstheorien. Der jungosmanische Autor Ebüzziya Tevfik denunzierte den Reformkurs des Komitees für Einheit und Fortschritt, den er als unislamisch ablehnte, als das Werk jüdischer Verschwörer.

Die Protokolle der Weisen von Zion, eine 1903 entstandene Schrift, die jüdische Weltherrschaftspläne beweisen sollte, wurde in der islamischen Welt seit 1921 rezipiert.

Großmufti Amin al-Husseini im Gespräch mit Adolf Hitler. Aufnahme vom November 1941

Ende der 1920er Jahre initiierte der Großmufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husseini (1893–1974) eine relativ intensive Zusammenarbeit islamistischer und nationalistischer Kreise. Während des Zweiten Weltkriegs stellte er sich ganz offen für die nationalsozialistische Propaganda zur Verfügung und hielt im Radio Hetzansprachen gegen Juden. Auf Konferenzen der Muslimbruderschaft fanden schon 1938 Übersetzungen der Protokolle der Weisen von Zion Verbreitung.

Armin Pfahl-Traughber, Antisemitismus im Islamismus, Bundeszentrale für politische Bildung. Abgerufen am 29. April 2017.
Olaf Farschid, Antisemitismus im Islamismus. Ideologische Formen des Judenhasses bei islamistischen Gruppen (Memento des Originals vom 24. September 2015 im Internet Archive)

Antisemitismus in der Türkei

Im Sommer 1934 wurde die jüdische Bevölkerung in Ostthrakien Opfer kollektiver Gewalt, anschließend wurde sie vertrieben. Örtliche Behörden wiesen die Juden an, binnen weniger Tage ihre Geschäfte abzuwickeln und ihre Unterkünfte zu verlassen, was auch geschah. Viele ließen ihren Besitz zurück oder mussten ihn zu Schleuderpreisen an einheimische Türken verkaufen; einige konnten ihre bewegliche Habe mitnehmen. Man schätzte die Zahl der Vertriebenen auf bis zu 10.000 Menschen; offizielle türkische Angaben behaupteten 3.000 Vertriebene.

Bundeszentrale für politische Bildung (2014): Die Vertreibung der türkischen Juden aus Thrakien 1934

Antisemitismus in den Niederlanden

Ab 1924 entstand hier eine rechtsautoritäre Strömung mit teilweise faschistischen Positionen, die Nationale Unie. 1931 gründeten Cornelis van Geelkerken (1901–1979) und Anton Mussert (1894–1946) in Utrecht die Nationaal-Socialistische Beweging (NSB), die sich mit ihrem Führerprinzip an Mussolini anlehnte und wie dieser keinen ausgeprägten Antisemitismus vertrat. Auch Farbige und Juden konnten zunächst dort Mitglieder werden. Ihr Ziel, ein „großniederländisches“ Reich, wurde bis 1936 von etwa acht Prozent Niederländern unterstützt.

Innerhalb der Partei wuchs eine völkische Fraktion mit starker Sympathie für Hitler und den Antisemitismus. Mit Rücksicht auf sie verkündete Parteiführer Mussert 1937 die vollständige Übernahme der nationalsozialistischen Rassenideologie; ab 1938 schloss die NSB jüdische Mitglieder aus. Hohe Parteifunktionäre begrüßten den Anschluss Österreichs an das „Großdeutsche Reich“ und pflegten enge Kontakte zum NS-Regime.

Antisemitismus in Skandinavien

In Dänemark kam es 1819 fünf Monate lang zu antijüdischen Ausschreitungen in Kopenhagen und anderen Städten gegen jüdische Geschäfte, Wohnhäuser und Personen. Diese folgten unmittelbar den deutschen Hep-Hep-Unruhen. 1849 erhielten die Juden die bürgerliche Gleichberechtigung und wurden ohne Störungen integriert.

In Schweden wurden antijüdische Sondergesetze langsamer abgebaut: 1870 blieben den Juden aber nur noch der Reichsrat und Ministerämter verwehrt.

In Norwegen wurde Juden der Zuzug bis 1851 ganz verboten. Ein antisemitischer Rassenhass war jedoch in keinem der drei Staaten feststellbar.

In Finnland gestattete Schweden bis 1809 und später Russland keine jüdische Ansiedlung. 1880 begann eine zehnjährige Debatte um die Emanzipation der Juden, bei der ein Teil der Presse sich für die Einführung von Reformen zugunsten der Juden einsetzte, was reaktionäre Stimmen und Klerus ablehnten. Bis 1919 unterlagen die finnischen Juden etlichen Berufs- und Aufenthaltsbeschränkungen; am 17. Juli 1919 trat eine neue Verfassung in Kraft.

Obwohl in Island immer nur eine Handvoll Juden lebten, existierte ein erstaunlich hoher Antisemitismus. Das isländische Parlament lehnte 1853 eine Bitte des dänischen Königs nach freiem Ansiedlungsrecht und Religionsausübung zuerst ab. Während des Zweiten Weltkriegs verweigerte das Land nicht nur Juden Visa, sondern wies diese auch nach Deutschland aus.

Vilhjálmur Örn Vilhjálmsson: Iceland, the Jews, and Anti-Semitism 1625–2004

Erst unter dem Einfluss des Berliner Antisemitismusstreits kam es auch in Skandinavien unvermutet zu antijüdischen Reaktionen gegen die Judenemanzipation: So polemisierte der norwegische Theologe J.C. Heuch 1879 gegen den jüdischen Literaturhistoriker Georg Brandes, der in Anlehnung an Gotthold Ephraim Lessing einen humanistischen Fortschrittsglauben vertrat. Heuch sah das „glaubenslose Reformjudentum“ als gefährlichen Feind des Christentums, das auf dessen Ausrottung hinarbeite.

Ähnlich warnte auch der Kopenhagener Pastor Fredrik Nielsen 1880 vor dem „modernen Judentum“, das von Lessing, Moses Mendelssohn und Abraham Geiger inspiriertes Anti-Christentum sei. Beide hatten jedoch kaum eine nachhaltige Wirkung auf das Geistesleben ihrer Länder.

Antisemitismus in Polen

In den Jahren um 1848 hatten sich die Juden Kongresspolens erneut als „glühende Patrioten“ gezeigt und für Unabhängigkeit Polens gekämpft, von der sie sich auch ihre Gleichstellung erhofften. 1862 kam es in Warschau nach gemeinsamen Aufständen gegen die russische Herrschaft zu Verbrüderungen von Christen und Juden, die ihre Gefallenen gemeinsam bestatteten. Der Graf Aleksander Wielopolski verbesserte daraufhin ihre Rechtslage: Sie durften Immobilien erwerben, wurden als Zeugen vor Gericht zugelassen und mussten keine Sondersteuern mehr zahlen.

Doch nach dem Scheitern des polnischen Aufstandes 1864 war den Juden Polens die Perspektive der Emanzipation verstellt, während das Wohlstandsgefälle weiter bestand. Nun gewann allmählich eine Ablehnung der Juden an Boden, da diese die Assimilation angeblich verweigerten und man ihnen eine durch ihre Religion bedingte Abschottung unterstellte.

Auf die russischen Pogrome von 1881 reagierte das polnische Bürgertum überwiegend empört und schloss ähnliche Gewaltakte für Polen aus. Doch schon am 25. Dezember jenes Jahres kam es in Warschau zu einer tagelangen Plünderung des Judenviertels, nachdem bei einer Massenpanik in einer katholischen Kirche 28 Menschen zu Tode kamen und ein Gerücht Juden dafür verantwortlich machte. Nun schrieb die Warschauer Prawda:

„Das polnische Volk hasst die Juden aus religiösen und Rassengefühlen.“

Dieser Hass traf vermehrt Juden, die damals ohne Kenntnis polnischer Kultur aus Russland flohen und die wirtschaftliche Konkurrenzsituation zu den ebenfalls unterdrückten Polen verschärften. Das löste auch bei liberalen Intellektuellen häufige Sorgen vor „Überfremdung“ aus.

1878 erschienen mit der Schrift Żydzi, Niemcy i my („Juden, Deutsche und wir“) des Journalisten Jan Jeleński (1845–1909) eine erste antisemitische Publikation in Polen.[168] 1887 gründete sich im Schweizer Exil die Liga Narodowa (Nationale Liga) als Geheimbund gegen die russische Fremdherrschaft. Daraus ging 1897 die Partei Narodowa Demokracja (Nationale Demokratie) hervor. Sie suchte bald sozialen und ökonomischen Fortschritt durch Kompromisse mit den Russen auf Kosten der polnischen Juden und Deutschen zu erreichen. Ihr führender Ideologe, Roman Dmowski, schrieb 1903:

„Ein nationaler Organismus darf nur das aufsaugen, was er sich zu eigen machen und in eine Vermehrung des Wachstums und der Stärke des Gesamtkörpers umsetzen kann. Ein solches Element sind die Juden nicht… die Aufsaugung einer größeren Menge dieses Elements [würde] uns verderben […], durch Elemente des Zerfalls jene jungen schöpferischen Keimzellen ersetzen […], auf welchen wir unsere Zukunft bauen.“

Die nationale Intoleranz sei Folge des Duldens der Juden, da diese unfähig zur Integration seien. Diese Motive des völkischen Antisemitismus griffen nun in Polen wie in Deutschland 20 Jahre zuvor um sich.

Polnische Ausgabe des Protokolls der Weisen von Zion

Bei den polnischen Bauern waren neben nationalen alte religiöse Motive für neuen Judenhass wirksam. Besonders in Posen und Galizien stachelte sie meist der katholische Klerus, die Dorfpriester, gegen die Juden auf. Man denunzierte sie nach ersten Streikwellen und der Russischen Revolution 1905 als heimliche Drahtzieher des sozialrevolutionären Umsturzes. 1911 schrieb z. B. die Lemberger Gazeta Niedzielna:

„Das sollt ihr nicht erleben, ihr Herren Juden. Nur eines werden wir euch erleichtern, […] dass ihr so schnell wie möglich euch aus unserem Lande begebt. Wer mit uns bleiben will, der nehme unseren Glauben an und werde Pole…“

So bildeten Katholizismus und Nationalismus auf dem Land weithin eine antijudaistische, antidemokratische und antisozialistische Einheit.

Auf jüdischer Seite verstärkte dies die Bindung an eigene Tradition und Religion, Hinwendung zum Zionismus und zum proletarischen Sozialismus. Viele Juden lehnten bis 1914 ein unabhängiges Polen ab, weil dieser Nationalstaat ihnen nur größeren Assimilationsdruck versprach. Als Polen 1918 unabhängig wurde, änderte sich dies rasch: Die Zionisten bildeten einen „Nationalrat“, der als Partei für den Sejm (das polnische Parlament) kandidierte und dort die Gleichberechtigung aller Juden Polens – etwa zwei Millionen – forderte. Diese wurde 1930 realisiert.

Doch seit dem polnisch-sowjetischen Krieg 1920 wuchs in Polen der offene Antisemitismus. Polens Bischöfe veröffentlichten einen Hilferuf an die Katholiken in aller Welt, in dem sie das Judentum mit dem Bolschewismus gleichsetzten:

„Das wahre Ziel des Bolschewismus ist die Welteroberung. Die Rasse, welche die Führung des Bolschewismus in ihren Händen hat, hat schon in der Vergangenheit die Welt mittels des Goldes und der Banken unterworfen, und jetzt, getrieben durch die immerwährende imperialistische Gier, die in ihren Adern pocht, zielt sie schon auf die endgültige Unterwerfung der Nationen unter das Joch ihrer Herrschaft… Bolschewismus ist in Wahrheit die Verkörperung und Fleischwerdung des Antichrist auf Erden.“

Der antisemitische Priester und Parlamentarier Kazimierz Lutosławski denunzierte die Juden als Werkzeuge der Russifizierung und Germanisierung und lastete ihnen die Demoralisierung des Volkes, seiner Arbeitskraft, Entchristlichung der Kultur, kurz: die „Vergiftung der Volksseele“ Polens an.

Für die Zeit zwischen den Weltkriegen: Heiko Haumann: Geschichte der Ostjuden. Deutscher Taschenbuch Verlag, 1998, ISBN 3-423-30663-7, S. 196 ff.

Unter anderem auf dem Hintergrund dieser verbreiteten antisemitischen Stereotype, die der katholische Klerus und die nationalkonservativen Parteien stützten und propagierten, wurden Juden von Polen während der deutschen Besetzung dann kaum verteidigt und z. B. 1941 in Jedwabne von den Dorfbewohnern ermordet. Im Herbst 1946 – also nach der “Befreiung” Polnes durch die UDSSR – kam es in Kielce und anderen polnischen Orten erneut zu Pogromen an Juden, die den Holocaust überlebt hatten.

Antisemitismus in Litauen

Die in Litauen ansässigen Juden waren ab Mitte des 15. Jahrhunderts wirtschaftlich sehr erfolgreich, was im Jahr 1485 erstmals zu nennenswerten Spannungen führte. Litauen war eines der Zentren jüdischer Kultur in Osteuropa mit eigenen Schulen, einer großen Bibliothek und zahlreichen Toraschulen.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wandte sich ein immer größerer Bevölkerungsteil gegen die wirtschaftliche Vormachtstellung der Juden, was 1764 zum Ende der etwa zweihundert Jahre praktizierten jüdischen Selbstverwaltung führte.

In den ersten Jahren nach der litauischen Unabhängigkeit 1918 genossen Juden noch beachtliche Privilegien (eigenes Schulsystem, Recht auf freie Benutzung der eigenen Sprache, Anerkennung des Sabbat (Sabbatobservanz), ein Ministerium für jüdische Angelegenheiten sowie die Gleichstellung der Rabbiner mit anderen Geistlichen). 1924 wurden, nach dem Erstarken der nationalistischen Partei, die jüdische Gemeindeverwaltung unter staatliche Aufsicht gestellt, das Ministerium für jüdische Angelegenheiten aufgelöst und die jüdische Autonomie für innere Angelegenheiten weitgehend eingeschränkt. Unter der autoritär-nationalistischen Regierung Antanas Smetonas verschlechterte sich die Situation der Juden weiter.

Antisemitismus in Lettland

Während die jüdische Bevölkerung in den Provinzen Kurland und Semgallen auch nach der Einverleibung in das russische Reich 1795 ihre Eigenständigkeit weitgehend beibehalten konnte, wurde den Juden in der Provinz Livland verboten, Handel zu treiben oder Abgaben und Zölle zu erheben. 1785 kam es unter russischer Oberhoheit zur Gründung der ersten jüdischen Gemeinde in Livland. Ab 1822 wurde den Juden erlaubt, in Riga zu wohnen und Handel und Gewerbe zu treiben.

Antisemitismus in Russland, Ukraine, Sowjetunion

Im Russischen Reich gab es anfangs kaum Judengemeinden. Dennoch übernahm die orthodoxe Staatskirche neben antikatholischer Polemik den traditionellen Antijudaismus der Patristik, etwa von Johannes Chrysostomos. Die Ikonenmalerei enthielt auch antijüdische Motive. Im Zuge der russischen Ausdehnung nach Westen wurden die Juden Polens oft als Katholikenfreunde betrachtet und grausam verfolgt, so 1563 durch Iwan IV. in Polazk.

Der ukrainische Aufstand von 1648 unter Führung des Kosaken-Hetmans Bohdan Chmelnyzkyj richtete sich zwar gegen die Herrschaft des polnischen Adels in den ukrainischen Gebieten Polen-Litauens, doch ein großer Teil seiner Opfer waren Juden. Jüdische Opfer werden auf eine Zahl zwischen 10.000 und 200.000 geschätzt. Während der Aufstand in der ukrainischen Geschichtsschreibung als Akt des nationalen Heldentums gilt, sieht die jüdische Geschichtsschreibung darin den ersten Vorläufer der großen neuzeitlichen Judenmorde.

Durch die Türkenkriege und drei Teilungen Polens im 18. Jahrhundert gelangten zahlreiche Judengemeinden in den eroberten Gebieten unter russische Herrschaft. 1790 verbot Katharina II. Juden nach anfänglicher Toleranz den Kaufmannsberuf und erlegte ihnen doppelte Steuern auf, um die Moskauer Kaufleute vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. Gleichwohl mussten sich die leibeigenen Bauern häufig beim jüdischen Kleinbürgertum verschulden, um die hohen Auflagen ihrer Grundherren auszugleichen. Auf dieser Basis kam es schon 1825, dann erneut 1841 und 1871 in Odessa zu Ausschreitungen gegen die Juden der Region. Die auf dem Land verbreitete Judenverachtung spiegelt sich auch in der damaligen Literatur, etwa in Turgenews Aufzeichnungen eines Jägers (1852).

Zar Nikolaus I. (1796–1855, 1825 bis 1855 Kaiser von Russland und 1825 bis 1830 letzter gekrönter König von Polen) betrieb eine harte antijüdische Politik: 1835 begrenzte er den Hauptwohnsitz der Juden im Russischen Reich auf den sogenannten Ansiedlungsrayon (Tscherta osedlosti), dieser umfasste 15 Gouvernements des Kernreichs und zehn weitere im Königreich Polen. Die orthodoxe Staatskirche begrüßte diese Ghettoisierung als Chance zur konzentrierteren Judenmission; der konservative russische Adel und das Großbürgertum sahen darin eine willkommene Abwehr des parlamentarischen „Virus“ aus Westeuropa.

Die 1861 erfolgte „Bauernbefreiung“ von Alexander II. (Kaiser von 1855 bis 1881) gestattete ehemals leibeigenen Bauern den Landerwerb, was Gebildeten und Begüterten – darunter relativ vielen Juden – eher zugutekam. Dies vergrößerte den Neid und Judenhass der einfachen Bevölkerung noch. Ihre Vorurteile vertrat auch Dostojewski in seinem einflussreichen Tagebuch eines Schriftstellers 1877:

„Da kam nun der Befreier und befreite das autochthone Volk – und was nun: Wer stürzte sich als Erster darauf als ein Opfer, wer benutzte vorzugsweise seine Laster, wer umwand es mit seinem ewigwährenden goldenen Gewerbe, wer ersetzte sogleich, wo er nur konnte und gelegen kam, die abgeschafften Gutsherren? Mit dem Unterschied, dass die Gutsherren, wenn sie die Leute auch stark ausgebeutet hatten, dennoch bestrebt waren, ihre Bauern nicht zugrunde zu richten, meinetwegen um ihrer selbst willen, um ihre Arbeitskraft nicht zu erschöpfen; aber den Hebräer kümmert die Erschöpfung der russischen Kraft nicht, er nahm das Seine und ging…“

Erst unter Alexander II. durften einige reiche russische Juden außerhalb der Ghettos wohnen und ihre Kinder auf höhere Schulen schicken. Seine Ermordung am 1. März 1881 aber löste eine Pogromwelle aus: Staatlich lancierte Gerüchte lasteten den Mord und die schlechte Versorgungslage der jüdischen Minderheit an, um den Unzufriedenen ein Ventil für das Ausbleiben einer vom Zaren versprochenen Landreform zu öffnen. In den Folgemonaten verwüsteten und plünderten arbeitslose verarmte Bauern, die sich dabei auf einen angeblichen Zaren-Befehl beriefen, über 100 jüdische Gemeinden vor allem in der Ukraine. Die Behörden blieben untätig, und die christliche Stadtbevölkerung duldete die Übergriffe. Nur wenige orthodoxe Kleriker versuchten, die Bauern von den Exzessen abzubringen.

Zar Alexander III. (er regierte von 1881 bis 1894) verordnete dann am 3. Mai 1882 die so genannten Maigesetze, die die Juden an freier Berufswahl und Gewerbefreiheit hinderten und vielfach in noch größere Armut stürzten. Der Prozentanteil jüdischer Gymnasiasten wurde auf 10 % beschränkt. Sie lösten die erste Alija (Einwanderungswelle) von Juden nach Palästina aus.

Gerade in der Priesterschaft griff die judenfeindliche Hetze um sich. Bildungsrückstand und traditionelle Verbindung von staatlicher Despotie und Kirche trugen dazu bei. So fand die Ritualmordanklage im 19. Jahrhundert gerade in Russland prominente Fürsprecher und Popularität. Seit 1881 kam die Gleichsetzung des Judentums mit revolutionären Umtrieben hinzu, die wegen der Bildung einer jüdischen sozialistischen Partei und des relativ hohen Anteils von Juden in der russischen Sozialdemokratie plausibel wirkte. Die Gegenrevolutionäre vereinten sich in Gruppen wie dem Bund des russischen Volkes oder dem Erzengel-Michael-Bund, die unter orthodoxen Priestern viel Zulauf hatten. Diese Kreise produzierten und veröffentlichten die Hetzschrift Protokolle der Weisen von Zion, durch die bis heute antisemitisches Gedankengut weltweit verbreitet wird.

Die zweite große Pogromwelle wurde wahrscheinlich von solchen Gruppen organisiert. Sie begann am Osterfest 1903 in Kischinjow und griff rasch auf Gomel, dann Hunderte weiterer Orte über. Der gesetzlich vorgeschriebene Eingriff des Militärs unterblieb, und die Regierung stellte die Pogrome als „spontane Racheakte“ der christlichen Bevölkerung an jüdischen Revolutionären hin. Das wiederholte sich während der russischen Revolution 1905.

1903 erschienen erstmals die Protokolle der Weisen von Zion als Flugschriften auf Russisch, um die Bevölkerung zu Pogromen gegen Juden aufzuhetzen. 1905 gab Sergej A. Nilus sie als Anhang in seinen Büchern heraus; der Text stammte vom zaristischen Geheimdienst Ochrana und fasste dessen antisemitische Motive zusammen.

Im Anschluss an ältere russische und französische Vorläufer und Vorlagen stellte diese Schrift eine Verbindung zwischen Sozialismus bzw. Bolschewismus, Kapitalismus, Freimaurerei und Zionismus her. Es führte neuzeitliche Revolutionen, Kriege und andere negativ gedeutete Ereignisse auf eine angebliche Geheimelite des Judentums zurück, die eine jüdische Weltherrschaft zum Schaden aller übrigen Völker anstrebe. Damit begründete es auch die Vorstellung eines jüdischen Bolschewismus.

Die Februarrevolution unter Alexander Fjodorowitsch Kerenski brachte allen Minderheiten, auch den Juden, 1917 die rechtliche Gleichstellung. 140 antijüdische Gesetze wurden aufgehoben. Doch im Russischen Bürgerkrieg nach der Oktoberrevolution kam es zu den bislang schwersten Pogromwellen in den von den „weißen“ Konterrevolutionären besetzten Gebieten. Dabei starben – vor allem in der Ukraine – etwa 60.000 Juden.

Danach waren Christen wie Juden der gleichen antireligiösen Staatspropaganda und Unterdrückung ausgesetzt. Die vorherige Gleichsetzung von Judentum und Kommunismus im orthodoxen Klerus sorgte mit dafür, dass die KPdSU die Synagogen nicht bevorzugte und ihre Lehrer wie die der Kirche für fortgesetzten Religionsunterricht mit Zwangsarbeit oder in Schauprozessen mit dem Tod bestrafte.

Im ersten Jahrzehnt nach der Revolution beschränkten sich die antijüdischen Aktionen des Staates hauptsächlich auf Aktivitäten gegen die Religion und deren Ausübung. Es gab z. B. Kampagnen gegen den Sabbat, gegen andere jüdische Festtage oder gegen das Backen von ungesäuertem Brot (Matze). Alle jüdischen Schulen, Hedarim wie Jeschiwoth, wurden geschlossen, religiöse Publikationen durften nicht mehr erscheinen, und es kam zu einigen publizitätsstarken Prozessen gegen säkulare wie religiöse jüdische Institutionen und deren Träger. Die Verhaftung, Verurteilung und Ermordung von Klerikern und die Schließung von Synagogen im größeren Umfang begann dann 1928. Die Verwischung der Grenzen zwischen Antisemitismus, Antizionismus und der Unterdrückung religiöser Lebensformen setzte erst Mitte der 1930er Jahre ein.*

* Hellmuth G. Bütow (Hrsg.): Länderbericht Sowjetunion (= Studien zur Geschichte und Politik; Bd. 263), Bundeszentrale für politische Bildung, 2. aktualisierte Auflage, Bonn, 1988, S. 581.

Stalin aktivierte den orthodoxen Antijudaismus seit 1936 gegen alle abweichenden Meinungen und Gruppen in der KPdSU, besonders gegen vermeintliche oder tatsächliche Trotzkisten. Zwar lockerte er seit 1941 einige der antireligiösen Gesetze, um den traditionellen christlichen russischen Patriotismus gegen den Überfall Hitlerdeutschlands und seiner Verbündeten zu mobilisieren. Davon waren die Judengemeinden jedoch ausgenommen, obwohl ihre Angehörigen die Heimat nicht minder aufopferungsbereit verteidigten. Russische Juden wurden häufig aus der Bevölkerung bei sowjetischen Behörden angezeigt bzw. denunziert[171] und den Besatzern ausgeliefert. Die Rote Armee unternahm anfangs nichts gegen die Ghettoisierung der polnischen Juden.

Etwa 2005 veröffentlichtes Archivmaterial u. a. des Zentralkomitee der KPdSU datiert den staatlich organisierten Antisemitismus auf 1938 (Kostyrtschenko 2005). Damals fragten führende Parteiorgane nach der angeblichen „Verunreinigung“ der Kader (Angestellten) im Volkskommissariat für Gesundheit: Die Hälfte der Familiennamen auf dieser Liste waren „jüdisch“ (siehe auch „Säuberung“). Von 1942 bis 1944 häuften sich innerparteiliche antisemitische Dokumente. In den Kriegsjahren ließ Stalin die Wirkungen dieses latenten Antisemitismus im Staatsapparat aus innen- und außenpolitischen Gründen möglichst bremsen.

Antisemitismus in der Tschechoslowakei

Mit dem im Zuge der nationalen Bewegungen des 19. Jahrhunderts einhergehenden Gegensatz zwischen Tschechen und Deutschen mussten die Juden sich für die Zugehörigkeit zu einer dieser Kulturen entscheiden. Integrationsbemühungen seitens der Tschechen führten zu einer verstärkten „Germanisierung“ der tschechischen Juden, sodass z. B. 1890 74 % der Prager Juden Deutsch als ihre Umgangssprache angaben.

Nach dem gescheiterten Versuch der Wiener Regierung, sowohl deutsch als auch tschechisch zur Amtssprache zu erheben, kam es im ganzen Land zu einem Sturm auf deutsche Institutionen und darauf folgenden antisemitischen Ausschreitungen. Großes Aufsehen erregte im Jahr 1899 die sogenannte Hilsner-Affäre, als in Nordböhmen ein ermordetes Mädchen aufgefunden wurde. Der Verdacht fiel auf den jüdischen Schustergesellen Leopold Hilsner, dem vorgeworfen wurde, das Mädchen aus rituellen Gründen ermordet zu haben, um ihr Blut beim Pessachfest zu benutzen. Hilsner wurde zum Tode verurteilt (später in eine lebenslange Haft umgewandelt).

Antisemitismus in Ungarn

In Ungarn entwickelte sich eine Stimmung, welche die reinrassige Kultur der Ungarn durch Juden gefährdet sah. Wegen der Teilnahme von Juden an der Revolution von 1918/19 wurde der Begriff „Judeobolschewik“ in der Bevölkerung verbreitet. Nach dem Zerfall der Monarchie wich der liberale, eher tolerante Nationalismus einem eher radikalen und autoritären, aus Antisemitismus, Nationalismus, Revanchismus und aggressiver Christlichkeit bestehenden Konservativismus. Ein Beispiel für diese Strömung ist der bis heute prominente christlichsoziale und antimodernistische Bischof von SzékesfehérvárOttokár Prohászka (1858–1927).

Gerhard Vilsmeier: Deutscher Antisemitismus im Spiegel der österreichischen Presse und ausgewählter Zeitungen in der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien. Die Jahre 1933 bis 1938. Peter Lang Verlag, Bern 1987, ISBN 978-3-8204-0007-6.

Antisemitismus in Rumänien

Beim Entwurf der Verfassung des 1861 ausgerufenen Königreichs Rumänien wurde 1866 überlegt, ob nicht die Juden ein Hindernis für Unabhängigkeit, Prosperität und Kultur des Landes wären. Artikel 7 („Nur Fremde christlichen Glaubens können rumänische Staatsbürger werden“.) grenzte diese Juden dann auch als Staatsbürger aus. Als der Berliner Kongress 1878 von Rumänien in den Artikeln 43 und 44 seines Schlussdokuments die Gleichberechtigung der Juden forderte, reagierte der Abgeordnete Vasile Conta am 5. September 1879:

„Wenn wir nicht gegen das jüdische Element kämpfen, sterben wir als Nation“.

Der Schriftsteller Ioan Slavici schlug gar Pogrome zur Lösung des Problems vor:

„Erwürgen wir sie, werfen wir sie in die Donau, damit auch nicht der kleinste Rest von ihnen übrig bleibt“.

Iulia Onac: „In der rumänischen Antisemiten-Citadelle“. Zur Entstehung des politischen Antisemitismus in Rumänien 1878–1914, Metropol-Verlag 2017, ISBN 978-3-86331-352-4

Die Regierung erließ über 200 Judengesetze, von denen etliche später dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland als Vorbild dienten

[Von 1900 bis 1906 emigrierten über 70.000 Juden in Richtung Amerika. Diese starke Abwanderung erregte die Weltöffentlichkeit und veranlasste die amerikanische Regierung zur Absendung der sogenannten Hay-Note im Jahr 1902, welche die europäischen Mächte auf die Missachtung des Berliner Vertrags durch Rumänien verwies.

Das nächste Aufflammen von Antisemitismus fand kurz nach dem Ersten Weltkrieg statt. 1923 hatte Corneliu Zelea Codreanu nach dem Vorbild des italienischen Faschismus die nationalistische, antisemitische Legion des Erzengels Michael (Legiunea Arhanghelul Mihail) gegründet, die sich ab 1931 Eiserne Garde nannte. Alexandru C. Cuza in Iași forderte 1926 und wieder 1935 im Namen einer Liga apararei nationale crestine (Liga der völkisch-christlichen Verteidigung) die Eliminierung (Entfernung) aller Juden, deren Gleichstellung nur durch die Pariser Vorortverträge 1920 von außen erzwungen worden sei.

Diese „Parasiten“ sollten irgendwo als Bauern angesiedelt werden, aber nicht auf Kulturboden und schon gar nicht in Palästina, das den Moslems und Christen gehöre. Es gäbe viel zu viele Juden an den rumänischen Universitäten, z. B. an seiner eigenen in Jassy.

A. C. Cuza: Das jüdische Problem in Rumänien und die Doktrin der „völkisch-christlichen Verteidigung“; in Hans Krebs, Otto Prager: Weltfront. Eine Sammlung von Aufsätzen antisemitischer Führer aller Völker. Weltfrontverlag, Aussig 1926, S. 56–59. Auch in der 2. Aufl. Nibelungen, Berlin/Leipzig 1935

Auch nach dem Tod Codreanus 1937 blieb die „Eiserne Garde“ aktiv, der Antisemitismus wurde ebenso in der Presse forciert.

Gerhard Vilsmeier: Deutscher Antisemitismus im Spiegel der österreichischen Presse und ausgewählter Zeitungen in der Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien. Die Jahre 1933 bis 1938. Peter Lang Verlag, Bern 1987, ISBN 978-3-8204-0007-6.

1940 kam es auf Druck der Nationalsozialisten zu einer Koalitionsregierung von General Ion Antonescu und Codreanus extrem antisemitisch eingestelltem Nachfolger Horia Sima, welche ein enges Bündnis mit Deutschland einging. Unter dieser Militärdiktatur wurden die rumänischen Juden dann besonders brutal verfolgt, wobei die Schätzungen über die Zahl der Ermordeten zwischen 300.000 und 400.000 schwanken.

Antisemitismus in Bulgarien

Im Jahr 1878 wurden im Unterschied zu Rumänien, wo sie bis nach dem Ersten Weltkrieg als meist Staatenlose der Willkür der Behörden preisgegeben waren, alle Juden eingebürgert. Nach 1878 gab es erstmals vereinzelte antisemitische Übergriffe. In den Jahren während des Ersten Weltkriegs sowie unter dem Regime von Aleksandar Zankow nach dessen Putsch 1923 wurden antisemitische Ideologien und Aktivitäten dagegen stärker.

Ein von der bulgarischen Regierung im Oktober 1940 verkündetes und im Januar 1941 verabschiedetes antisemitisches Gesetz zum Schutze der Nation führte zu massiven Protesten aus der Bevölkerung, von bekannten Intellektuellen und seitens der Bulgarisch-orthodoxen Kirche. Auf Grund der Ablehnung des nationalsozialistischen Antisemitismus in weiten Teilen der bulgarischen Gesellschaft und weiterer Proteste gelang es auch, Deportationen der ca. 50.000 Juden aus den vor 1940 zu Bulgarien gehörenden Gebieten zu verhindern. Über 12.000 Juden aus den bulgarisch besetzten Gebieten in Griechenland und Jugoslawien wurden in deutsche Vernichtungslager deportiert und dort ermordet.

Nellja Veremej: Bulgarisches Paradox: Reifeprüfung für die Zivilgesellschaft.

Antisemitismus in Kroatien

Der Antisemitismus der Balkanregion muss in Hinsicht auf die lange Beherrschung durch die multinational geprägte, aber dennoch im Kern katholische österreichische k.u.k. Monarchie sowie das Osmanische Reich, ihre nationalen Befreiungsbewegungen, die kurzen Abschnitten nationaler Selbstständigkeit sowie die anschließende Okkupation durch Deutschland im Rahmen des Zweiten Weltkriegs betrachtet werden. Der Antisemitismus in Kroatien bewegte sich im gesamteuropäisch üblichen Rahmen. Allerdings ermöglichte der vorherrschende Katholizismus und die in Relation zu europäischen Kernstaaten verzögert einsetzende Aufklärung dem unter anderem durch das Motiv des Gottesmordes geprägten Antijudaismus eine längere Lebensdauer.

Ebenso wie in Tschechien wurden die Juden im Verlauf nationaler Bestrebungen des 19. Jahrhunderts mit der als „überfremdend“ empfundenen „anderen Nation“ identifiziert. So galten die oft die kroatische Sprache nicht vollkommen beherrschenden und stattdessen ungarisch sprechenden „kroatischen Juden“ als Ausländer und wurden im Zusammenhang mit den „Magyarisierungsbestrebungen“ der österreichisch-ungarischen Herrschaft gesehen.

Um die Jahrhundertwende erschienen in Zagreb Zeitschriften wie Hrvatsko kolo, welche die nun erstarkten antijüdischen Tendenzen formulierten. Mit Erreichung der nationalen Unabhängigkeit im 1918 proklamierten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen schwächten sich diese Erscheinungen jedoch nicht ab, sondern intensivierten sich. Aufgrund der wirtschaftlichen Folgeschäden des Krieges entlud sich die Unzufriedenheit des Volkes in pogromähnlichen Ausschreitungen gegen Juden und deren Besitz in Form von Plünderungen und Zerstörungen ihrer Geschäfte und Häuser.

Es kam zur Vertreibung von Juden, die erst seit kurzer Zeit auf dem Territorium des neuen Staates lebten und demnach nicht das Recht auf die jugoslawische Staatsbürgerschaft besaßen. Weitere diskriminierende Maßnahmen waren der Ausschluss von den Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung sowie die Verwehrung des Zugangs von Juden zu diplomatischen Berufen. Trotz der genannten Diskriminierungen ist das Ausmaß des Antisemitismus in Kroatien im Vergleich zu anderen osteuropäischen Staaten wie Polen oder Russland als eher gering einzustufen.

Antisemitismus in Serbien

In den Jahren 1941 und 1942 fand in Belgrad eine Anti-Freimaurer-Ausstellung statt, die Teil der propagandistischen Kampagne der serbischen Nazi- Kollaborateursregierung war und von der Stadtverwaltung Belgrads finanziert wurde. Im Juni 1942 wurde Belgrad als erste Stadt Europas für „judenrein“ („očišćen od Jevreja“) erklärt. Vier Fünftel der serbischen Juden verloren in dieser Zeit ihr Leben.

helsinki.org.rs (MS Word; 80 kB) Helsinki Committee for Human Rights in Serbia: Antisemitism, 2008, (englisch).

Antisemitismus in den USA

Bis 1850 lebten nur etwa 60.000 Juden in den USA. Seit den russischen Pogromen von 1881 kamen jährlich 6.000 russische Juden dazu. Bis 1910 stieg die Zahl der amerikanischen Juden auf insgesamt zwei Millionen. Um 1930 lebten schon über vier Millionen Juden in den USA. Dieser enorme Zuzug führte zu regionalen Spannungen, die 1921 zu einer gesetzlichen Begrenzung der jüdischen Zuwanderung vor allem aus Südosteuropa durch ein Quotensystem führten.

Seit 1879 tauchten deutsche und französische antisemitische Schriften in der US-amerikanischen Öffentlichkeit auf. Der deutsche Lehrer und Antisemit Hermann Ahlwardt versuchte seit 1896, auch in den USA nach deutschem Vorbild eine antisemitische Partei zu gründen, scheiterte jedoch.

Im Gefolge des Ersten Weltkriegs entstand auch in den USA eine antisemitische Strömung. Dafür war seit 1920 vor allem die Kampagne von Henry Ford verantwortlich. Gegen seine öffentlichen Anklagen in der Zeitung Dearborn Independent erhoben sich jedoch sofort anhaltende Proteste von vielen Seiten, darunter dem Verband der Churches of Christ in America. In Großannoncen veröffentlichten u. a. 119 angesehene Bürger ihre Abscheu vor Fords antisemitischen Hetzparolen:

„Antisemitismus ist fast unabänderlich verbunden mit Gesetzlosigkeit, Brutalität und Ungerechtigkeit. Er ist ebenso unausweichlich verflochten mit anderen dunklen Gewalten, vornehmlich jenen, die korrupt, reaktionär und voll Unterdrückung sind. Wir glauben, der Kampf gegen diese Pest sollte nicht den Männern und Frauen jüdischen Glaubens überlassen bleiben…“

1927 widerrief Ford angesichts des breiten innenpolitischen Widerstands, angeführt von der schon damals jüdisch dominierten US-Presse, seine antisemitische Erklärung und brach die Kampagne ab.

In den 1930er Jahren waren Radiosendungen des antisemitischen katholischen Priesters Charles Coughlin sehr beliebt. Auch der Luftfahrtpionier Charles Lindbergh, der in der amerikanischen Öffentlichkeit beträchtliches Ansehen genoss, vertrat antisemitische Ansichten. Er war 1936 und 1938 zu Besuch im nationalsozialistischen Deutschland, wo er von Hermann Göring mit großem Pomp und mit viel propagandistischem Wirbel empfangen wurde.

Nach einer Umfrage von 1939 waren 53 Prozent der US-Bürger der Ansicht, dass Juden anders seien und Einschränkungen unterliegen sollten. Nur 10 Prozent hielten Deportationen für angebracht.

Frank E. Smitha: Roosevelt and Approaching War: The Economy, Politics and Questions of War, 1937–38, March 12, 2006

Verschiedene Untersuchungen zwischen 1940 und 1946 belegten, dass sie als eine größere Gefahr für das Wohl der Vereinigten Staaten angesehen wurden als jede andere national, religiös oder rassisch definierte Gruppe.[

Wesley P. Greear: American Immigration Policies and Public Opinion on European Jews from 1933 to 1945.

Antisemitismus in Japan und China

Nach Lenins Oktoberrevolution 1917 veröffentlichten die mit den Japanern gegen die Bolschewisten verbündeten „weißen“ russischen Truppen erstmals antisemitische Propaganda in Japan, wonach die Revolution eine Verschwörung von Juden gewesen sei. 1919 wurden die Protokolle der Weisen von Zion ins Japanische übersetzt.

Als Reaktion auf den europäischen Antisemitismus und um die USA zu Investitionen in Japan zu bringen, erwog die japanische Regierung seit 1930 mit dem Fugu-Plan, Zehntausende jüdische Flüchtlinge aus Europa anzuwerben und in der Mandschurei anzusiedeln. Man glaubte, Juden könnten Japans Wohlstand mehren und seine internationalen Handelsbeziehungen – besonders zu den USA, die man unter der Kontrolle amerikanischer Juden wähnte – verbessern. Der Plan war also icht judenfreundlich, sondern aus Glauben an eine jüdische Weltherrschaft motiviert. 1938, nach dem Anschluss Österreichs, gewann der Plan konkrete Gestalt; doch nach dem Pakt Japans mit Deutschland und Italien1941 blieb die Umsetzung aus. Die Regierung schürte den großjapanischen Nationalismus, ohne jedoch die in Japan lebenden Juden zu verfolgen. Erst aufgrund einer deutschen Intervention wurden aus Kōbe und anderen Städten Japans Juden in den durch die Japaner besetzten Shanghaier Stadtteil Hongkou (China) deportiert und ein jüdisches Ghetto in Shanghai errichtet.

Antisemitismus in Brasilien

In Brasilien fanden die Rassetheorien aus Deutschland und Frankreich auch bei Intellektuellen positive Aufnahme. Der brasilianische Diktator Getúlio Vargas hatte ab 1936 die Erteilung von Einreisevisa für verfolgte Juden verboten, zudem wurden zahlreiche Juden an Nazi-Deutschland ausgeliefert.

Fazit

Der Antisemitismus vor und während des Dritten Reichs war also keinesfalls auf Deutschland beschränkt. Man darf sogar sicher davon ausgehen, dass der internationale Antisemitismus den deutschen Antisemtismus entscheidend beflügelt hatte.

Keine Religion versteht es so geschickt, sich – vollkommen wahrheitswidrig – einseitig als Opfer darzustellen wie die jüdische Orthodoxie

Auffallend bei fast allen Publikationen über Juden, so auch den obigen, weitestgehendaus Wikipedia entnommenen Texten, ist, dass Juden darin ausschließlich als Opfer, und so gut wie nie als Täter auftrauchen. Juden sind und waren jedoch stets beides: Opfer und Täter.

So wird etwa so gut wie niemals darüber berichtet, dass die Idee der sowjetischen Gulags vom sowjetischen Judentum stammt, dass in der Duma, dem sowjetischen Parlament, weit überproportional Juden vertreten war. Auch die Gulagchefs wurden überproportional von Juden gestellt, und einer der größten Menschenfeinde der damaligen UDSSR Zeit war Jude:

Naftali Aronowitsch Frenkel

Der Jude Naftali Aronowitsch Frenkel (Foto links), war in den 1920er Jahren einer der Hauptverantwortlichen für die Entwicklung der Lagerstrukturen im Solowezki-GULag der Sowjetunion. In dieser Zeit erdachte er einen Plan zur „wirtschaftlicheren“ Ausbeutung der Häftlinge. Von ihm stammt der Ausspruch: „Aus dem Häftling müssen wir alles in den ersten drei Monaten herausholen – danach brauchen wir ihn nicht mehr.“

[Zitiert nach Friedrich Pohlmann: Stätten des Terrors im Kommunismus und Nationalsozialismus – Archipel Gulag und Konzentrationslager; in: Zeitschrift für Politik, 52. Jg. (2005), Heft 3, S. 297–317, hier S. 308.

Dazu hatte er die Idee, die Essensrationen an die Erfüllung der Arbeitsnormen beziehungsweise die Arbeitsleistung zu koppeln.

Das alles erinnert an die Funktion der Juden im Nachkriegs-Deutschland, die maßgeblich an der Bildung und Leitung der „Frankfurter Schule“ beteiligt waren – jenes ideologischen Epizentrums, vom dem aus sie die Vernichtung Deutschlands durch die Linken ideologisch vorbereiteten – begleitet von der Entwicklung eines grenzenlosen Selbsthasses gegen sich die eigene Kultur mit dem erklärten Ziel der Rassenvermischung in Europa (Coudenhove-Kalergi). Die wichtigsten Denker und Anführer der Frankfurter Schule waren allesamt Juden. Quelle

Über die zahllosen Opfer, die durch die jüdische Orthodoxie verursacht wurden (nur im diese geht es bei meiner Kritik am Judentum: Säkulare Juden, die mit 80 Prozent Anzahl an den 17 Mio Juden in der Welt die absolute Mehrheit bilden, distanzieren sich vom Talmud-und Kabbala-Judentum genauso wie nichtjüdische Kritiker und werden daher von den Vertretern dieser ältesten abrahmitischen Religion behandelt, als seine sie “Gojims” (Ungläubige) werden in der Folge auf meinem Blog weitere Artikel erscheinen, die den Mythos des friedlichen Judentums bis ins Mark erschüttern werden.

In den nächsten Monaten werde ich einen Artikel veröffentlichen, in welchem gezeigt wird, dass die jüdische New York Times bereits Ende des 19. Jahrhundert und in der Folge darauf mehrfach bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts (also lange vor dem Auftreten Hitlers auf der Weltbühne) davon schrieb, dass “6 Millionen Juden” irgendwo auf der Welt ermordet worden sind. Also eine Gesamtzahl, die weitaus größer ist als die Gesamtzahl aller Juden, die in dieser Zeit, verstreut auf dem Erball, gelebt haben.

Die Zahl 6 Mio ist im übrigen eine wichtige mystische Zahl der jüdischen Kabbala, die, vereinfacht gesagt, jene numerische Ziffer von Juden ist, die laut der jüdischen Offenbarung, als Opfer sterben müssen, damit der ersehnte Messias zurückkehren wird. Ein Thema, das mit aller Verbissenheit von den Medien verschwigen wird – die in der Mehrzahl in der hand oder unter der Kontrolle von Juden sind, wie ich in einem meiner letzten Artikel anhand unwiderlegbarer Quellenangaben und Beweise darstellen konnte.

***

HINWEIS VON MICHAEL MANNHEIMER

Auch dieser Artikel enthält angeblich “absolut unzulässige Inhalte”. Inhalte, die, so die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, unsere “Jugend gefährden”.

Denn laut Beschluss der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wurde mein Blog und alle meine tausenden Artikel im Februar 2019 per einfachem Behörden-Erlass indiziert.

Mein Blog und alle Artikel wurden offiziell wie folgt eingestuft: “Absolut unzulässige Inhalte” wegen Gefährdung der Jugend.

Schon 2016 erhielt ich eine Strafanzeige dieser “Behörde” folgendes Inhalts:

„Sein Inhalt ist offensichtlich geeignet (§23 Abs.1 JuSchG) Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren, wie das Tatbestandsmerkmal „Gefährdung der Entwicklung Kindern und Jugendlichen oder ihrer Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“ in §18 Abs. 1 JuSchG nach ständiger Sprachpraxis der Bundesprüfstelle sowie höchstrichterlicher Rechtsprechung auszulegen ist.“

Es ist also nicht länger Sache eines Gerichts, was die Beurteilung der Grundrechts auf Meinungsfreiheit (ein Grundrecht hat sog. “Ewigkeitswert”) anbelangt – sondern das macht eine dem Bundesministerium untergeordnete Behörde auf Weisung von oben. Was ein klassisches Merkmal für eine Diktatur ist. (Mehr dazu hier.)

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Seit Jahren arbeite ich meist unentgeltlich an der Aufklärung über die Islamisierung unseres Landes und Europas. Für meine Vorträge bei Parteien nehme ich prinzipiell kein Honorar: niemand soll mir nachsagen, dass ich im Dienste einer Partei stehe. Ich bin radikal unabhängig und nicht parteigebunden. Doch das hat seinen Preis: meine finanziellen Reserven sind nun aufgebraucht. Ich bin daher für jeden Betrag, ob klein oder größer, dankbar, den Sie spenden. Sie unterstützen damit meine Arbeit an der Aufklärung über die Islamisierung und meinen Kampf gegen das politische Establishment unseres Landes.
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